Das Ende der Männer
Vielleicht müssen wir in ein paar Jahren über Männerquoten diskutieren. Das starke Geschlecht verliert an allen Fronten - behauptet ein Artikel aus dem Magazin "The Atlantic"
Angestrichen:Michelle: He's changed majors, like, 16 times. Last week he wanted to be a dentist. This week it's environmental science.
Erin: Did he switch again this week? When you guys have kids, he'll definitely stay home. Seriously, what does he want to do?
Michelle: It depends on the day of the week. Remember last year? It was bio. It really is a joke. But it's not. It's funny, but it's not.(...)
"Women live longer than men. They do better in this economy. More of 'em graduate from college. They go into space and do everything men do, and sometimes they do it a whole lot better. I mean, hell, get out of the way—these females are going to leave us males in the dust."
Wo steht das denn?
Im Magazin "The Atlantic" - der Text steht unter der Überschrift End of Men.
Während in Deutschland - zu Recht - über Frauenquoten in Konzernen debattiert wird, fragen sich in den USA manche Schuldirektoren, ob es nicht sinnvoll wäre, Jungs zu fördern. Mittlerweile machen Frauen 60 Prozent der Master-Abschlüsse und ebenso viele Bachelor-Abschlüsse. Zwar besteht noch immer ein großes Einkommensgefälle zwischen Männer und Frauen - der Einkommensmedian der Frauen liegt bei 25.474 US-Dollar, der der Männer bei 32.469 US-Dollar - doch sollte der bestehende Trend andauern, dürfte das bald der Vergangenheit angehören. 1970 trugen Frauen zwischen zwei und sechs Prozent zum Familieneinkommen bei. Heute sind es durchschnittlich 42 Prozent, schreibt die Autorin Hanna Rosin. Das ist prinzipiell natürlich erfreulich, bringt aber neue Probleme mit sich.

Die Zahl der Heiraten ist im selben Zeitraum ebenfalls enorm zurückgegangen. Eine Erklärung dafür ist: Viele Männer genügen den Ansprüchen der Frauen nicht mehr. In der heutigen Arbeitswelt zählen vermeintlich männliche Eigenschaften wie Aggressivität und Konkurrenzfähigkeit nicht mehr viel. Gleichzeitig sind die klassischen Arbeiterjobs, bei denen reine Muskelkraft erforderlich ist, massiv im Schwinden. Aber die Probleme sind nicht rein wirtschaftlicher Art: Schon in der Schule schneiden Jungs schlechter ab, sind verhaltensauffälliger, begehen häufiger Straftaten.
"Guys high-five each other when they get a C, while girls beat themselves up over a B-minus. Guys play video games in each other's rooms, while girls crowd the study hall. Girls get their degrees with no drama, while guys seem always in danger of drifting away.", heißt es in dem Text weiter. Die Erklärungsversuche für diese Entwicklung sind vielfältig: Die einen geben aggressiven Feministinnen die Schuld, die Jungs mit Anpassungsschwierigkeiten automatisch als pathologische Störenfriede abkanzeln. Andere machen das so sehr auf verbale Fähigkeiten konzentrierte Erziehungssystem dafür verantwortlich, das die natürlichen Interessen von Jungs ignoriere. Manche sprechen von einer anderen Gehirnchemie von männlichen Kindern. Mehr oder wenig einig aber sind sich Experten darin, dass sowohl die Wirtschaft als auch das Schulsystem hohen Wert auf Selbstkontrolle, Konzentration und verbale Fähigkeiten legt - Eigenschaften, die junge Mädchen eher aufweisen als Jungs.
Das Fazit des Textes ist gleich seiner Überschrift: Es ist das Ende der Männer. Ist das schlimm? Das ist eine andere Frage. In einem Weiterbildungskurs für Väter schreibt der Leiter die Zahl 85.000 US-Dollar an die Tafel. "Das ist ihr Einkommen", sagt er. Dann schreibt er "12.000 US-Dollar". "Das ist dein Einkommen. Wer ist jetzt der Mann? Wer ist der vedammte Mann?"
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04.03.2011 - 18:46 Uhr
ThomasCrown
erfolgt die diskriminierung dann denn über strukturelle (siehemangelnde vereinbarkeit von kind und karriere bei frauen) und geschlechtsspezifische ("die könnte ja schwanger werden", "frauen sind einfach nicht so gut") benachteiligung oder aufgrund mangelnder bildung?
zweiteres ist nämlich kein problem, was über quoten zu lösen ist.
04.03.2011 - 18:47 Uhr
ThomasCrown
Eine Erklärung dafür ist: Viele Männer genügen den Ansprüchen der Frauen nicht mehr. In der heutigen Arbeitswelt zählen vermeintlich männliche Eigenschaften wie Aggressivität und Konkurrenzfähigkeit nicht mehr viel.
Konkurrenzfähigkeit ist eine *maennliche Eigenschaft*? Was ist denn das fuer eine sexistische Scheisse? Und dann noch nicht mal distanziert pfft...
"Guys high-five each other when they get a C, while girls beat themselves up over a B-minus.
Allein zu diesem Zitat gibt es soviel zu sagen, und trotzdem bringt es der Text nur auf Klischeeniveau.
Zuersteinmal: In vielen Studien lese ich immer wieder, dass Jungs stärker ausschlagen, während Mädchen sich eher um den Durchschnitt herum einpendeln. D.h. es gibt mehr Hochbegabte Jungs, aber eben auch besonders viele schlechte Jungs.
Während der IQ-Test aufgrund der unterschiedlichen Begabungsformen so gestaltet ist, dass sowohl Jungs als auch Mädchen einen Durchschnitt von 100 haben, gibt es mehr Jungs mit extrem hoher -- und infolgedessen auch extrem niedriger Intelligenz als Mädchen.
Interessanterweise wird als Grund von Frauen, weshalb Frauen im Job weniger erreichen als Männer, sehr oft das Argument der "Männer-Chefs/Männer-Autoritäten/Männer-Netzwerke" genannt. Heißt: Männer wollen eher andere Männer als andere Frauen befördern, weil sie männliches Verhalten als wettbewerbsfähiger sehen.
Umgekehrt wird aber als Grund, weshalb Jungs schlechter in der Schule abschneiden, seltener genannt, dass es insbesondere auf der Grundschule einen Lehrerinnenüberhang gibt. D.h. die Benotungs- und Autoritätspersonen sind eher weiblich. Ließe das nicht einen Anogieschluß zu?
Daneben gibt es immer noch unterschiedlich ausgeprägte Veranlagungen, unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Berufsfelder. Es hat doch nicht allein was mit Muskelkraft zu tun, dass die Jungs alle im Physikunterricht landen und die Mädels in Bio. Für mein Studium brauchte ich keine Muskelkraft, trotzdem hatten wir 97% Männer.
In der heutigen Arbeitswelt zählen vermeintlich männliche Eigenschaften wie Aggressivität und Konkurrenzfähigkeit nicht mehr viel.
In welchem Hinterweltsparadies lebt denn die Journalistin?
Nenn es Durchsetzungsfähigkeit, Risikofreudigkeit und Selbstbewusstsein -- alles Dinge, nach denen Mitarbeiter vom Bewerbungsgespräch übers Jahresgespräch zur Gehaltserhöhung bis zum Sprung zur nächsten Beförderung beurteilt werden. Wem wird da mehr zugetraut?
Schlußendlich gilt aber noch immer: Es gibt nicht "die Frauen", die "die Männer" hinter sich lassen, genauso wenig wie umgekehrt. Es gibt nur Individuen.
Es gibt die einzelne Frau, die möglicherweise durchsetzungsfähiger und verhandlungsstärker ist als ich und deshalb den besseren Job bekommt, selbst wenn ich stärker ausgeprägte verbale analytische Fähigkeiten besitze.
ThomasCrown sagte:
@drolli: "vermeintlich männliche..." - da ist die distanzierung doch drin?
Nein. Wenn man "eine Erklaerung ist" schreicht, macht man die folgenden Erklaerung zu einer objektiven Tatsache (Ich fasse diese zwei Saetze als zusammenhaengend auf).
Das vermeintlich wird hier von der Authoring fehlerhaft benutzt. Haette es den eigentlichen Sinn von "aber in der Realitaet gilt das gar nicht" dann duerfte eine Verschiebung der Gewichtung im Beruf eben *keinerlei Auswirkungen* auf die Mann-Frau Gewichtung haben, dann wuerde der Satz weder fuer sich genommen noch im Zusammenhange als Erklaerung einen Sinn ergeben. Eine vermeintliche Tatsache kann zu keiner Erklaerung dienen, sondern nur zu einer vermeintlichen Erklaerung.
Der orginalartikel (die Fragmente sind offenbar schlicht schlecht uebersetzte Einzelpassagen) ergibt mehr Sinn wenn ens um "Aggressiv und wettbewerbsfaehig" geht:
What are these talents? Once it was thought that leaders should be aggressive and competitive, and that men are naturally more of both. But psychological research has complicated this picture. In lab studies that simulate negotiations, men and women are just about equally assertive and competitive, with slight variations. Men tend to assert themselves in a controlling manner, while women tend to take into account the rights of others, but both styles are equally effective, write the psychologists Alice Eagly and Linda Carli, in their 2007 book, Through the Labyrinth.
jungfrauMaria sagte:
Wo ist denn bitte das Problem damit, dass weniger geheiratet wird? Und wieso soll das daran liegen, dass frau anspruchsvoller geworden ist? Frauen müssen sich halt nicht mehr in ihrer Jugend auf die Suche nach einem Versorger machen. Ist doch ne tolle Sache.
haha, den Versorger brauchst du nicht mehr, aber viel Spaß, wenn du dich erst nach deiner "Jugend" auf die Suche machst, und du die Ansprüche mal gewaltig nach _unten_ schrauben mußt. Dann sag noch mal, daß da kein Problem ist.
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04.03.2011 - 18:42 Uhr
ThomasCrown
das hör ich nicht zum ersten mal. wäre schön, wenn das irgendwann mal wirklch wahr wird.
ach kinners. das ist ja nun nicht erst seit gestern so, daß die jobs für geringqualifizierte wegfallen. dann müssen die männer ohne abi und studium halt altenpflegehelfer, supermarktkassierer oder putzmann werden. das ist kein rein männliches problem.
ja, das ist ein empirisch belegter punkt und da muß man ansetzen, um die probleme der jungen in den griff zu kriegen.
achje. ist das so? oder ist das einfach nur ein schwank aus dem eigenen leben?