Meinen Zucker koch ich mir jetzt selber
Worüber sich empören in der letzten Stille einer Nacht, in der kein Geheimnis mehr lauert, nur ein Schweigen, das gerne ein geheimnisvolles wäre, eine vertraute Übereinkunft. Nur nicht diese Überheblichkeit, nicht diese Überheblichkeit eines Schweigens nach einem viel zu langem Tag, an dessen Ende nichts zu sagen mehr bleibt. Mach doch den Mund auf, so hätte ich dich anschreien sollen, aber stattdessen rede ich nun unaufhörlich um dir zu entkommen. Ich weiß soviel von dir, dass es das nicht mehr gibt, das Geheimnis, das dich rettet und mich. Uns beide in einen flackernden kleinen Heiligenschein hüllt dumpf und müde wie die 15 Wattbirne in deiner Küche, der Küche, in der ich mich wohl gefühlt hatte, wie nirgendwo sonst. Jetzt nicht mehr, die Dinge hatten sich verändert und mussten akzeptiert werden, die Fremde zwischen uns, die musste akzeptiert werden und auch die gnadenlose Neonröhre, mit der ich dich beleuchte, hindurch sehe durch dich und nichts mehr erkenne. Ich sehe dich an, sehe deine Haare die falsch herumfusseln, sehe deine Blicke die nur noch unruhig sind und ich möchte dich packen, an deinen Kleinmädchenschultern will ich dich packen und schütteln will ich dich, bis sie herabfallen von deinem Mund, die Sätze, die richtig sind und echt, damit die mal herauskommen, nicht zugetüncht von der Pampe deiner ewigen Gebete. Der Gebete, die hektisch um ein Heilsversprechen kreisen, das für dich nicht zählt, für eine Erlösung, die nicht für Opfermädchen zählt, für alt werdende Opfer wie dich, die nicht mal mehr nach Hause genommen und nach zwei Stunden in Taxis gesetzt werden, weil man sie nicht mehr gebrauchen kann, dich will man nicht mehr benutzen, du bist benutzt, gebraucht, und so siehst du auch aus. Du siehst aus wie die Einsamkeit der Pärchen, die im Karstadtbistro nebeneinander sitzen und auf die Fußgängerzone starren, bis der eine endlich stirbt um Jahre zu spät und dann sitzt du im 250er Bus und lässt deine Sonntagseinsamkeit über jeden schwappen, der sich neben dich zu setzen wagt. Erzählst dann plötzlich dass einer viel zu früh gestorben sei, als wäre das die Wahrheit, die es jetzt zu entdecken gilt wie einen neuen Ozean. Wir werden nicht mehr entdeckt, wir werden nicht plötzlich ein neues Leben haben, wir könnten unsere Wünsche gar nicht mehr tauchen in den Zuckerguss der Realitätsanfänger, die klebrige Bonbonmasse, die einst von unseren Körpern tropfte ist längst erkaltet, deshalb sind die jetzt auch so träge und schwer, die Körper, die Blöden. Wir können auch nicht länger warten, dass die Nacht verschwindet, besser wir verschwinden zuerst und tauchen erst wieder auf, wenn es klarer geworden ist und der Himmel blass leuchtet. Ich habe Angst, sagst du, ich weiß doch, sage ich und wenn du dich jetzt an meinen Arm klammerst, könnten wir die Worte auch endlich wegwerfen und ihr Einwickelpapier, das Bunte. Wir lutschen nur noch die Bonbons, von denen unser Zahnfleisch blutet, wir rennen Bussen hinterher und alten Systemen und bleiben so, wie wir es ja doch nie waren bis wir durchgefroren und müde wieder an deinem Küchentisch landen. Damit kriegen wir die Nacht ganz gut rum, weißt du das nicht, Baby, wenn nur die Angst solange bleibt bei uns und der verhärtete Zuckerklumpen nochmal flüssig wird in unseren Mündern.








0
27.10.2010 - 02:05 Uhr
MorbusBahlsen