"Wir dachten, der Tisch ist sicher einzigartig"
Studenten und Wissenschaftler an den Unis in Aachen und München haben gleichzeitig und unabhängig voneinander an einem neuartigen interaktiven Arbeitsplatz gearbeitet - die Ergebnisse sind sich verblüffend ähnlich.
Fabian Hennecke, 28, forscht am Lehrstuhl für "Mensch-Maschine-Interaktion" am Institut für Informatik der Ludwig Maximilians Universität München unter anderem zu Interaktiven Oberflächen. Gemeinsam mit Kollegen hat er den futuristisch anmutenden Arbeitsplatz Curve entwickelt, an dem man iPhone-like mit den Fingern zum Beispiel Fotos verschieben kann. Etwa zeitgleich haben Studenten an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen am BendDesk gearbeitet, das dem Curve sehr ähnlich sieht. Im Interview spricht Fabian über Interaktion mit dem Computer und die Gleichzeitigkeit einer Erfindung.


jetzt.de: Fabian, in Aachen wurde vor kurzem der BendDesk vorgestellt, in München habt ihr den Curve gebaut. Schaut man sich das Werbevideo der Aachener an, in dem ein Student mit den Fingern Bilder verschiebt, denkt man sofort an das iPhone und vielleicht auch an Tom Cruise in "Minority Report". Kommt dir der Vergleich häufig unter?
Fabian: Ja, daran erinnern sich die meisten. Es ist eine relativ abgefahrene Art, mit ausgestreckten Armen mit einem Computer zu kommunizieren. Deshalb ist die Szene mit Tom Cruise für einen Vergleich prädestiniert. Mir ist aufgefallen, dass auch in "Avatar" eine ähnliche Szene mit einem gebogenen Bildschirm vorkommt.
Ist euer Curve denn mit den Geräten in diesen Szenen vergleichbar?
Er ist anders. Bei "Minority Report" agiert Tom Cruise frei mit seinen Händen im Raum und vollführt Wischgesten. Bei unserem Tisch muss man auf die Oberfläche drücken, um zu interagieren.
Was ist bei dem Tisch denn anders als etwa beim iPhone?
Das iPhone funktioniert unter anderem kapazitiv, also über eine Art elektrischen Sensor. Wir haben hier bei uns eine Acylglasplatte, die von der Seite mit Infrarotlicht geflutet wird. Sobald man die Platte berührt, wird das Licht nach unten gestreut und von einer Kamera mit Infrarotfilter aufgenommen. Durch den Filter bekommt man in einem ansonsten schwarzen Bild immer an den Stellen einen weißen Punkt, die der Nutzer berührt. Diese Punkte und ihre Bewegungen werden dann im Computer verrechnet.
Wenn man sich das Video aus Aachen ansieht, denkt man immer wieder, dass man ein ähnliches Gerät schon einmal irgendwo gesehen hat. Gibt es denn Vorbilder?
Technisch gesehen schon: Sun Microsystems hat 1994 den Starfire Video Prototype präsentiert, der eine ähnliche Desktopumgebung hat. Damals sollte gezeigt werden, wie wir vielleicht in zehn Jahren arbeiten.
Aber wir arbeiten immer noch an besseren aber im Grunde ähnlichen Computern. Wofür wären der Curve oder der BendDesk gut?
In Leitwarten zum Beispiel oder an Überwachungsplätzen könnte man sie benutzen. Die Displaysetups sind in einer Feuerwache ja ähnlich: Monitor neben Monitor, Tasten, Knöpfe, Schalter.
Für Grafiker wäre er vielleicht auch nicht schlecht geeignet.
Mit Sicherheit, auf der horizontalen Ebene könnte man Zeichnen und auf der vertikalen Ebene längere Texte lesen. Allerdings weiß ich nicht, ob wir für die Grafiker schon die nötige Auflösung und die Farbechtheit der Bilder hinkriegen ...
Wer hatte die ursprüngliche Idee zum Curve?
Raphael Wimmer, mein Kollege. Gemeinsam mit einem weiteren Lehrstuhlmitarbeiter arbeiten wir nun zu dritt an dem Projekt.
Was war Raphaels Ausgangspunkt? Wollte er Maus und Tastatur ersetzen?
Keinesfalls. Die Tastatur hat beim Eingeben langer Texte ihren Vorteil und die Maus ist besser, wenn man pixelgenau arbeiten muss. Raphael wollte ausprobieren, wie man den bisherigen Desktop erweitern kann.
Hier nochmal das bereits oben verlinkte Video zum BendDesk:
Seid ihr erschrocken, als ihr mitbekommen habt, dass in Aachen an einem ähnlichen Tisch gebaut wird?
Eigentlich nicht. Aber natürlich denkt man: "So ein großer Tisch und wir haben soviel Arbeit reingesteckt - der ist sicher einzigartig auf der Welt!"
Es gab bis zur Präsentation wirklich keinen Austausch mit den Aachenern?
Nein. Deshalb war das so überraschend. Beide Gruppen - wir von der LMU und die drei von RWTH - haben ihre Ideen zum ersten Mal 2009 auf der International Tabletop Conference als Posterpaper ausgestellt. Aber wir haben uns von Anfang an offen drüber ausgetauscht. Malte Weiss treibt das Projekt an der RWTH voran und war schon bei uns zu Besuch. Jetzt läuft das Ganze mehr Richtung Kooperation.

Wie waren denn die Reaktionen der Desk- und Tabletop-Experten?
Relativ aufgeschlossen. Aber es gibt immer wieder die Frage nach der Verwendung und warum wir nicht andere Interaktions- oder Trackingtechniken verwenden.
Warum habt ihr nicht die iPhone-Technik genutzt?
Der Vergleich hinkt ein bisschen, finde ich. Wir wollen ja verstehen, was passiert, wenn man den ganzen Arbeitsbereich interaktiv macht. Wir wollten kein Telefon sondern eine einzige große Fläche mit visueller und vor allem haptischer Kontinuität bauen. Dazu verwenden wir ganz bewusst das sogenannte optische Tracking, weil es noch flexibler ist: Ich kann dabei zum Beispiel ein Objekt auf die Fläche legen und das System darauf reagieren lassen.
Gibt es irgendwo schon ein vergleichbares Gerät?
Microsoft Surface zum Beispiel ist ein ähnliches Produkt, das man unter anderem zum kollaborativen Arbeiten verwenden kann. Es ist im Grunde ein Tisch. Deshalb funktioniert es auch nur horizontal.
Ohne Kurve.
Und ohne Vertikale.
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21.12.2010 - 10:07 Uhr
satansbraten
asphaltfruehling sagte:
erster gedanke: ein klavier, ein klavier!
zweiter gedanke: das sieht sehr monströs aus. und der verschwörerische blick zum nachbarn im großraumbüro fällt dann auch weg. eher unkommunikativ.
und was mach ich, wenn ich meinen arm nicht so heben kann, dass er senkrecht an der wand was tippt und schiebt? hmpf.
boah, wasn negativling.
klar, das teil is noch mopnströs groß.... aber denk mal zurück, wie riesig früher computer waren.
Das isn Uni-Projekt!
Da geht schon noch was, was die klobigkeit angeht...... mann mann mann.
*mimimimimimimimi* der verschwörerische blick zum nachbarn fällt weg.... den weiteren kommentar dazu spar ich mir lieber....
mit immer weniger Hartware. ÜBERMORGEN DANN.
Ich will einen wirklich ergonomischen Tisch, der die Wege verkürzt und vereinfacht, nicht was, wo ich beim Festhalten der diversen Leisten Muskelkater bekomme. Und es so riesig zu planen, wenn man das mit der Auflösung nicht hinbekommt, ist sowieso etwas daneben.
Pixel pro Millimeter haben sich auch seit Jahren nicht groß verändert, ein großes Manko in der Bildschirmtechnik. Resultat - fancy Apps/Sites mit immer noch grob pixeliger Schrift, wo der Schriftdesigner froh ist, etwas mit Seriphen und ohne Seriphen halbwegs unterscheidbar zu machen. Sehr passend dazu das Bild von der Konsole im Benddisplay...
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21.12.2010 - 10:03 Uhr
satansbraten
was mich aber ein wenig wudner - bei curve gibts ein Foto von mit einem Linux desktop (!!!!!! nice!) und dann steht auf der utnerne projektionsfläche ncoh ein keyboard und eine maus?
whoooooot?
aber sonst: nochmal: fette idee. ich will sowas im büro haben, wenns mal fertig ist.