Was alte Socken und Haare im Abfluss mit Liebe zu tun haben
Funktioniert eine Beziehung besser, wenn man in getrennten Wohnungen lebt?
Ich sagte: „Du kannst da jetzt nicht rein.“ Sie fragte: „Warum nicht?“ „Weil das vollkommen unmöglich ist!“ „Wieso zum Teufel?“ „Weil ich gerade drinnen war!“ Sie sagte: „Das ist die Toilette! Ich habe ein Recht darauf, das Klo unserer Wohnung zu benutzen!“ Ich rief: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ Den letzten Satz habe ich so natürlich nicht gesagt, aber etwas in diese Richtung gedacht. Wir sind seit zwei Jahren zusammen und haben in dieser Zeit herausgefunden, dass es sich bei keinem von uns um reine Geistwesen handelt; wir müssen beide kacken. Aber bis vor kurzem handelte sich dabei eher um ein theoretisches Wissen, welches wir nach Belieben aus unserem Bewusstsein entfernen konnten. Als wir beide zwei Monate im Ausland waren und dort zusammen wohnten, gelang das nicht mehr. Plötzlich drängten sich all die Unappetitlichkeiten, Angewohnheiten und Alltäglichkeiten in unsere Beziehung rein, die wir vorher nie reingelassen hatten. Sie sagte: Schmeiß den Apfelbutzen weg, der da seit vorgestern liegt! Ich dachte: Verdammt, sie zieht den BH doch gerade schon zum dritten Mal an. Ich sagte: Häng halt auch mal die Wäsche auf. Sie sagte: Ich habe heute schon wieder den Müll runtergebracht. Im Abfluss hingen lange schwarze Haare, in der Ecke des Bades lag seit Tagen ein Socken von mir, der seinen Partner suchte. Sie wollte neues Geschirr kaufen, ich sagte, brauchen wir nicht, kostet nur Geld. Kurzum: Wir taten das, was alle Paare irgendwann tun, wenn sie nicht komisch sein wollen – wir wohnten zusammen. Es ist, als sei eine Beziehung ein fahrender Zug, der an bestimmten Bahnhöfen hält: Beide steigen verliebt ein und fahren los. Nach drei Monaten hält der Zug nochmals, der Schaffner fragt: Wollen Sie sitzenbleiben? Beide nicken. Ein Jahr später taucht der Schaffner wieder auf und fragt: Wenn Sie weiterfahren wollen, dann müssen sie sich bitte eine Schlafkabine teilen. Ist ein bisschen eng da, und riecht schlecht, aber machen alle so. Wenn sie nicht möchten, sagt der Schaffner, dann setzten sie sich in den Wagon am Ende des Zugs, auf dem „Freaks“ geschrieben steht. Wahrscheinlich müssen wir den dann aber irgendwann abhängen. Von einem Paar, das ein Jahr plus x zusammen ist, wird erwartet, sich demnächst eine Behausung zu teilen. Wer nach zwei, drei Jahren immer noch getrennt wohnt, dessen Beziehungsmodell wirkt auf seine Umwelt ungefähr so unlogisch wie Sex ohne Orgasmus, eine Art Rohrkrepierer der Liebe. Ich würde mir ja selbst eine gewissen Bindungsunwilligkeit- vielleicht auch -unfähigkeit attestieren, wenn ich nur glücklich zusammenlebende Paare kennen würde. Aber nahezu alle mir bekannten Frauen schimpfen über Krümel in der Küche und über die Schwierigkeit, einem männlichen Wesen beizubringen, im Sitzen zu pinkeln. Männer erzählen, was für eine Herausforderung es sei, das Zeitfenster abzupassen, in dem sie endlich in Ruhe im Internet surfen und onanieren können. Nach drei Jahren trennt sich das Paar wieder und muss dann in einer – wieder unwürdigen – Prozedur herausfieseln, wer damals den DVD-Spieler bezahlt hat, und nachweisen, dass der kleine Telefonschrank im Flur nicht von Ikea, sondern ein Erbstück der 2004 verstorbenen Oma ist.
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wieso kann ich nich einfach glücklich mit meinem freund zusammen wohnen, warum können er und ich nich treu sein ohne andauernd an ficken mit anderen denken zu müssen, weshalb können wir nich eine currywurst mit pommes mitten im bett essen und gegenseitig socken in der gegend herumdonnern, wozu wollen wir lieber alleine sein, keine kinder zusammen haben, wann lieben wir uns nicht mehr so wie am anfang, weil an tag 93 die liebe nachlässt, wozu über diesen ganzen schmarrn nachdenken und theorien formulieren - ?
Und da helfen auch nicht Erziehungsversuche der Freundin weiter. Die wird man 2 Monate befolgen und in der jugendlichen Demenz wieder vergessen.
Deshalb: Akzeptiere die Alltagsmarotten des anderen oder bleibe ein LAT. Auch keine Katastrophe.
Spätestens mit 60 hat eh jeder sein eigenes Schlafzimmer.
05.11.2010 - 18:55 Uhr
gelbesschaf
_ouch sagte:
warum müssen dinge immer neu definiert, analysiert, verändert werden?
wieso kann ich nich einfach glücklich mit meinem freund zusammen wohnen, warum können er und ich nich treu sein ohne andauernd an ficken mit anderen denken zu müssen, weshalb können wir nich eine currywurst mit pommes mitten im bett essen und gegenseitig socken in der gegend herumdonnern, wozu wollen wir lieber alleine sein, keine kinder zusammen haben, wann lieben wir uns nicht mehr so wie am anfang, weil an tag 93 die liebe nachlässt, wozu über diesen ganzen schmarrn nachdenken und theorien formulieren - ?
Wenn es so toll funktioniert, ist das doch super
2. Warum sind euch solche Kleinigkeiten nach 2 Jahren Beziehung noch peinlich?
melancholie sagte:
ich plädiere für "ja".
Es gibt Beziehungen, die funktionieren besser, wenn die Beteiligten zusammen leben und es gibt Beziehungen, die funktionieren besser, wenn die Beteiligten getrennt leben.
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05.11.2010 - 18:46 Uhr
jurette_