21.09.2010 - 18:30 Uhr

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Damit es auch nach dem Studienabbruch weitergeht

Text: simon-hurtz - Foto: dpa

Auch ohne Examen bleibt schließlich was hängen: Warum das Wirtschaftsministerium dazu auffordert, sich besser um Studienabbrecher zu kümmern.

Jahr für Jahr verlassen rund 55.000 Studierende in Deutschland ihre Hochschule ohne einen Abschluss. Die Gründe für den Abbruch sind vielfältig: Schlechte Beratung, realitätsferne Erwartungen oder Druck seitens der Eltern können zur Wahl des falschen Studienfachs führen. Und in Anbetracht der Studiengebühren sind es in zunehmendem Maße auch finanzielle Gründe, die einem erfolgreichen Ende des Studiums im Wege stehen. Die Bologna-Reform sorgt zudem für wachsenden Prüfungs- und Leistungsdruck und treibt viele Studenten dazu, die Flinte frühzeitig ins Korn zu werfen.
Erstsemesterstudenten in Mainz: Rund 20 Prozent werden ohne Abschluss bleiben. Abschlusslos, arbeitslos, perspektivlos? Was klingt wie der typische Stoff für die "Quarterlife-Crisis", ist keineswegs zwangsläufige Konsequenz. Prominente Beispiele zeigen, dass es auch ohne Diplom, Master oder Staatsexamen mit der späteren Karriere klappen kann. Günter Jauch, Bill Gates, Steve Job, Mark Zuckerberg oder Steven Spielberg sind allesamt erfolgreich "gescheiterte" Studenten und in dieser Funktion bestens bekannt durch einschlägige Bildergalerien und Klickstrecken in den Onlineauftritten deutscher Nachrichtenwebsites. Trotzdem besteht wenig Zweifel daran, dass sich die Berufsaussichten ohne Hochschulabschluss nicht gerade verbessern. Jahrelanger Wissenserwerb bleibt de facto wertlos, weil nur das erfolgreiche Examen zählt. Übrig bleiben das meist lange zurückliegende Abitur, ein Gefühl des Scheiterns und nagende Selbstzweifel. Eine am Freitag veröffentlichte Studie der Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung (GIB) im Auftrag des Wirtschaftsministeriums beschäftigt sich mit der problematischen Situation der Studienabbrecher und gibt jetzt Handlungsempfehlungen. Es geht um die "berufliche Integration" der Studienabbrecher, über die man, heißt es im Wirtschaftsministerium, zu wenig wisse. Es brauche bessere Aufklärung und eine "verstärkte Information über die Möglichkeit berufsbegleitender Studien und alternativer Abschlüsse". Außerdem sollten die Bescheinigungen für Zwischenleistungen besser dokumentiert werden, damit auch abgebrochene Studien zum Beispiel auf die Lehrzeit bei Ausbildungsberufen angerechnet werden könnten. Den Hochschulen wird darüber hinaus empfohlen, eine Art "Frühwarnsystem" zu schaffen, um die gefährdeten Studenten rechtzeitig zu entdecken und die Zahl der Abbrüche zu senken. Immer mehr Unternehmen zeigen sich besorgt angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland. Insbesondere im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) gibt es mehr freie Stellen als qualifizierte Bewerber. Angesichts der demographischen Entwicklung ist kaum mit einer baldigen Schwemme an Ingenieuren und Forschern zu rechnen und so rückt der Umgang mit Studienabbrechern langsam in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Alljährlich 55.000 Studenten ohne Abschluss und mit schlechten Berufsaussichten, gleichzeitig zahlreiche Firmen, die erfolglos Stellenangebote inserieren. Das muss nicht sein, dachte sich – wenig überraschend – ein Student und rief vor neun Jahren die Internetplattform studienabbrecher.de ins Leben. Mittlerweile von professioneller Hand übernommen und immer weiter ausgebaut, soll diese Webseite interessierten Aussteigern und Quereinsteigern den Start ins Berufsleben erleichtern, bietet wertvolle Tipps und Informationen rund ums Thema sowie eine Jobbörse zur Vermittlung zwischen Arbeitgebern und "semi-akademischen" Nachwuchskräften. Die bisherige Resonanz sei ermutigend, so Erhard Stahl, der Pressesprecher der Website. Die Unternehmen zeigten großes Interesse und machten größtenteils positive Erfahrungen. Im Laufe der letzten Jahre habe sich ein funktionierender Arbeitsmarkt mit guten Einstellungschancen entwickelt, es fänden sich zahlreiche, explizit auf Studienabbrecher ausgerichtete Stellenausschreibungen und die Plattform diene als zentrale Anlaufstelle für beide Seiten. Das vorhandene Wissen der Studenten werde genutzt und betriebsinterne Weiterbildungen ermöglichten dann die erforderlichen Abschlüsse. Die Unternehmen deckten dadurch ihren Bedarf an Fachkräften, während die Abbrecher dankbar über die "zweite Chance" seien und deshalb oftmals besonders motiviert an die neue Aufgabe herangingen. Doch trotz aller Bemühungen gilt natürlich auch weiterhin: Ein erfolgreicher Abschluss ist und bleibt die beste Grundlage für einen reibungslosen Übergang in die Arbeitswelt.


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7 Kommentare

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fiebertraum
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Mag ich Mag ich nicht

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21.09.2010 - 18:39 Uhr
fiebertraum

suuper! das fällt denen jetzt ein, wo ich mich durch viel zu viele gesetzestexte und theorien quälen musste, um den blöden abschluss doch noch irgendwie nachzuholen.

psychoraver
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Mag ich Mag ich nicht

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22.09.2010 - 07:54 Uhr
psychoraver

Tja, Günter Jauch, Steve Jobs, Bill Gates, Zuckerberg, Spielberg... das Auffällige ist, dass unter den hier aufgeführten "prominenten" Studienabbrechern drei Informatiker und ein einziger Deutscher ist. Was lässt sich daraus schließen?
1) Früher (die Studienzeit von Jobs und Gates ist schon eine Weile her) war es in der IT-Brache in den USA leichter, auch ohne Abschluss einen Job zu bekommen. Über die heutigen Chancen von abbrechenden Informatikstudenten in Deutschland sagt das so gut wie nichts aus.
2) In Amerika hat man es auch ohne Studienabschluss bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, während in Deutschland der Abschluss das goldene Kalb ist, um das die potentiellen Arbeitgeber ihren Tanz aufführen. Nicht das erworbene Wissen zählt, sondern der Titel. Und das führt dazu, dass ein Bachelor in Orientwissenschaften höher angesehen und chancenreicher ist, als ein Medizin - oder Jurastudent, welcher zwar alle Uniprüfungen bestanden hat, aber am Examen gescheitert ist.

simon-hurtz
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22.09.2010 - 08:26 Uhr
simon-hurtz

Da hast du mit Sicherheit Recht - deshalb ja auch die Relativierung im nächsten Satz ("Trotzdem besteht wenig Zweifel daran, dass sich die Berufsaussichten ohne Hochschulabschluss nicht gerade verbessern."). War auch nur so maximal halb ernst gemeint...

zaangalewa
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Mag ich Mag ich nicht

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22.09.2010 - 14:58 Uhr
zaangalewa

fiebertraum sagte:
suuper! das fällt denen jetzt ein, wo ich mich durch viel zu viele gesetzestexte und theorien quälen musste, um den blöden abschluss doch noch irgendwie nachzuholen.


Nun ja - wenn Du Karriere machen willst, dann kann ich Dir nur raten das durchzuziehen. Ich bin selbst Studienabbrecher mit Querseinstig in die EDV und Kommunikationstechnik gewesen. Das hat sich für mich karrieretechnisch nicht gelohnt - und die Rückfahrkurve habe ich dann ebenfalls ziemlich in den Sand gesetzt. Zwischendurch spiele ich seither immer wieder mal mit dem Gedanken ein Buch mit dem Titel "erfolgreich leben kann jeder - erfolglos musste erst mal leben können" zu schreiben. Was soll's - es gibt Schlimmeres. Man könnte z.B. als Deutscher auf die Welt kommen müssen - Oh Scheiße - jetzt haste mich angesteckt. Schnell mal ein Waka-Waka reinziehen: http://youtu.be/-U3bmFS40M4

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

1

22.09.2010 - 18:52 Uhr
drolli

Hmmm. Schwieriges und kompliziertes Thema, und das winken mit dem geringen Anteil der Studenabbrecher die das Studium (freiwillig) abgebrochen haben weil sie einfach eine bessere Verwendung fuer ihre Zeit fanden wird der Sache nicht gerecht.

a) Ein Studienabbruch betrifft beide, Universitaet und Student. die Universitaet hat Ressourcen verbraucht und ihr Ziel verfehlt, und der Student hat Zeit verbraucht und sein Ziel verfehlt. Was in dem Zusammenhang mit dem Bachelorsystem besser ist, ist das man wenigstens keine Zeit und Ressourcen extra verbraucht (In unserem Diplostudiengang hatten wir Leute die in den ersten 4 Semestern nur einen Schein gekriegt haben um nach 8 Semestern (und mehr belegten uebungen als fuer das gesamte Studium vorgesehen waren ohne Vordiplom gegangen sind). Wer in den ersten zwei Semestern unter 50% der erforderlichen Scheine hat muss sich ueberlegen warum das so ist, und die Uni sollte ihm entweder Hilfe anbieten, oder ihn exmatrikulieren.

b) Dt. hat ein sehr fest gefuegtes Bildungsystem. So wie es im Handwerk ueblich ist eine Gesellenpruefung zu haben, so ist es ueblich fuer bestimmte Taetigkeiten ein Studium abgeschlossen zu haben. Das Vertrauen in die Validitaet der Bewertungen die diese Pruefungen vorgaukeln, ist durch nichts gerechtfertigt. Es ist allemeinbekannt dass in Dt mit viel Aufwand fuer die Tonne geprueft wird.

c) Die Idee dass anstrengung das alles irgendwie richtet, ist schaedlich. Ich kenne Leute die an den Rand ihrer Gesundheit gegangen sind um ihr Studium zu retten.

GrauGruenBlau
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.09.2010 - 20:17 Uhr
GrauGruenBlau

Psychoraver:
"2) In Amerika hat man es auch ohne Studienabschluss bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, während in Deutschland der Abschluss das goldene Kalb ist, um das die potentiellen Arbeitgeber ihren Tanz aufführen. Nicht das erworbene Wissen zählt, sondern der Titel. Und das führt dazu, dass ein Bachelor in Orientwissenschaften höher angesehen und chancenreicher ist, als ein Medizin - oder Jurastudent, welcher zwar alle Uniprüfungen bestanden hat, aber am Examen gescheitert ist."

Naja, selbst wenn beide die Prüfung schaffen, ist auf dem Deutschen Arbeitsmarkt selbst der schlechteste der zehn Millionen gesichtslosen Juristen, BWL/VWLer oder WiWi-Menschen mehr wert als ein Literaturwissenschaftler mit 1,0... ist auch komisch!

drolli
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Mag ich Mag ich nicht

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23.09.2010 - 06:47 Uhr
drolli

GrauGruenBlau sagte:
...
Naja, selbst wenn beide die Prüfung schaffen, ist auf dem Deutschen Arbeitsmarkt selbst der schlechteste der zehn Millionen gesichtslosen Juristen, BWL/VWLer oder WiWi-Menschen mehr wert als ein Literaturwissenschaftler mit 1,0... ist auch komisch!


Stimmt auch eher nicht so. Stimmte vielleicht mal vor 10Jahren.


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simon-hurtz

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Simon Hurtz
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