07.02.2011 - 18:30 Uhr

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Todesursache: unbekannt

Text: jurek-skrobala - Bild: rivva.de

Ein Schrei geht durch die Blogosphäre. Der Nachrichtenaggregator Rivva ist offline. Eine Annäherung an die Frage, warum.

Die Startseite von Rivva gleicht einer Grabinschrift: "2007 – 2011" steht dort in schwarzen Lettern. Darüber ein Screenshot, der an die Lebenszeit des Nachrichtenaggregators erinnert. Damals, als Rivva noch der News Reader war, welcher sich aus den Entscheidungen der Blogger gespeist hat: Woran halte ich mich und woran nicht im Dickicht der Bloglandschaft? Das hat vor einer Woche Rivva noch beantwortet. Nun ist der Rivva-Blog ein Kondolenzbuch. Den ersten Eintrag hat Frank Westphal verfasst, der geistige Vater der Seite: "War schön dich zu programmieren, Rivva, auch wenn du blöder Bot häufiger eine Schraube locker hattest." In den 209 Kommentaren danach liest man Verzweiflung, Ratlosigkeit und Dank für das, was war. Der Journalist Richard Gutjahr appelliert darin an Westphal: "Ach Frank, jetzt hör' auf - ich meinte: mach weiter! Wir brauchen Dich!" Westphal schweigt jedoch nach seiner Bekanntgabe, beantwortet keine Anfragen per E-Mail und geht nicht an sein Handy.



Ganz überraschend kommt das Ende von Rivva nicht. "Brauche Abstand", hatte Westphal am vergangenen Freitag verkündet – Rivva auf Pause. "Der Betreiber Frank Westphal hat wiederholt erwähnt, dass der Dienst für ihn eine große zeitliche Belastung ist", so Markus Beckedahl, der den mehrfach prämierten Blog Netzpolitik betreibt und Rivva täglich verfolgt hat. Rivva war bis zum Ende ein Ein Mann-Unternehmen, der technische Aufwand enorm. Der Journalist und Blogger Wolfgang Michal, der Westphal 2010 interviewt hat, formuliert eine These, die Westphals Abstand auch erklären könnte: "Frank muss alle paar Jahre was anderes machen. Er braucht diese Wechsel. Denn er ist ein heller Kopf." Schon in dem Interview vor zehn Monaten hat Westphal durchblicken lassen, dass die Seite fertig sei und damit beendet. "Es gab nichts mehr zu basteln."

Neben der Zeit für und dem Interesse an Rivva wäre da vor allem noch eins: das Geld dank Rivva. "Die Seite ist in der Vergangenheit weder durch Spendenaufrufe noch durch viele Werbebanner aufgefallen. Dass dies für Frank Westphal keine große Geldquelle war, ist sicher", meint Daniel Fiene von Was mit Medien. Aber wollte Westphal das überhaupt, Rivva zur großen Geldquelle machen? Der Kommunikationswissenschaftler Markus Bertling hat sich in seiner Magisterarbeit intensiv mit der Blogrundschau befasst. Er weiß, dass Westphal vier Jahre lang an Rivva gesessen hat mit der ursprünglichen Absicht, einen besseren Feedreader für sich selbst zu bauen. "Aus eben diesem Grund hat er nie angestrebt, den Dienst zu monetarisieren oder zu verkaufen." Westphal habe das Projekt unkommerziell betrieben.

Hätte er das auch so gemacht, wenn er andere Marktstrukturen vorgefunden hätte? "Die deutschen Verlage hätten in meinen Augen längst das Potential des Dienstes erkennen und ‚heben’ müssen." In den Vereinigten Staaten investierten kürzlich mehrere Zeitungshäuser zwölf Millionen Dollar in den Social Media-basierten Nachrichtenaggregator Ongo. Hierzulande bedanken sich Mitarbeiter der ZEIT lediglich im Kondolenzblog bei Westphal. "Wollen wir nicht alle ein bisschen Ordnung in diesem unübersichtlichen Internet?", fragt Daniel Fiene. Und gibt selbst die Antwort: "Vielleicht sollte es uns ein paar Euros wert sein." Trägt also der deutsche Markt die Schuld daran, dass es Rivva nicht mehr gibt?

Die Antwort kennt Frank Westphal. Doch eins ist jetzt schon klar: Für viele Blogger, Journalisten und rege Netzinformanten klafft mit dem Verlust von Rivva in der Lesezeichenleiste seit gestern eine bedeutsame Lücke. "Rivva war einzigartig im deutschsprachigen Raum, um einen Überblick zu erhalten, welche Blog-, Twitter- und YouTube-Beiträge aktuell viel verlinkt und diskutiert werden", so Markus Beckedahl. Auf die Frage, ob es denn keine vergleichbaren Anbieter gebe: "Schön wäre es." Der Google News Reader, das Burda-geführte nachrichten.de, der noch junge Commentarist, die Schweizer facts.ch aggregieren fleißig weiter – und werden allesamt deutlich schlechter angenommen.

Jeder Abschied bringt auch neue Erkenntnisse. Dass Rivva down ist, bietet "die Chance auf eine Veränderung des allgemeinen Blogverhaltens", meint Ronny Kraak, Betreiber des Blogs Das Kraftfuttermischwerk. "Vieles, was bei Rivva landete, wurde von einigen Blogs eben genau deshalb nicht mehr gebracht. Es galt als 'durch'." Das sei der Verbreitung von guten Inhalten nicht immer förderlich gewesen. Das Ende von Rivva kann man also auch als Chance empfinden, die Blogosphäre mit einer neuen Unbefangenheit zu lesen. Medien wie Rivva sind letztlich nicht für die Ewigkeit gemacht, werden schnell von anderen, änhlichen Medien abgelöst oder weitergedacht: Rivva ist tot. Es lebe das Netz.


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shins
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Mag ich Mag ich nicht

11

07.02.2011 - 19:36 Uhr
shins

Schaut mal, ich bin 26 und hab noch nie was von der Seite gehört. Und jetzt isses weg und ich vermisse nichts. Ist das nicht großartig?

Immer schön optimistisch: shins

Purcell
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Mag ich Mag ich nicht

5

07.02.2011 - 19:59 Uhr
Purcell

shins sagte:
Schaut mal, ich [...] hab noch nie was von der Seite gehört.


Und ich auch nicht.

rotfront
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Mag ich Mag ich nicht

10

07.02.2011 - 20:17 Uhr
rotfront

Purcell sagte:
shins sagte:
Schaut mal, ich [...] hab noch nie was von der Seite gehört.


Und ich auch nicht.


Ich auch nicht.
Und für mich sind Blogger immernoch Nerds, die ihre Katzenfotos hochladen und Texte darüber schreiben, was ihnen so abgefahrenes passiert ist, als sie sich das letzte Mal zum Einkaufen rausgetraut haben :)

fl1x
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Mag ich Mag ich nicht

13

07.02.2011 - 20:44 Uhr
fl1x

so wie jetzt-user? :)

apollyon
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Mag ich Mag ich nicht

0

07.02.2011 - 20:46 Uhr
apollyon

rotfront sagte:
Ich auch nicht.
Und für mich sind Blogger immernoch Nerds, die ihre Katzenfotos hochladen und Texte darüber schreiben, was ihnen so abgefahrenes passiert ist, als sie sich das letzte Mal zum Einkaufen rausgetraut haben :)


Nicht das ich diese Seite kenne...aber ist Dein Kommentar nicht ein kleines bisschen verallgemeinernd?
Neben den ganzen persönlichen Blogs gibt es halt auch einen Haufen Nachrichten-Blogs, Politik-Blogs, Blogs über Mathematik, Makroökonomie, Programmierparadigmen, nützeliche Hinweise für das alltägliche Leben, oder halt philosophische Betrachtungen über die Welt.

Viele Blogger können gut schreiben und bemühen sich, langfristig ihre Qualitätsstandards zu halten. Gegen über dem, was man in vielen Communities findet, ist die S/N-Ratio bei "seinen" ausgewählten Blogs halt ziemlich niedrig.
Dass es daneben noch einen Haufen Mist-Blogs gibt ist unbenommen.

rotfront
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Mag ich Mag ich nicht

4

07.02.2011 - 21:13 Uhr
rotfront

apollyon sagte:
Nicht das ich diese Seite kenne...aber ist Dein Kommentar nicht ein kleines bisschen verallgemeinernd?


klaro ist es das. vereinfachungen machen das leben leichter.
deswegen hab ich ja auch geschrieben:
Und für mich sind Blogger...

barrabarra
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Mag ich Mag ich nicht

1

07.02.2011 - 23:08 Uhr
barrabarra

ihr habt nichts begriffen. die blogosphäre ist immer noch der versuch, in selbstausbeutung und ohne kapitalistische interessen eine gegenöffentlichkeit zu installieren, von der alle profitieren können, die sich informieren oder auch bloß unterhalten lassen wollen. und es ist schade, wenn solche aufhören, die eine bereicherung waren. katzenbilder gehören da nicht dazu.

looqpool
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.02.2011 - 01:25 Uhr
looqpool

° Also wir sind ON und plötzlich bevölkert sich Alles in meinem Bauch und füllt sich mit Online-Usern - stadt meine Schublade, die ich dann wohl falsch präpariert hab - ok, ich verbinde dann nochmal... +01189.-
so, jetzt müsstet ihr dort in der Schublade denken, ihr seid am marienpaltz, aber nein, ihr seid unter meinem Laptop... Klein und bleich...

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

0

08.02.2011 - 06:12 Uhr
drolli

War das projekt open source? Wenn ja, dann kann ja jetzt jemand anderes uebernehmen.

Ansonsten: alles vergeht

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