Die Elektro-Nische
Friedemann Karig sichtet für uns wieder minimalen Techno, maximale Disco und noch mehr geilen BummBumm.

Bodi Bill - What?
Beginnen wir mit deutschem Elektro in Moll: Bodi Bill , die Boygroup der hippen Hauptstadtszene, veröffentlicht ihr drittes Album „What?". Völlig zurecht sind die Touren der Berliner ausverkauft, schwärmen junge Mädchen von Sänger Fabian Fenks deutschem Akzent und der davon getragenen Poesie, mögen nun manche den kommerziellen Um- und Durchbruch erwarten. Und die erste Single „Brand New Carpet" scheint diese Prognosen zu bewahrheiten: So viel Pop war nie in den geschickt verzögerten Einsätzen der Stimme, so pflegeleicht war die Produktion bisher nicht gescheitelt, so konsensfähig war die Melancholie bisher nicht dosiert. Und dennoch: Die Band hat sich die Identität und große Musikalität weder vom Streben nach Erfolg noch vom Zwang zur nächsten künstlerischen Entwicklungsstufe vernebeln lassen. Sperrig und eigen klingt dieses Album nämlich besonders, wenn man gerade dachte, es werde vorhersehbar. Oder herrlich episch wie bei „Hotel" und mit dem Mut zur großen Geste, denn: „A knife is still a knife, even when it sticks in your chest." Die Single „Brand New Carpet":
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Stephan Bodzin vs. Marc Romboy - Luna
Vor sechs Jahren starteten die beiden deutschen Produzenten Bodzin und Romboy ihr interstellares Projekt mit dem Titel „Luna", welches hymnischen Tech-House in verheißungsvoll betitelte Tracks wie „Oberon" oder „Callisto" goss. Nun veröffentlichen sie alle Produkte der Zusammenarbeit sowie diverse Remixe auf einer Doppelscheibe. Eine exquisite Auswahl an Kollegen (Boratto, Tresher, Liebing, Eulberg, Huntemann etc. pp.) schenkt den ohnehin wunderschönen Songs neuerlichen Glanz, und so tritt bei einigen Versionen ein seltenes Ideal ein: Man weiß nicht, ob das Original oder der Remix besser ist. Zuerst kommt ein Video vom Tourstart inkl. ein bisschen Musik, danach der funkige Gui Boratto Remix von „Atlas":
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Steffi - Yours and mine
Das clubeigene Label Ostgut Ton leiht sich den Namen vom legendären Vorgänger des Berghain und führt mit Ben Klock, Marcel Dettmann oder eben Steffi einige der höchstgehandelten Produzenten des Landes. Und das wundervoll tiefe Dance-Album der Niederländerin, die als Residentin die Panorama Bar bespielt, baut den formidablen Ruf des Labels aus: „Nightspacer" und „Lilo" sind typische Berliner Techno-Goldstücke mit Muskeln und Herz. Leider vereiteln mir omnipräsente Synthie-Flächen und andere House-Anleihen die absolute Lobhudelei. Aber super produzieren tut sie schon, die Steffi. Ein inoffizielles Video zu „Yours":
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Agaric - Who made up the rules
Wenn ich jetzt schreibe, dass mich dieses Album an Caribou erinnert, werden jene Puristen aufschreien, die solche Vergleiche ehrenrührig finden. Ich hingegen benutze die Referenz als Qualitätssiegel für stimmungsvollen, soften Techno ohne Scheuklappen. Agaric aka Patrick Skoog macht solch tolle Musik. Vielleicht nicht so blitzeingängig, aber ebenso elaboriert und wohltuend. Der Titeltrack ist der subtile Hit einer rhetorischen Frage, „Nahua" bringt den coolsten Beat des Monats, „Drifter" einfach Spaß.
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Fedde le Grand & Patric la Funk - Autosave
Wer schon immer wissen wollte, woher all die mittelmäßigen Electro-House Veröffentlichungen kommen, sollte sich dieses Video anschauen. Der Ton muss ja nicht mitlaufen.
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Nôze - Dring
Für die Musik der zwei französischen Feierbiester gibt es eine Schublade: Gypsy House. Diese Bezeichnung ist mein Glück, sonst dürfte ich das neue Album „Dring Dring" hier gar nicht als elektronische Musik anführen. Denn darauf wurde fast alles von Hand eingespielt, halten sich die programmierten Sounds im Hintergrund, weisen die Songs meist Songstrukturen und selten lineare Techno-Abläufe ab. Für meine versauten Ohren klingen jedoch genau die Stücke, welche am ehesten Techno sind, am besten: „Marabout" beispielsweise besticht durch die Mischung aus Minimal Beat, maximaler Blaskapelle und mehrstimmiger Lautmalerei. Oder „Dring Dring" (featuring Riva Starr), das die gewohnte Mischung aus Off-Beat-HiHat, verrückten Vocals und Zigeunermelodien bringt. Und dessen Teaservideo nochmals vor Augen führt, warum Nôze in den Club gehört:
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Marco Carola - Play It Loud! Eigentlich wollte ich das neue Album des Italienischen Star-DJs ein bisschen ignorieren. Dafür war es jedoch ein bisschen zu gut. Also schreibe ich hier ein bisschen, warum man es kaufen könnte: Weil es schon beim ersten Hören so nachhaltig ins Ohr springt, dass man es tagelang mit sich herum trägt. Weil es manchmal schön verspielte, manchmal frech direkte Tanzmusik ist. Weil es keinen schwachen Track, aber mindestens fünf sehr gute hat. Weil es zwar manchmal kindisch und simpel klingt, gute Tanzmusik das jedoch darf. Weil die Beats zwischen Minimal und House alle ganz geil sind, nicht so jeil wie bei Kalkbrenner, sondern wirklich geil wie: paarungsbereit. Weil ich gerne einmal im Monat eine Party besuchte, wo solche Musik aufgelegt wird. Laut, natürlich. Standbild-Video zu „Black Box":
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Moguai - Moguai Live DJ Setup Bundle
Über die Musik kann man streiten, das Experiment ist interessant: Moguai veröffentlicht ein Live-Set als Ableton-Bundle, also inklusive aller Dateien und Spuren, die er selbst beim Auflegen benutzt hat. Der geneigte Hobbyproduzent kann nachverfolgen, was wie warum gespielt wurde, und einen eigenen Mix aus dem Material erstellen. So tief hat sich noch nie ein Künstler in die Plattenkiste schauen lassen. Und wem Moguais Kram nicht gefällt, weiß dann immerhin ganz genau, wie man es nicht macht.
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Adam Port feat. Ruede Hagelstein - Corrosive Love
Wenn jemand alte Skate- und Surfvideos hinter einen angenehmen Vocal-Tech-Track legt, darf er ohne weiteren Kommentar diese Kolumne beschließen.
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Ballaballa.
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24.03.2011 - 22:56 Uhr
t_b