25.01.2011 - 18:30 Uhr

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"Bei manchen ist es wie eine Sucht"

Text: philipp-mattheis

Warum setzen erwachsene Männer für ein bisschen Farbe noch nachts ihre Existenz aufs Spiel? Henrik und Björn haben einen Film über die Faszination von Graffiti gedreht.

 Am 2. Februar läuft „Unlike U“ in deutschen Kinos an. Die Dokumentation liefert ungekannte Einblicke in die Berliner „Trainwriter-Szene“. Vier Generationen von Sprühern – die ältesten sind 40 Jahre alt – erzählen von ihrer Leidenschaft, illegal Züge zu bemalen. Henrik Regel, 31, Björn Birg, 29, haben über sechs Jahre Kontakte in die Szene aufgebaut und Aufnahmen gesammelt.    

Die Sprüher, die in eurem Film zu Wort kommen, malen alle schon seit mehreren Jahren. Viele sind Ende 20, Anfang 30. Was treibt die Menschen dazu, noch immer nachts Züge zu bemalen und sich diesem Risiko auszusetzen?

Unsere Erfahrung bei den Interviews war, dass sie im Laufe der Jahre so sehr in den Bann gezogen wurden, dass sie gar nicht mehr anders können.  Das Adrenalin beim Malen, die Vorbereitungszeiten, die ganze Energie, die notwendig ist, einen Zug zu bemalen - all das ist wie eine Mission. Das hat eine gewisse Anziehungskraft. Trains sind ja die Königsdisziplin des Sprühens; man muss technisch sehr gut sein, aber gleichzeitig auch sehr viel planen.  

Viele denken bei Graffiti an Teenager...

Graffiti ist zwar eine Jugendkultur, aber die Sprüher sind Künstler und haben eine große Leidenschaft für ihre Sache. Bei manchen ist das fast wie eine Sucht, sie kommen nicht mehr davon los. Die meisten hören auf, nachdem sie einmal erwischt worden sind. Andere, und mit vielen von denen haben wir gesprochen, machen weiter.  

Welcher der Sprüher hat euch am meisten beeindruckt?
Alle haben bewegende Geschichten zu erzählen. Deswegen ist es schwer, das zu gewichten. Am faszinierendsten war vielleicht „The City Famous“, der älteste im Film, der den Weg am längsten gegangen ist. Insgesamt war die Offenheit beeindruckend, mit der die Leute mit uns gesprochen haben. Sonst weiß man ja wenig über die Schattenseiten dieser Leidenschaft.  

Welche sind das?
Teilweise geben die Sprüher ihr bürgerliches Leben für diese Kunst auf. Bei manchen geschieht das bewusst, andere rutschen immer tiefer hinein, ohne es zu merken. Sie vernachlässigen ihr soziales Umfeld, haben nur noch Freunde, die auch malen, alles dreht sich nur noch ums Sprühen  

Im Film geht es auch um einen Sprüher, der ums Leben gekommen ist.
Das Interview mit seinem Bruder war natürlich sehr beeindruckend. Er hat sich sehr reflektiert über den Tod geäußert. Bei seinem Selbstmord hat Graffiti auch eine große Rolle gespielt. Aber das ist ein heikles Thema, zu dem wir nicht noch mehr sagen möchten. Wen es wirklich interessiert, der soll „RUZD 79, The Ultimate Blackbook“ lesen – das ist seine Geschichte. 

 Alle Porträtierten sind Männer. Gibt es eigentlich auch Frauen, die malen?
Ja, es gibt auch Frauen in der Szene, aber sie sind sehr selten. Vielleicht liegt es daran, dass Trainwriting viel mit Angstüberwindung, körperlicher Kraft und manchmal auch körperlichen Auseinandersetzungen zu tun hat. Mag sein, dass es das zu einer Männerdomäne macht.  



Die Arbeiten zu dem Film haben über sieben Jahre gedauert. Wie schwer war, es die Kontakte aufzubauen?

Das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Wir kennen im weiteren Umfeld ein paar Leute, die aktiv Züge malen. So haben wir die ersten Kontakte geknüpft. Aber die Sprüher sind natürlich sehr misstrauisch. Manchmal wurden wir auch getestet.  

Wie denn?

Sie haben uns Informationen zugespielt und einfach geschaut, wie wir damit umgehen. Die Szene ist ja sehr klein, früher oder später kommt alles raus.  

Kommt ihr selbst aus der Szene?

Früher haben wir etwas rumprobiert, aber Züge haben wir nie gemalt. Uns hat aber diese Leidenschaft und der Lebensstil dieser Leute fasziniert: Die Menschen riskieren unglaublich viel, und kriegen dafür kaum etwas zurück.  

Wie seid ihr an das Material gekommen?

Interviews haben wir natürlich selbst gedreht. Die illegalen Sachen wurden uns anonym zugesandt. Oft mussten wir zusichern, dass wir das Material anschließend vernichten.  

Was musstet ihr von rechtlicher Seite beachten?

Dass wir keine Anleitung zu Straftaten geben. Man erfährt im Film nicht, wie und wo man am leichtesten einen Zug sprüht. Wir hatten einen Anwalt, der uns in solchen Fragen beraten hat. Außerdem haben wir versucht, die Sache möglichst wertfrei darzustellen. 

Manchmal wundert man sich, wie lange sich Graffiti schon hält. Was hat sich in den letzten 20 Jahren verändert?
Graffiti ist heute viel weiter in die Gesellschaft integriert. Vor allem in der Werbung sieht man das: Sogar bei einer Sparkassenwerbung werden Graffiti-Schriftzüge benutzt.  

Dabei ist es für Sprüher schwieriger geworden...

Früher hatte man fünf, sechs Stunden Zeit, um einen Zug zu bemalen. Heute sind es 20 Minuten. Natürlich sind die Dosen heute auch besser, aber die Strafverfolgung hat enorm zugenommen. Deswegen gibt es die Szene so nicht mehr. Die Gemeinschaft wie früher existiert nicht mehr. Die meisten Writer kennen sich nicht mehr persönlich, sondern nur ihren Graffiti-Namen.  

Manche Leute halten Graffiti für eine Sache der Achtziger und Neunziger und sagen, heute hätte sich das zu Street Art weiterentwickelt. Was ist eure Meinung dazu?
Street Art gefällt vielen, weil es schön, bunt und einfach ist. Es ist viel leichter zugänglich als Graffiti, deswegen gefällt es ihnen besser. Für Graffiti braucht man mehr Vorwissen, zum Beispiel, um einen bestimmten Style einordnen zu können. Street Art ist eher etwas für die breite Masse und von den echten Writern eher verpönt.  

Wovon leben die porträtierten Leute so? Gibt es einen klassischen Berufsweg für Sprüher, zum Grafikdesigner zum Beispiel?

Nein, das kann so nicht sagen. Die Leute, die in unserem Film vorkommen, machen alles mögliche: Manche studieren oder gehen noch zur Schule, andere arbeiten als Koch. Aber natürlich sind alle künstlerisch begabt.


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Sendlinger
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Mag ich Mag ich nicht

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26.01.2011 - 23:11 Uhr
Sendlinger

BeutekunstAmBau sagte:

Sendlinger sagte: sorry beutekunst,was du machst nennt sich sachbeschädigung. und das finde ich nicht lustig. ebensowenig den kommentar von lazyM.bunt hin, bunt her.bleibt die frage inwiefern eine hauswand in ihrer eigenschaft als hauswand beschädigt ist wenn man sie bemalt, meistens ist ja eh schon farbe drauf...bleibt also nur der vorwurf des aesthetischen. man könnte dem sprüher an dieser stelle also aesthetische nötigung unterstellen die meisten häuser die bemalt werden sind aber grosse mietshäuser( wenn nicht gar öffentliche gebäude wie brücken oder unterführungen). also haben die wenigen in unserer gesellschaft die es sich leisten können ein haus zu bauen oder zu besitzen den alleinigen ansruch auf aesthetische gestaltung des öffentlichen raumes?? kann ich rechtlich einschreiten wenn ein baulöwwe einen neuen industriepark, ein neues wohnsilo oder einen neuen bürokomplex erichtet?? die aussichten sind sehr gering, sofern sich meine sorgen rein auf den geschmack beziehen. Das gleiche gilt für werbeflächen und anzeigen...deiner logik nach könnte ich also wenn ich geld hätte, häuser kaufen und bemalen soviel ich wollte..tut mir leid aber es ist mir ein aufrichtiges anliegen gegen diesen trend anzukämpfen....denn eigentum ist und bleibt diebstahl, da beisst die maus keinen faden ab.und bevor einer von euch jungen neokonservativen dies jetzt als linke parole brandmarkt sollte er sich einmal mit dem gedanken anfreunden, dass diese aufgeteilte und parzellierte welt einmal NIEMANDEM gehört hat und jedes einzelne stück land einmal gewaltsam abgetrennt und vor anderen verteidigt wurde. Grundbesitz ist Hehlerware.....Graffiti ist Beutekunst Am Bau !

tut mir leid beutekünstler, aber für eine vernünftige diskussion mit dir sehe ich keine grundlage.
ordne deine wirren gedanken, dann könne wir uns gerne unterhalten.

trachtenjankerl
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Mag ich Mag ich nicht

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27.01.2011 - 01:04 Uhr
trachtenjankerl

Irgendwie gehen hier in der Schmiererei-vs.-KunstamBau - Diskussion die Bezüge verloren.

Wenn eine S-Bahn besprüht wird, und ich am nächsten Morgen nicht mehr aus dem Fenster sehen kann, dann ist das eine Schweinerei. Punkt. Die Bahn muß es teuer abkratzen, usw. usf..

Wenn eine vorher verwahrloste Betonfläche ein buntes Kunstwerk wird, ist das grundsätzlich schön, mal unabhängig davon ob ich das konkrete Kunstwerk mag.

Anschließend sollte man mal die Künstler (ich sage nur Berliner Mauer) von den Schmierern unterscheiden, die Nazi-/Anti-Nazi-Parolen oder ganz blöd nur ihr Gang-Tag hinterlassen. Oder die "Bodo war hier" aufs Wartehäuschen zu schreiben.

gewitterhexe
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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2011 - 13:37 Uhr
gewitterhexe

hoffentlich läuft der film hier!
würde ihn gern schauen.

BMBRKLRTXT
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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2011 - 14:53 Uhr
BMBRKLRTXT

...bei 98% der Kommentare stelle ich eine starke Rückentwicklung fest. Huiii!

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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2011 - 14:53 Uhr
BMBRKLRTXT

Bei 98% der Kommentare stelle ich eine starke Rückentwicklung fest... Huiiiii!

sugarloaf86
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Mag ich Mag ich nicht

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28.01.2011 - 18:34 Uhr
sugarloaf86

Wenn er von Sucht spricht, bekomme ich fast Mitleid...

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philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.