Wenn es nachher nicht weh tut, war es vorher nicht gut
Jetzt ist er wieder weg, mit irgendeinem Flieger auf dem Weg in die andere Hauptstadt und sie sitzt hier. Sie denkt zurück an den Abschied am Flughafen. "Los, schlag mich" hätte sie sagen sollen, hätte sie sagen wollen. Denn ungeachtet dessen, was die anderen behaupten, ist Gewalt sehr wohl eine Lösung. Sex an Straßenlaternen, in Aufzügen, vielleicht auch im Dom, auf jeden Fall aber auf der Kommode in ihrem Zimmer, das Bedürfnis, ins Extreme zu gehen, manche Charakterzüge kann man nicht ewig verstecken. Nein, mit ihr muss man nicht so vorsichtig sein, nur wenn es um die Herzscheiße geht, dann ist sie ein bisschen empfindlich. Nie wird sie zuerst sagen, dass sie ihn vermisst, dass es wirklich schön ist, wenn er da ist, dass sie ihn gern immer da hätte. Sich eine Blöße geben, die Hosen emotional herunterzulassen, das ist nicht ihres. Und sie tut unberührt, "Komm, fick mich", und danach liegt sie da und fragt sich, wie wohl ein Umzug wäre. Gefangen zwischen Verbindlichkeitsüberlegungen und Freiheitsdrang, dazu eine Zigarette.Ihre Lippen sind blau und am Halsansatz hat sie Striemen. Immer fester haben sie gestern zugebissen, geschlagen, gekratzt, in der gegenseitigen Versicherung, dass man noch am Leben ist, dass man noch hier ist, dass man noch zusammen ist. Eine Weile wird sie beim Blick in den Spiegel, bei dem Versuch, mit dem roten Lippenstift das Offensichtliche zu verdecken, noch an ihn denken. Ein bisschen noch, eine Woche vielleicht, zehn Tage maximal. Das kennt sie schon, das ist die Zeitspanne, wo noch nichts weh tut, außer dem eigenen Körper. Aber der Schmerz verschwindet, die blauen Flecken werden erst grün, dann gelb wie Galle. Wenn sie nur mehr zu ahnen sind, kommt das Ziehen im Bauch, gefolgt von dem kläglichen Versuch, dasselbige in Alkohol zu ertränken. Inzwischen telefonieren sie wenigstens, manchmal sogar mit Bild. Aber wirklich besser macht das nichts. Sie muss lernen zu akzeptieren, wenn er sich drei Tage nicht meldet, sie hat es ja schließlich auch geschafft, die innere Distanz zu akzeptieren, die sich aus Selbstschutz einstellt, je länger sie getrennt sind. Drei Wochen wie eine Ewigkeit. Aber wem erzählt sie das und irgendwie ist sie ja auch selber Schuld. Bis dahin kann sie ihren Trenchcoat bügeln und Sätze üben. "Ich glaube, ich mag Dich."
- Wild ist die See. // Out of balance. 24.05.2012
- 2 Wochen Osterferien - 15.04.2012
- Version 1.6 14.04.2012
- Wenn ich doch nur könnte. 18.03.2012
- Na danke. 18.03.2012
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° Erkrankung wechseln.... und in Urlaub fliegen...
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13.12.2010 - 21:55 Uhr
moe_