Was die Musik deiner Eltern mit dir zu tun hat
Text: fabian-fuchs - Illustration: katharina-bitzl
Was hörst du, und wenn ja wieviel von deinen Eltern? Nichts prägt unseren kopfeigenen Dudelfunk so stark wie das, was wir in unserer Kindheit mithören mussten. Deswegen haben wir schnell mal die vier wichtigsten Elternsounds zusammengefasst.
Die geschiedene Klassik-Mutti oder der geschiedene Jazz-Vati
Wenig Haare, Brille, Rollkragenpullover, nicht dick - Steve Jobs ist das optische Rolemodel für die Jazz-Väter. Wer mit 50 so aussieht signalisiert ziemlich klar: Ich achte dermaßen auf mich und habe Angst vor der Midlife-Crisis. Diese Männer kaufen sich zum 50. Geburtstag einen Landrover oder eben eine neue HighEnd-Anlage mit glimmenden Verstärkern. Den Jazz hören sie darauf weniger wegen der Kunst, sondern weil das Wort so gut zu den Kaschmirrollkragen passt und weil es ihnen den Anstrich ewiger Jugend verleiht ohne als kindisch zu gelten – so zwischen Wild und Konzertsaal. Da sie als Zahnärzte, Ingenieure und Regisseure aber ohnehin kaum Zeit für Musik haben, verstaubt die gediegene Sammlung langsam im Designregal.
Ihre Ex-Frau, die Klassikmutti, findet allerdings auf jeder Cocktailparty wieder und seit der Scheidung erst recht „neuen Jazz sehr schwierig“ und nur die alten Sachen gut und hört gerne mal einen Batzen Brahms oder noch lieber eigentlich die Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Da kann man so beschwingt zu die Fenster putzen. Obwohl sie selber von den vier Jahren Klavierunterricht in ihrer Jugend nur noch ein bisschen Keyboard-Klimpern zu Weihnachten in die Gegenwart gerettet hat, sollten die Kinder aus dem Kinderwagen weg Bratsche lernen bzw. Flügelhorn. Hat dann aber nicht geklappt. Genau wie die halbjährlichen Versuche des Jazz-Vatis, die Kinder an seine Musik zu gewöhnen, die immer mit den Worten beginnen: „Hör mal genau hin, das ist eigentlich, ja, wie Popmusik.“
Das hören die Kinder: Typische Gegenreaktion auf gutbürgerliches Klassik- plus Jazzgedudel in den prägenden Jahren wäre Black-Metal mit raushängender Spaltzunge. Meistens wird es aber doch Indie mit einer Prise Punk.