Dreiundzwanzig Sekunden
Spätestens als ich im Zug zurück sitze, merke ich, dass die Zeit mich ein weiteres Mal eingeholt hat. Dass sie es ein weiteres Mal geschafft hat vier Tage wie dreiundzwanzig Sekunden durch meine Finger rieseln zu lassen. Wenn ich zurückkomme, dann erledige ich dies und das und sowieso ist das noch lange hin.Und plötzlich sitze ich wieder an meinem dunkelbraunen großen Küchentisch und höre das Ticken der Uhr, das mir plötzlich so viel langsamer vorkommt. So unendlich langsam, dass man am liebsten die kleine Klappe vor der Scheibe öffnen und die Zeiger weiterdrehen möchte. In der Hoffnung die nächsten Tage ziehen wie ein Wimpernzucken vorbei.
So viel langsamer als das Ticken deiner Küchenuhr, wenn wir frühstückten. Das Ticken der Plastikuhr im Bad, während wir solange in der Badewanne lagen, bis unsere Finger aussahen wie kleine Schwimmhäute. Das Ticken deiner Armbanduhr, die du eigentlich nie getragen hast. Die neben unserem Bett auf dem Teppichboden lag.
Ich lege einen Block und einen Bleistift auf den Tisch, doch das Einzige, das mir durch den Kopf geht, sind Bilder. Bilder, wie sie bleiben, wenn man an etwas Vergangenes zurückdenkt. Man nennt sie Erinnerungen und manchmal da wüsste ich nicht, was der Mensch ohne seine Erinnerung wäre. Was ich ohne meine Erinnerung wäre. Du. Wir.

Und es bleiben ein paar Bilder von jeder einzelnen Erinnerung. Zwei, drei, manchmal vier vielleicht: Du am anderen Ende der Badewanne meine nassen Füße küssend. Wie du mit mir schliefst. Immer und immer wieder. Und ich, wie ich eines Nachts in dein Ohr flüsterte: Ich liebe dich.
- Degausser 17.04.2012
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01.01.2011 - 01:53 Uhr
afrirali