Kurz vor Film gibt's noch einen Film
Jedes Jahr werden allein in Deutschland 2000 Kurzfilme produziert. Zu sehen kriegen wir die so gut wie nie, denn sie laufen fast nur auf Festivals oder im Arte-Spätprogramm. Die Kampagne Kurz vor Film der AG Kurzfilm, der KurzFilmAgentur Hamburg und interfilm Berlin will das ändern und den Vorfilm zurück ins Kino bringen. Projektkoordinatorin Heide Schürmeier erklärt, wieso.

Frau Schürmeier, Ihre Kampagne setzt sich dafür ein, dass im Kino wieder Vorfilme gezeigt werden. Warum sind die überhaupt verschwunden?
Nach dem Krieg gab es Steuervergünstigungen für Kinobetreiber, wenn sie Kurzfilme mit Prädikat als Vorfilme zeigten. Die waren allerdings nicht immer so prickelnd. Neben Sketchen wie den alten La Linea-Filmen war auch die eine oder andere Tierdoku dabei... Als die Steuer dann gekippt wurde, gab es keinen Anreiz mehr für die Kinos, Vorfilme zu zeigen. Außerdem wurden immer mehr Trailer und Werbung gezeigt. Die Hauptfilme wurden länger und die Zeitschienen der Kinos enger. Heute laufen in einem Saal mitunter vier Filme pro Abend.
Aber gerade die großen Kinoketten werden doch nicht auf Werbeeinnahmen verzichten, um stattdessen Vorfilme aufzuführen.
Stimmt. Deshalb richten wir uns auch eher an Arthouse- und kleine, kommunale Kinos. Dort wird oft wenig Werbung gebucht und es ergeben sich Lücken, um einen Vorfilm einzusetzen und sich so einen Wettbewerbsvorteil beim Publikum zu verschaffen. Vorfilme sind für diese Kinos nahezu kostenlos. Sie kriegen nämlich bis zu 1500 Euro Förderung von der Filmförderungsanstalt, wenn sie welche zeigen. Der Eigenanteil beträgt gerade einmal 20 Prozent. Von dem Geld kann man sich schon ein Kurzfilmabo leisten. Der Kinobetreiber bekommt dann jede Woche einen neuen Kurzfilm, den er so oft zeigen kann, wie er will.
Was unterscheidet Kurz- von Langfilmen?
Im Kurzfilm konnten Filmemacher schon immer unglaublich viel ausprobieren – seien es technische Möglichkeiten, neue Bildsprachen oder Experimente im Animationsbereich, wie wir sie zum Beispiel aus den Pixar-Vorfilmen kennen. Das sind lauter Dinge, die man im Langfilmbereich niemals umsetzen könnte, da sie zu zeit- und kostenintensiv wären. Weil die Produktionen schneller und günstiger ablaufen, sind Kurzfilme oft sehr aktuell. Themen wie die Zukunft der Arbeit oder die Wirtschaftskrise können innerhalb weniger Monate aufgegriffen werden. Es braucht keine vier bis fünf Jahre wie im Langfilmbereich.
Eignet sich jeder Kurzfilm auch als Vorfilm?
Im Idealfall harmonisiert der Vorfilm mit dem Langfilm, weil er Thema und Ästhetik aufgreift und dem Zuschauer so ein Gesamtpaket bietet. Der Vorfilm sollte zehn, höchstens 15 Minuten dauern und einen gewissen Unterhaltungswert haben – schwermütige Stoffe eignen sich nicht so gut, wenn man danach noch eineinhalb Stunden in eine weitere Geschichte eintauchen will. Trotzdem kommt es nicht selten vor, dass am Ende des Abends mehr über den Vorfilm geredet wird als über den Hauptfilm.
Was kann ich als Kinobesucher tun, damit ich bald wieder mehr Vorfilme sehe?
Als Kinobesucher kann man die Kampagne bei Facebook oder mit einer Unterschrift auf unserer Website unterstützen. Die gesammelten Unterschriften sollen unserer Forderung mehr Schlagkraft verleihen, wenn wir im Februar auf der Berlinale nochmal die Werbetrommel für Vorfilme rühren. Und dann kann man natürlich einfach mal im Kino seiner Wahl nachfragen: Warum zeigt ihr keine Vorfilme? Manchmal wissen die Kinobetreiber nämlich noch gar nichts von den Fördermöglichkeiten.
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Ich finde es aber auch schade, ambitionierte Kurzflime zu Appetithäppchen im Vorprogramm anderer Produktionen zu degradieren. Es fehlen bis heute vernünftige Plattformen für die eigenständige Vermarktung des Kurzfilms. Außer Erfolgen auf einer Handvoll Festivals blüht nämlich den meisten alsbald ein Zombiedasein im Archiv oder eine eher traurige Verramschung auf youtube.
Wenn es mal vernünftige DVD-Compilations gäbe, die auch entsprechend beworben werden, hätte die Kunstform Kurzfilm einen ganz anderen Stellenwert im Unterhaltungssektor.
Aber bisher haben es gerade mal 13th Street (Shocking Shorts), das Internationale Trickfimfestival Stuttgart (Best of Animation) und die Work-of-Director...- Reihe geschafft, Kurzfilme auch gewinnbringend an den Mann zu bringen.
lousal sagte:
wieso wird die fb-site verlinkt, aber nicht die website? man, man, man.
ist doch in der einleitung verlinkt?
ansonsten:
ooooh jaaa vorfilme find ich klasse.
die einzigen, die das heute noch machen sind animationsfilme.
bin voll dafür
In Berlin habe ich allerdings mal einen richtigen guten Kurzfilmabend erlebt. Fände es auch schön wieder mehr Kurzfilme vor dem Hauptfilm zu zeigen. Die Frage ist nur wer die passenden Filme dann immer auswählt.
eisengrau sagte:
...
Es fehlen bis heute vernünftige Plattformen für die eigenständige Vermarktung des Kurzfilms. Außer Erfolgen auf einer Handvoll Festivals blüht nämlich den meisten alsbald ein Zombiedasein im Archiv oder eine eher traurige Verramschung auf youtube.
...
http://www.arte.tv/de/film/Kurzschluss/1...
Da jetzt der Kurzfilm ausgezeichnet wird, habe ich eine große Bitte an das Centre National du Cinema, die Verleiher, die Kinobesitzer:
Sorgen Sie dafür, daß junge Filmschaffende sich ausdrücken können. Ohne Kurzfilme gäbe es weder Chaplin, noch Keaton, noch Fellini, noch Rene Clement; niemanden. Behalten Sie von Ihrem Eisverkauf 1% und geben Sie dem Nachwuchs eine Chance.
Jacques Tati anläßlich der Verleihung des Kurzfilm Cesars (französischer Filmpreis) im Jahre 1967.
Das besantwortet wohl auch die Frage, warum man das fördern sollte. Eine hervoragende Idee, danke für den Bericht darüber. Eigentlich sollte sich unser öffentlich-rechtliches Fernsehen mit Bildungsauftrag darum kümmern, aber da produziert man ja lieber Daily-Soaps. arte und in letzter Zeit auch der BR zeigen Kurzfilme.
Youtube ist eine sehr gute Möglichkeit für Filmemacher ihre Fillme zu präsentieren. Und ein unendlicher Quell für wirklich hervorragende Kurzfilme. Hier einige meiner Texte mit Links zu absoluten Spitzen-Kurzfilmen.
Spin
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Post-It Love - Virgin-Erklärungen und Zensur Pur
Dentophobia und Aus der Seele
Jugend filmt - Rückblick - mit Filmen !
Short Movies vom Landshuter Kurzfilmfest
Digital_Data
john_doa sagte:]http://www.arte.tv/de/film/Kurzschluss/1...
[link=http://www.arte.tv/de/film/Kurzschluss/1...
Danke. Kenn ich, schau ich auch gelegentlich. Aber das ist eine einzige wöchentliche Sendung in einer riesigen Medienlandschaft, noch dazu verteilt auf zwei Nationen. Das ist als Plattform sogar weniger als die ganzen dctp-Formate auf den Privaten.
da unterschreibe ich doch gleich für dieses...diese..dings :-)
im ernst: finde ich eine gute kampagne. ich kann eisengrau verstehen und wünsche dem kurzfilm auch ein eigenständigeres dasein, aber ich finde die vorfilmidee auch super, weil es leute mit den filmen in berührung bringt, die sich sonst einfach nicht dafür interessieren würden.
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23.01.2011 - 18:52 Uhr
Eine_junge_Frau