13.04.2011 - 00:22 Uhr

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Schiefes Bild

Text: butcher_boy

Dies ist dein
federleichtes
Gedicht
dein Lieblingsraum
aus Gold
hier der Schlüssel
sperr auf und finde
eine Wüste
hinter der Tür
ihr Himmel hat
deine Farbe
der Wind geht
in deiner Stärke
lau oder kühl
du kannst
die Entfernungen
selbst bestimmen
das Licht ist
justierbar
zeichne eine Oase
in die Karte
und sie ist da
die Palmen
symmetrisch
das Wasser vergisst
seine Anomalie
alles ist
einfach viel
zu einfach



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JMW
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Mag ich Mag ich nicht

1

09.04.2011 - 19:54 Uhr
JMW

Jo Chris, das ist nicht schlecht, muss man mehrmals lesen aber das macht bei guten Gedichten ja Sinn.

Hier kommt meine Interpretation: Das Gedicht als Welt in der man nach eigenem Gutdünken schaffen und gestalten kann ist eine schöne Metapher, weil es wirklich so IST: Keine Bühne, kein Schauspiel, keine "Illusion" (obwohl von all dem etwas) sondern wirklich "die Welt".

Die Realität eines Gedichts, was sich also im Text tut oder nicht ist per se nicht weniger real als, sagen wir, in den Supermarkt zu gehen um sich eine Tube Tomatenmark zu kaufen. Beides findet im Kopf statt und mir zum Beispiel kommt weiß Gott das Anstellen in einer Supermarktkassenschlange oft irrealer vor als jede "Literatur".

Die völlige Gestaltungsfreiheit in der "poetischen Realität" ist natürlich super, weil einem damit buchstäblich ALLES offensteht und genau das ist ja auch das Geile daran, allerdings auch der Knackpunkt, den du in einer schönen Pointe rausgearbeitet hast: Es ist "zu einfach", jedenfalls erst mal, weil man eine solche Gestaltungsfreiheit in der "realen Welt" natürlich nicht hat.

Der Trick ist jetzt, sich etwas von der "poetischen Realität" mit in die "reale Realität" zu nehmen, nämlich das Bewusstsein, dass die Gestaltungsfreiheit nicht auf dem Papier (oder dem PC-Schirm) endet: Man kann zwar in der Realität weder den Wind noch das Wasser beeinflussen, aber doch schon um Einiges mehr, als man meistens glaubt. Man darf also nicht den Fehler machen (hab ich jahrelang gemacht) die Literatur als Ventil und Bühne für alles zu nehmen, was in der realen Welt nicht hinhaut, also NUR als das.

Das muss sich wechselseitig beeinflussen und so wie man in dem einen experimentieren und mutig sein und Spaß haben kann, so kann das auch auf der anderen Ebene laufen. Und so soll es auch sein.

Also, mein Freund. Guter Text, ewiges Problem im Kern erkannt, schöne Ausführung. Titel funktioniert nicht ganz und „federleicht“ stört mich irgendwie, kann allerdings nicht genau sagen, warum.

Freut mich, dass du kontinuierlich am Schreiben dran bleibst und richtig so: Falls es dir was bedeutet, das von mir zu lesen, hier kommts schriftlich: Du hast Talent und bist auf einem guten Weg.

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