Postiktal
Es ist Samstag Morgen. Ein fremdes Bett, einefremde Wohnung.
Der Gedanke ist schlimm genug, dass ich schon wieder
Zeit in fremden Betten vergeudet habe.
Der Himmel treibt dunkle Wolken, das Fenster ist vom Bett aus zu sehen.
Der postiktale Kopfschmerz fällt heute morgen weniger heftig aus.
Ich hatte auch nur Alkohol ohne Sex.
Ich wanke in die Küche. Der Restalkohol ist deutlich zu spüren. Der Türrahmen ist im Weg und er rempelt mich mit voller Wucht an.
Sie sitzt in Unterwäsche am Küchentisch und schaut mich verwundert an.
Ich weiß, dass sie mich nicht liebt, aber zumindest haben wir uns seit 2 Wochen immer mal wieder getroffen.
Ich gieße mir den restlichen Kaffee aus der lauwarmen Kanne in ein Glas.
Jetzt gerade könnte sich die Tür in eine wunderschöne Parallelwelt öffnen. Die Wolken treiben es vor dem Küchenfenster immer heftiger und schneller.
Es regnet.
Sie starrt vor sich hin. "Du bist mir einfach zu normal."
Ich bin zu faul zum Reden und zum Trennen nicht in passender Stimmung.
Ich weiß, dass ich nicht gehen muss und sitzen bleiben darf, ähnlich wie am Bahnhof und Flughafen. Letztes Jahr ist es niemand aufgefallen, dass ich in der Abflughalle meinen Anschlussflug verschlafen habe. Selbst wenn man 2 Tage am Bahnsteig oder in der Abfluhalle sitzt, wird keiner fragen, wo man hinwill.
Es ist einfach abgemacht, dass du mit einem Ziel dasitzt.
Die Kopfschmerzen lassen nach, ich schaue mir die Frau genau an, die gerade gesagt hat: Du bist mir einfach zu normal.
Sie ist sehr schmal. Sie ist nicht blond, eher schmale Hüften, nicht Barbie. Kenn hat auch nicht zu Barbie gepasst. Barbie war für Kenn einfach immer zu normal.
Sieben Jährige Mädchen wären da natürlich anderer Meinung.
Ob sie mich vor 2 Jahren auch schon für zu normal gehalten hätte?
Es wäre einfach nur lächerlich, diese Frau nach dem Warum zu fragen, warum sie mich zu normal findet.
Es ist doch schon wieder viel zu normal, dass wir jetzt hier sitzen und morgens Kaffe trinken.
Ob sie jeden Tag aufwacht und sofort etwas Unnormales tut, immer auf der Suche nach dem, was keiner tut, unnormal ist in ihrer Welt?
Ist Außergewöhnlich gleich Unnormal?
Die Blätter turteln in der Luft. Sie starrt immer noch.
Sex vor oder nach dem Frühstück wäre zu normal.
Die Kopfschmerzen lassen nach und meine Gedanken beginnen sich wieder in ihren Planquadraten aufzustellen.
Vielleicht gibt es kein Unnormal. Und mich, sie und all die anderen auch nur in Normal S, L, XL, oder XXL.
Es wird Zeit abzunehmen.
Nächsten Freitag Abend werde ich Sie wieder anrufen.
Denn ich fand die letzte Nacht ganz nett. Auch wenn sie mich nicht liebt, weil ich zu normal bin.
04.11.2010 - 23:19 Uhr
schreiberin








0
04.11.2010 - 23:16 Uhr
_ouch