29.11.2010 - 18:30 Uhr

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Sexkritik: Ich will niemals geleakt werden

Text: penni-dreyer - Foto: kallejipp / photocase.com

Was, wenn sich Wikileaks unseres Privatlebens annehmen würde und alle Gedanken, die wir uns jemals in einer Beziehung gemacht haben, öffentlich zugänglich machen würde?

Mal angenommen, Wikileaks würde ausnahmsweise mal nicht die geheimen Akten amerikanischer Diplomaten und hochrangiger Regierungsmitglieder veröffentlichen, sondern auf einmal lauter Daten, in denen es um mein Liebesleben geht. Nur mal angenommen, darin würden alle Gedanken stehen, die sich mein Freund jemals im Laufe unserer Beziehung über mich und den Stand unserer Beziehung gemacht hat. Und angenommen, diese Information würde mir ohne weiteren Kommentar zugeschickt, einfach nur, weil ein gut meinender Mensch in meinem Bekanntenkreis der Meinung ist, dass Geheimnisse einer Beziehung nicht gut tun und sich dazu verpflichtet fühlt, mich aufzuklären.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass damit das Ende meiner Beziehung eingeläutet wäre. Und vermutlich der Beginn einer ganz großen Depression für mich. Denn ich glaube, ich könnte es nur schwer aushalten zu wissen, was mein Freund jeden Tag, 24 Stunden lang, in jeder Situation und jeder emotionalen Verfassung über mich und unsere Beziehung denkt. Wenn es auch nur annähernd dem entspricht, was so durch meinen Kopf wandert, dann finden sich in den vielen rosaroten Gedanken auch einige, die ins Grünlichgelbschwarze gehen.


Und das wäre ja nicht einmal ein Wunder. Schließlich ist jeder Mensch zuweilen garstig gestimmt und denkt dann auch über geliebte Menschen nicht ganz so geliebte Dinge. Und in jeder Beziehung gibt es Streitpunkte, die immer wieder zur erbitterten Auseinandersetzung oder zumindest zu einer zivilisierten Diskussion führen. Und manchmal denkt man vielleicht sogar einfach so an einem Sonntagabend vor der Glotze, dass der Mensch da in der anderen Ecke des Sofas irgendwie auch nicht mehr das ist, was er zu Beginn der Beziehung war. Und dann geht man gemeinsam ins Bett, schläft einmal drüber und wacht am nächsten Morgen bestens gelaunt wieder auf und fragt sich selbst, was um Himmels willen eigentlich am Abend zuvor mit einem los war, dass man so gemein über einen so geliebten Menschen dachte.


 Und dann gibt es ja auch noch  all die Anderen. All die attraktiven, lustigen, netten, sexy Menschen, mit denen man vielleicht täglich zu tun hat und gerne anschaut und womöglich gar in sein erotisches Nachtgebet einschließt. Kann gut sein, dass mein Freund so eine spezielle Kollegin hat. Oder eine Nachrichtensprecherin, oder Supermarkt-Kassiererin, die ihn ganz wuschig macht.


Ich. Will. Davon. Nichts. Wissen.
Ich will vor diesem Wissen geschützt sein. Und ich glaube tatsächlich, dass ein Teil des Beziehungsvertrags zwischen zwei Menschen mit einigermaßen durchschnittlichen Treue-Vorstellungen auch darin besteht, dass man sich gewisse Gedanken erspart. Immer vorausgesetzt, man ist sich treu, vorausgesetzt, diese Gedanken gefährden nicht das Grundgerüst der Beziehung und vorausgesetzt, es macht den Denker nicht krank, sie für sich zu behalten.
Vielleicht entspricht am Ende das Bild, das ich mir von unserer Beziehung mache, gar nicht dem, das mein Freund hat. Vielleicht entspricht meine Vorstellung vom Zustand unserer Beziehung nicht einmal der Wahrheit. Aber wenn die Wahrheit nur durch schonungslose und ungefilterte Ehrlichkeit ohne Rücksicht auf die Gefühle der Beteiligten zu bekommen ist, dann verzichte ich dankend auf sie.  

Ich finde übrigens, dass dieses Stillhalteabkommen für alle zwischenmenschlichen Beziehungen gültig sein sollte. Auch für bilaterale.





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jetztnamenamejetzt
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Mag ich Mag ich nicht

2

29.11.2010 - 18:34 Uhr
jetztnamenamejetzt

düster

cougarten
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Mag ich Mag ich nicht

1

29.11.2010 - 18:40 Uhr
cougarten

nicht so schön die Vorstellung, aber eine gute Beziehung sollte full-disclosure überstehen können, egal was dabei raus kommt..

cordbegge
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Mag ich Mag ich nicht

5

29.11.2010 - 18:56 Uhr
cordbegge

würde mir in dem fall tatsächlich nicht so viel ausmachen, und eigentlich ist eher das "ich will davon nichts wissen" das große problem, anstatt die obligatorische supermarkt-kassiererin, die deinen freund ganz wuschig macht

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

3

29.11.2010 - 19:02 Uhr
Digital_Data

Manche Vergleiche hinken, dieser sehr.

Brechen wir das Wikileaks-Beispiel mal auf die Beziehung runter, dann wäre Folgendes passiert:

Dein Freund erzählt einem anderen Freund unter der Auflage es nicht weiter zu erzählen, dass Du eine Teflon-Penni bist. Wohlgemerkt, er sagt das zu jemand, den Du möglicherweise auch kennst, in einem Moemnt als Du nicht dabei bist und er sagt etwas, das er Dir nicht direkt ins Gesicht sagt.

Nun hat das ein Freund mitbekommen und erzählt Dir davon.

Das passiert gerade bei Wikileaks. Und wenn Dein Freund unfreundliche Dinge über Dich äußert, dann geschieht es ihm nicht besser.

Nun kannst Du überlegen, ob Du das wissen willst. Im Regelfall wird Dich das auch ohne Veröffentlichung irgendwann erreichen. Und im Regelfall ist es unhöflich bis unter die Haarspitzen, sich hinter dem Rücken anderer abwertend über diese zu äußern. Das ist nicht nur nicht diplomatisch, das zeugt von absolut mangelhafter Kinderstube.

Und Begriffe wie Teflon-Merkel haben da so gar nichts zu suchen. Was ist das für ein Kindergarten ?

Digital_Data

BananenBill
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Mag ich Mag ich nicht

6

29.11.2010 - 19:16 Uhr
BananenBill

Tja, der Unterschied von Politik zu privat ist eben mehr... Politik ist Öffentlichkeit mit gewissen Arkanzirkeltendenzen. Privates ist privat.

Von daher schwer vergleichbar. Zumindest kaum sinnvoll.

querspieler
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Mag ich Mag ich nicht

8

29.11.2010 - 19:24 Uhr
querspieler

Könnt's sein dass es hier gar nicht so auf die Qualität des Vergleichs ankommt sondern mehr um die Frage geht, ob man wissen möchte, was der andere denkt, auch wenn es verletzend ist?

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Mag ich Mag ich nicht

0

29.11.2010 - 19:24 Uhr
querspieler

Könnt's sein dass es hier gar nicht so auf die Qualität des Vergleichs ankommt sondern mehr um die Frage geht, ob man wissen möchte, was der andere denkt, auch wenn es verletzend ist?

clnet
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Mag ich Mag ich nicht

2

29.11.2010 - 19:39 Uhr
clnet

Schön. Das Gedankenexperiment kann ich wohl nachvollziehen und auch manche der Gedanken unterschreiben. Aber was beweist das? Ich fürchte: gar nichts.

Frau_Winterfuerst
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Mag ich Mag ich nicht

1

29.11.2010 - 20:04 Uhr
Frau_Winterfuerst

Was, wenn sich Wikileaks unseres Privatlebens annehmen würde und alle Gedanken, die wir uns jemals in einer Beziehung gemacht haben, öffentlich zugänglich machen würde?



... tja, würd mal sagen: DUMM GELAUFEN ... wohl ... dann ... ;) ... und is dann auch nich mehr vom Tisch kehrbar ... werden, nee, müssen wa wohl oder übel am Ende auch noch mit klar kommen ... das is mal klar:) ...

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Mag ich Mag ich nicht

2

29.11.2010 - 20:05 Uhr
Frau_Winterfuerst

p.s. ... machen wir das hier zum Teil, mehr oder weniger, oder überhaupt;) nicht OHNEHIN schon HIER im JETZT.DE ????

also, kann doch auch jeder lesen, der will ... meine ich mal:)

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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.