Wir haben keine Angst!
Wie geht man in Deutschland mit den Hinweisen auf mögliche Terroranschläge um? Bitte weniger hysterisch, sagt Mario Sixtus. Er hat die Aktion "Wir haben keine Angst" gestartet
"Gefährlicher als es ein Terroranschlag für unseren Staat jemals sein könnte," sagt Mario Sixtus "sind überaktive Politiker." Deshalb hat der Journalist und Blogger (Elektrische Reporter) gestern die Aktion Wir haben keine Angst gestartet. Hier sammelt er Bilder von Nutzern, die ähnlicher Meinung sind wie er und sich "gegen die immergleichen Reflexe aus Politik und Medien, Freiheitsrechte zur Disposition zu stellen, sobald jemand nur laut genug "Gefahr!" ruft" stellen wollen. Zahlreiche Teilnehmer sind seinem Aufruf schon gefolgt. Wir haben nachgefragt, welche Ziele er erreichen möchte.
jetzt.de: Eigentlich bist du als Journalist und Elektrischer Reporter aktiv, wie bist du auf die Aktion "Wir haben keine Angst" gekommen?
Mario: Ich bin nicht nur Journalist, sondern auch Bürger. "Wir haben keine Angst" habe ich als Privatperson initiiert. Ich war ein paar Tage in Berlin, als die neuen Terror-Warnungen durch die Medien schwappten und ich konnte beobachten, wie die Stadt von einem Heer maschinengewehrtragender Ordnungskräfte besetzt wurden. Gleichzeitig forderten Politiker die absurdesten Sachen: Handy-Verbote für Gefährder (wer soll das bitte sein? Im Zweifelsfall wohl Menschen, die mit Vornamen Mohammed heißen), die Vorratsdatenspeicherung wurde einmal mehr von allen möglichen Seiten verlangt - selbst von der Opposition. Da greift die immer gleiche Mechanik: Sobald jemand laut genug "Gefahr!" ruft, überbieten sich Politiker mit Ideen, die samt und sonders den Kern unseres freiheitlichen Rechtsstaats gefährden und im Gegenzug nur ein virtuelles, unüberprüfbares Versprechen von Sicherheit liefern. Besonders geärgert habe ich mich dieses Mal über die Medien, die - so zumindest mein Eindruck -, sich mittlerweile von ihrem aufklärerischen Anspruch verabschiedet haben und das Hysterie-Karussel nur noch mehr in Schwung gebracht haben. Exemplarisch dafür steht dieser Kommentar aus den Tagesthemen.
Kurz: Ich hatte einfach einen dicken Hals. "Wir haben keine Angst" ist eher eine symbolische Aktion, aber irgendwie muss man dieser Aufgeregtheits-Kakofonie ja etwas entgegenstellen.
jetzt.de: Wer steckt dahinter?
Mario: Ich manage das momentan noch alleine. Bin allerdings heute auch kaum zu etwas anderem gekommen. Wenn jemand helfen will und beispielsweise ein T-Shirt-kompatibles Logo entwerfen kann: immer her damit. Das soll nicht meine Aktion sein, sondern die Aktion aller, die sich daran beteiligen.

jetzt.de: Was sagst Du Menschen, die jetzt tatsächlich mehr Angst vor Terror haben?
Mario: Es ist ihr gutes Recht, Angst vor Terror zu haben. Andere Menschen haben Angst vor dem Fliegen, oder Angst vor freien Plätzen. Leztere lassen wir allerdings nicht unsere Städte gestalten und zweitletztere sind bei uns nicht für die Flugsicherung zuständig, weil dann wahrscheinlich kein Flieger mehr abheben würde. Ich wehre mich dagegen, das man erstere unsere Sicherheitsgesetze gestalten lässt.
jetzt.de: Hast du selber keine Angst?
Mario: Nein. Ich habe Angst vor allem möglichen, aber nicht davor, Opfer eines Anschlags zu werden. Ich bin Fußgänger in einer Großstadt. Dass mich irgendwann ein arschlochiger Autofahrer mit Vollgas vom Zebrastreifen pflückt, ist die weitaus größere Gefahr.
jetzt.de: Experten sagen, dass es diese Hinweise auf mögliche Anschläge sehr häufig gibt. Warum, denkst du, kocht die Debatte ausgerechnet jetzt so hoch?
Mario: Ich kann nicht beurteilen, was an den Erkenntnissen der Geheimdienste dran ist. Ich bin mir nicht sicher, ob die Geheimen das selber können. Es köchelt in der Bevölkerung momentan sehr viel Verschiedenes in einem düster-diffusen Angst-Eintopf vor sich hin. Sarrazin und Konsorten haben diese Suppe kräftig mitgerührt und angeheizt. Das macht eine sachliche und vernünftige Debatte recht schwierig. Aber genau dann sind Politik und seriöse Medien meiner Meinung nach verpflichtet, die heiße Luft aus der Diskussion zu lassen und mit klarem Kopf Abwägungen zu treffen. Momentan ist davon nichts zu sehen. Im Gegenteil.
jetzt.de: Was passiert mit all den Einträgen, die Du auf der Seite sammelst?
Mario: Sie sollen da bleiben, wo sie sind. Als Statement.
Mehr über die Aktion gibt es auf der Website Wir haben keine Angst
- Der Panda in mir 25.05.2012
- „Es muss eine klare Zuordnung geben“ 25.05.2012
- "Ich würde ihr keinen Rassismus bescheinigen" 24.05.2012
- "Seit Aristoteles wird geklagt, die Jugend sei nicht leistungsfähig" 22.05.2012
- „Ein bisschen geil“ 20.05.2012
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Ich finde nämlich die Weise, wie unser Innenminister derzeit Öffentlichkeitsarbeit in dieser Sache betreibt, sehr angemessen. Das ist angenehm, aus der Vergangenheit sind wir anderes gewöhnt.
Ich war dieses Jahr auf der Loveparade und hätte auch nicht gedacht, dass das passiert, was passiert ist. Und? Was ist passiert? Wir wissen es ja alle.
Neben meinem Haus verlaufen Gleise. Da könnte genau so gut nachts ein Zug entgleisen und genau auf meinem Häuslein landen.
Man kann sich nicht immer gegen alles absichern, hat die Vergangenheit ja gezeigt.
http://ntropy.de/
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Was zeigt das? Für manche Menschen ist es immer falsch, was man macht. Vor allem bei einem sensiblen Thema, bei dem es um Menschenleben geht.
Ich gebe zu, dass mir die Hysterie auch auf die Nerven geht. Aber: ich sehe keine Alternative, weil "ein bisschen" warnen geht irgendwie auch nicht. Also muss man die Bevölkerung warnen. Was jeder einzelne daraus macht, sei ihm selbst überlassen.
"möglicherweise könnte es einen anschlag auf den reichstag geben." und dann? den reichstag meiden, bis es entwarnung gibt.
"vorsicht, sie könnten vor ihrer haustür überfahren werden" - dafür gibt der verkehrsminister ja auch keine pressekonferenzen.
ich finde, für eine gefahr, die ungefähr in dem bereich der verkehrstoten einer woche bis eines monats liegt, sollte man keinen verlust des öffentlichen lebens in kauf nehmen. sowas muß man halt akzeptieren. so wie auch alle bei flugzeugabstürzen ganz fürchterlich trauern und das flugzeug trotzdem eines der sichersten verkehrsmittel ist.
Wehret den Anfängen hieß es früher einst.
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22.11.2010 - 22:09 Uhr
negeG