19.11.2010 - 18:30 Uhr

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"Ich verdiene so viel wie ein Investmentbanker"

Text: philipp-mattheis - Fotos: Juri Gottschall

Jeremy Bonny alias „Soul“ ist ein "Dating-Coach". Der 26-jährige Brite bringt Männern bei, Frauen anzusprechen und ins Bett zu kriegen. Seine Seminare kosten ca. 2000 Euro für ein Wochenende, sie sind fast immer ausgebucht.

Wie wird man ein Dating-Coach? Ich hatte früher große Probleme mit Frauen. Eine Frau anzusprechen, war für mich unmöglich. Ich kam irgendwann an den Punkt, an dem ich beschloss das zu ändern. Ich überlegte mir Strategien, probierte mal dies, mal jenes aus. Das klappte immer besser, bis schließlich ein „Headhunter“ auf mich aufmerksam wurde. Ein Headhunter? In meiner Branche posten die meisten Dating-Coaches ihre Ideen und Erkenntnisse im Internet. So wurde ein anderer Dating-Coach auf mich aufmerksam und fragte mich, ob ich ihm nicht auf einem seiner Workshops aushelfen könne. Ich fühlte mich zuerst nicht gut genug dafür. Aber dann war ich überrascht, wie sehr ich den Männern dort helfen konnte. Du hast also eines Tages beschlossen: Ich werde ein professioneller Aufreißer? Nach einer gewissen Zeit war es einfach die logische Konsequenz: Ich liebe, was ich tue; ich reise um die ganze Welt und verdiene viel Geld. Außerdem ist das kein Nine-to-five-Job: Ich bin sehr flexibel und kann mir meine Zeit frei einteilen. Je mehr ich arbeite, desto mehr Geld verdiene ich auch. Mittlerweile kann ich sehr gut von diesem Job leben. Davor habe ich als Headhunter in der Finanzbranche gearbeitet – das Geld war nicht schlecht, aber ich hasste diese Arbeit!
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Das ist sehr unterschiedlich. Zur Zeit arbeite ich tatsächlich sieben Tage die Woche zwischen vier und zehn Stunden. In den letzten drei Monaten hatte ich nur zwei Tage frei.Ich reise sehr viel – im Schnitt jedes zweite Wochenende. Unter der Woche erledige ich hauptsächlich die Büroarbeit, kümmere mich um das Marketing, und organisiere neue Seminare. Ich bekomme hunderte von E-Mails von Leuten, die mich um Tipps bitten. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Viele Leute denken, wir reißen Frauen auf und werden dafür auch noch bezahlt. Das ist nicht wahr. Wenn ich ein Mädchen kennenlernen möchte, dann kann ich keine zehn Jungs gebrauchen, die mir dabei zuschauen und mich dann fragen: Jeremy, wie hast du das gemacht?
Du arbeitest für eine Firma namens Lovesystems. Wie ist die aufgebaut? Die Firma sitzt in LA. Dort kümmert sich etwa ein Dutzend Angestellte um Organisatorisches wie Buchhaltung. Es gibt etwa zehn Coaches wie mich mit verschiedenen Spezialgebieten, die Seminare geben. Dazu kommen etwa 30 Junior Coaches, die aushelfen. Jeder beginnt als Junior Coach. Hat man das ein paar Jahre gemacht, kann man eigene Seminare geben. Welche Leute besuchen deine Kurse? Es sind oft Leute, die eine hohe analytische Intelligenz besitzen und außerdem nicht zu stolz sind, sich helfen zu lassen. Intelligenz und Erfolg bei Frauen beißen sich oft. Denk an den Sportlertyp in der Schule! Der kriegt zunächst relativ viele Frauen, aber später kriegt er nichts auf die Reihe. Heute ist er zu stolz, sich helfen zu lassen. Bei denen, die früher Nerds waren, ist es andersrum. Die meisten Männer, die unsere Workshops besuchen, sagen: Ich möchte mir eine Zeitlang die Hörner abstoßen und dann eine Freundin finden und eine Familie gründen. Aber unter „Hörner abstoßen“ versteht jeder etwas anderes. Manche wollen einen Dreier und sind damit zufrieden, andere müssen unbedingt die Hunderter-Marke knacken. Manche brauchen dafür sechs Monate, andere sechs Jahre. Wie reagieren Frauen auf deine Arbeit? Manche regen sich furchtbar darüber auf. Andere fühlen sich genau deswegen zu mir hingezogen. Es ist das klassische Badboy-Ding: Frauen stehen auf den Arschloch-Typ, aber sobald sie eine Beziehung mit ihm führen, wollen sie ihn ändern. Viele Leute werfen euch vor: Was ihr macht, ist Manipulation. Zur Manipulation wird es, wenn man seine Motive verschleiert. Früher – zu Mystery’s Zeiten – war das üblich. Es ging viel um Täuschung, man sollte so tun, als sei man gar nicht an der Frau interessiert. Aber gerade im „Daygame“ (Das Ansprechen von Frauen tagsüber. Anm. d. Red.) sprechen wir Frauen sehr direkt an: Hey, mir gefällt dein Style, ich möchte dich kennenlernen und später würde ich auch gerne mit dir schlafen. Das ist sehr ehrlich – und den Frauen gefällt das.
Warum bietet ihr solche Workshops nicht auch für Frauen an? Wir haben das einmal probiert, aber es hat nicht funktioniert. Es kamen kaum Kundinnen. Es gilt eben immer noch: Der Mann spricht die Frau an. Was, glaubst du, ist der häufigste Fehler, den andere Männer machen? Sie versuchen es nicht. Die meisten Männer sind permanent von Gelegenheiten umgeben, aber sie nehmen sie nicht wahr. Meistens läuft es doch so: Du bist auf einer Party, trinkst und irgendwann unterhältst du dich mit einer Frau. Manchmal passiert etwas, meistens nicht. Irgendwie rutschst du dann in eine Beziehung hinein. Wenn ich abends zehn interessante Frauen sehe, spreche ich alle zehn an.
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philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.