Zenga-Zenga: Web-Protest gegen Gaddafi
Die Welt blickt entsetzt nach Libyen, ein junger Israel gibt dem Protest gegen Gaddafi eine Stimme
Auf Facebook wird Noy Alooshe als Musiker geführt, er selber bezeichnet sich als Journalist und beides stimmt: der 31-jährige Israeli ist ein moderner Publizist, der die Instrumente des Netzes nutzt, um sich zu äußern. Dazu zählt Musik genauso wie Video und der Mut zur Meinungsäußerung. All das hat Noy Alooshe zusammengeführt: Er hat die Bilder der Rede des libyschen Diktators Muammar-al-Gaddafi mit dem Song Hey Baby von Pitbull ft. T-Pain unterlegt.Das Mashup wurde zu einem sich schnell verbreitenden Anti-Gaddafi-Song auf YouTube. Die grenzenlose Webgemeinde erfreut sich an dem Video, und die libysche Protestbewegung hat bereits angekündigt, den Song spielen zu wollen, wenn Gaddafi denn gestürzt sei.
Besonders ist daran zweierlei: Zum einen ist die Politik des libyschen Diktators derzeit alles andere als lustig (siehe hierzu den Live-Ticker auf sueddeutsche.de). Zum anderen stammt Noy als Israel. Zwar sind seine Großeltern aus Tunesien, aber der 31-Jährige lebt in Tel Aviv und ist selber erstaunt über die Wellen, die sein Song in der arabischen Welt schlägt. Zwar gebe es unter den Reaktionen aus der arabischen Welt einige, die ihn für einen Mossad-Agenten hielten, sagt Noy, die allermeisten Kommentare seien aber eher positiv. Ein Ägypter habe ihm geschrieben: "Es stimmt, du bist Israeli und ich hasse dich, aber dein Remix ist wunderbar."
Noy selber spricht kein Arabisch und musste sich mit Hilfe des Google-Übersetzungsprogramms herleiten, was der Titel seines Songs denn eigentlich bedeute: Zenga steht für das arabische "zanqa" was so viel wie Straße oder auch Nachbarschaft heißt. "Straße für Straße" wolle er das Land von seinen Feinden befreien, hatte Gaddafi in dem Video angekündigt und damit indirekt dem Protest-Song seinen Titel gegeben.
Mittlerweile haben viele große Medien über Noy berichtet, sein Song hat es sogar zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht, fast zwei Millionen Mal wurde er auf YouTube aufgerufen. Noy freut sich darüber: "Der Clip zeigt, wie stark die Welt mittlerweile verbunden ist," erklärte er einer israelischen Zeitung, "und das ist doch das Großartige am Internet. Ich habe sogar schon das Angebot bekommen, nach Zenga Zenga jetzt auch ein Video über Silvio Berlusconi und sein Bunga-Bunga zu machen."
Mehr zum Thema: Auf sueddeutsche.de im Live-Ticker und auf Noys Facebook-Seite. Zu Fragen des Urheberrechts außerdem auf jetzt.de: Feuerzeugmeer im digitalen Raum.
- Wer hat Schuld am Hunger? 16.12.2011
- Durchschnittsbürger für Obama 05.04.2011
- Mit der Handkamera durchs Erdbebengebiet 28.03.2011
- 18 Millionen mal gesehen, Millionen mal gemobbt 22.03.2011
- Liebe Afrikaner! 17.03.2011
Mehr Texte von jetzt.de liest Du jeden Montag in der Süddeutschen Zeitung - außerdem dienstags im Lokalteil der SZ. Du kannst die SZ zwei Wochen kostenlos testen - du musst nicht einmal kündigen!






