Die Adamelloüberschreitung und wie wir an einem Tag 3 Pässe gegangen sind
28.8.2010:Als wir losfuhren war unser eigentlicher Plan auf den Piz Bernina zu gehen, doch in Pontresina angekommen schüttete es wie aus Kübeln und die Touristeninfo riet uns, wie auch unser Gefühl, lieber noch etwas weiter in den Süden zu fahren. Also stiegen wir wieder ins Auto und ab gings über den Bernina-Pass Richtung Adamello-Presanella.
Von Edolo gelangt man über Sonico in ein enges und sehr langes Tal namens Val Malga. Nachdem wir am Parkplatz angekommen waren, stank die Kuplung meines Autos dermaßen, dass es sich sicherlich freute, nun für einige Zeit nicht mehr benutzt zu werden. Wir packten unsere Rücksäcke, die sicherlich an die 15 Kilo wogen und stiegen auf zum Refugio Tonolini. Später sollte sich herausstellen, dass diese Wahl nicht unbedingt die vorteilhafteste war, doch war uns dies zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Es war schon ziemlich spät und die Ankunft nach 2,5 Stunden Aufstieg ließ fast schon daran zweifeln, ob man dort überhaupt übernachten kann. Es gab lediglich einen kleinen gemeinsamen Essraum, dahinter die Küche und verbunden durch einen schmalen Gang gelangte man tatsächlich in einen Schlafraum mit vielleicht 40 Stockbetten. Zum Glück, denn wir waren beide ziemlich kaputt von diesem langen Tag.

Entgegen der immer wieder zu hörenden schmuddeligen italienischen Refugios war dieses zwar sehr klein, aber absolut gepflegt und die drei Hüttenwirte, wenn sie auch keinerlei Englisch sprachen, waren sehr, sehr bemüht, uns das Abendmenü zu erklären. Außerdem hat uns der noch mit Englisch versierteste uns einen Weg gezeigt, wie man unsere morgige Adamellobesteigung durch einen Pass wenigstens ein wenig abkürzen konnte, denn wir hatten schon die Befürchtung, wieder absteigen zu müssen, da der Südanstieg über den Adamellopass vorbei an der Gnutti-Hütte führte, die jedoch im Nachbartal lag.

Tonolini-Hütte
So ging es schließlich am nächsten Morgen über den Pso. d. Cristallo mit spärlichen Steinmännchen gekennzeichnet Richtung Pso d. Adamello.

Vom Crisallo-Pass steigt man ein wenig hinab, bleibt aber jedoch immer über 2.500 Meter und quert einfach zum Adamello-Pass hinüber.

Wie gesagt...ab und zu finden sich Steinmännchen die einem das Gefühl geben, auf dem Richtigen Weg zu sein, bis man schließlich wieder auf Markierungen trifft, die einen sicher zum Adamello-Pass begleiten.

Schwindelfrei sollte man für alle Pässe sein. Sowohl der Cristallo-Pass als auch der Adamello-Pass erfordern eine sehr gute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Spektakulär am Adamellopass ist der fließende Gletscherabbruch, der schon von Weitem die Frage erlaubt, wie man denn bitte dort hinüber gelangt, doch da sich der Weg immer im felsigen Gelände bewegt, braucht man sich diesbezüglich keine Sorgen zu machen.

Auf dem Weg nach oben sind uns zwei Italiener mit kurzen Hosen, kleinstem Rucksack und Trekkingschuhen entgegen gekommen...wohl ihre Trainingsstrecke. Wir hatten allerdings vor, den Adamello zu überschreiten und somit ist eine Gletscherausrüstung unerlässlich.

Der Weg führt vorbei an einer spitzen Felsnadel - der Cima d. Laghetto - welche jedoch links liegen gelassen werden kann. Falls einen hier ein Wetterumsturz überraschen sollte, befindet sich auch gleich in der Nähe eine rote Biwakschachtel. Doch mit dem Wetter hatten wir unsägliches Glück und so stand unserem sonnigen Gipfelglück nichts im Weg.


Ich muss allerdings ganz ehrlich zugeben, dass ich mit ihr

meine Meisterin gefunden habe:) Scheinbar unbekümmert, ja gar Gazellengleich fliegt sie fast schwerelos über Fels und Eis und das schwere Gepäck scheint sie in keinster Weise zu stören. Im Gegenteil...immer ein wunderbares Lächeln auf den Lippen und Blick für das Schöne und Weite

Vom AdamelloGipfel machten wir uns auf Richtung Garibaldi-Hütte welche vom Gipfel aus sehr gut zu sehen ist, doch der Weg bis dahin sollte sich noch als recht schwierig erweisen. Wir wählten nämlich nicht den vermeintlich einfachen Weg über den Gletscher, sondern überschritten den Gipfel des Corno Bianco - diesen jedoch rechts liegen lassend. Auf der anderen Seite angekommen erwartete uns ein nicht gerade unriskanter Abstieg zum Pso. Brizio. Die Eiswand die sich vor uns in die Leere stürzte war zwar nicht unbedingt hoch, doch die losen Felsen und der schmale schwindelerregende Grad waren eine durchaus nicht zu missachtende Herausforderung. Der eigentliche Plan war es, uns an dem vorhandenen Fixseil abzuseilen und die Eiswand weiter unten zu queren. Doch nachdem sich A. keinen gescheiten Stand bauen konnte und ein zu langes Verweilen in dieser Wand aufgrund des Steinschlags einfach zu gefährlich war, nahm ich das Seil wieder auf, lies A. die Wand queren, bis sie in sichererem Gelände war und stieg selbst über den schmalen Grad im Fels bleibend zu ihr ab.

In sicherem Gelände angekommen waren wir heilfroh nun nur noch einen vermeintlichen Spaziergang vor uns zu haben und staunten wieder über die Dimensionen, die den Menschen hier scheinbar zu Zwergen schrumpfen lässt.

eine 3er-Seilschaft im unteren linken Bildrand
Der Hubschrauber flog einen kurzen Kreis über unsere Köpfe hinweg bis er schließlich hinter dem Brizio-Pass leise verklang.

Der Blick auf die Garibaldi-Hütte ließ mich schon von einem guten Abendessen träumen,

doch noch war es nicht so weit. Der Weg hinunter lässt einen noch ein letztes kleines, aber nettes Hindernis überqueren und ein wenig Mut und Überwindung gehört für diesen Sprung schon dazu.


Schließlich führt der Weg nur noch durch verblocktes Gelände, durch dessen Spalten immer wieder wunderbare Blumen ihren Weg zur Sonne finden.

Auf der Garibaldi-Hütte wird man von einem hübschen kleinen Kerl begrüßt, der es sich nicht nehmen lässt, ihn durchzukuscheln und wer ein Stöckchen für ihn hat, wird wohl sein bester Freund werden. Auch wenn er gerne Steine holt und sie Dir vor die Füße legt, damit du sie schmeißt...für die Zähne ist es zwar nicht das allerbeste, aber wer so sehr darum bittet, bleibt nicht unbelohnt.

Die grauen Wolken lockerten auch wieder auf, man konnte noch die letzten Abendsonnenstahlen genießen, seine Sachen zum Trocknen aufhängen

und schließlich diesen Tag im Liegestuhl - wirklich wahr - noch einmal Revue passieren lassen.

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Willst du nicht mal kommerziell Touren anbieten, oder würds dann den Spaß dran nehmen?
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07.09.2010 - 17:34 Uhr
octopussy