Mein Professor ist echt ne Type
Text: yvonne-gamringer - Illustrationen: Alper Özer
Ein Hochschullehrer ist ja nicht bloß Wissensvermittler, er ist häufig eine ziemliche, nun ja, Persönlichkeit. Wir stellen dir fünf Professorenexemplare vor. Kennst du noch mehr?
1. Die Forscherin
Ihr Terminkalender ist leicht aus der Balance zu bringen, was kein großes Wunder ist, wenn man Telefonate, Budgettreffen und Doktorandenbesprechungen im 15-Minuten-Takt absolviert. Abends hat sie dann noch die edle Aufgabe an der Backe, als Reviewer für diverse wissenschaftliche Journale in Amerika und Großbritannien tätig zu sein. (In jenen Ländern geht er ja ab, der Forscherpunk.) Erst nachts darf sie an ihre eigenen Projekte. Die Forscherin hat nämlich, wenn sie es ernst meint, einen sehr langen Tag und stets immens was um die Ohren. Ihre Professor hatte sie damals zur Promotion überredet und bald entwickelte sie Ehrgeiz. Sie lernte auf Konferenzen die „großen Forschernamen“ kennen, die in Australien, Singapur und Amerika ihr Geld verdienen. Sie nahm ein Streichholz und entzündete in ihrem Herzen die Leidenschaft. Etwas prosaischer kann man sagen, dass sie arbeitete wie ein Stier. Die Liste ihrer Publikationen ist monströs. Sie ist ein Forschercrack und deshalb als Studentenbetreuerin denkbar ungeeignet. Denn eine alte Indianerregel besagt, dass man nie mehr als eine Sache sehr gut machen kann. In ihren Vorlesungen wirkt sie zwangsläufig blass und neben der Spur, bisweilen auch unzugänglich. Für manche ist das abschreckend, weil ein Professor doch menschlich sein soll und ein guter Erklärer obendran. Andere finden das toll, weil sie zum ersten Mal erleben, wie Leidenschaft aussieht: ein bisschen blass um die Nase aber sehr hell dahinter.