02.09.2010 - 18:47 Uhr

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Polygamie? Polygamo? Polyamorie!

Text: Tripper

Wieso ist Monogamie in unseren Erwartung und Vorstellung einer partnerschaftlichen Beziehung fest verankert? Wieso soll man sich immer für einen Partner entscheiden? Ist es nicht möglich eine klassische Dreiecksbeziehung zu führen, in der sich alle Beteiligten wohlfühlen? Kann man Liebe nicht teilen? Ist Liebe in irgendeiner Weise begrenzt vorhanden? Kann man einen Menschen weniger lieben als den anderen?

Warum? Warum? Warum? Wer nicht reflektiert, bleibt dumm.

Ich habe nicht vor, eine Abhandlung über dieses leidige Thema zu schreiben, sondern möchte mich viel lieber auskotzen, meinem Unmut Gestalt geben und vielleicht so eine kreative Lösung finden.

Ein Grund für dieses starres Denken mögen die Ein-Gott-Religionen sein, viele Geschichten, und natürlich Filme und Serien, in denen uns dieses Ideal vorgelebt und der Rest verteufelt wird. Partnerschaftliches Glück findet man nur in einer Bigamie, lautet dort oftmals die Moral. Es erscheint mir also nicht allzu wunderlich, weshalb wir davon so indoktriniert oder viel mehr kontaminiert sind. Wie es in vormonotheistischen Zeiten ausgesehen haben mag, weiß ich nicht und es ist auch nicht meine Aufgabe das herauszufinden. Das überlasse ich den Historikern.

Nun kommen wir zum eigentlichen Kern meines unbehagenverursachenden Anliegens. Wieso müssen wir uns eigentlich immer zwischen zwei möglichen Partnern entscheiden? Meine Entscheidung wäre ganz klar: beide! Ich verstehe es einfach nicht, warum ich mich – angenommen ich fühle für beide das gleiche – entscheiden soll? Wofür soll das gut sein? Ich werde nicht Glücklich – angenommen Glück wird durch etwas außerhalb von mir erschaffen – indem ich mir Sachen/Personen entsage, die mich glücklich machen. Sich selbst in seiner Entfaltung zu begrenzen erzeugt m. E. Eher genau das Gegenteil. So zu tun als ob man glückliche wäre, oder sich einreden man sei glücklich, ändert nichts an dem tatsächlichem Empfinden, das irgendwann nach Ewigkeiten des Verdrängens ins Bewusstseins hervorschießt und die bisherige Welt ins Chaos stürzt, nur um die Welt mit den Scherben zu rekonstruieren. Lange Rede kurzer Sinn: Ich will meinem Herz folgen und nicht den sozialen Normen, Werten, Paradigmen und Strukturen, die unser Zusammenleben dominieren. Das einzige Problem dabei ist, meine möglichen Partner sehen es möglicherweise ganz anders als ich.

Eifersucht oder die Angst weniger geliebt zu werden, ist überall bekannt. Hinterher spionieren, Treuebeweise sind nur einige Formen dieses Wahns, der in unseren Köpfen herumspukt und allerlei Durcheinander anrichtet. Doch warum sollte Liebe begrenzt sein? Liebe ist meiner Ansicht nach kein Produkt einer Wechselwirkung zweier oder mehrerer Personen, sondern viel mehr eine Einstellung, die man seiner Umwelt und sich selbst entgegen bringt. Um es mit anderen Worten auszudrücken: ein Perpetuum Mobile. Liebe ist ein Gefühl, das die Welt des definierbaren, also der Wörter und des Denkens transzendiert und sich daher nicht wirklich beschreiben lässt. Starke Zuneigung kann niemals die wahre Größe dieses Wortes mit 5 Buchstaben nur annähernd beschreiben. Schon das wahre Wesen dieses Begriffes bleibt hinter Schleiern verborgen, das sich uns nur offenbart, wenn wir unsere Welt umkrempeln, uns selbst entfalten, und das tun was wir für Richtig und Falsch halten. Damit meine ich nicht die Bedeutung im sozialen Konsensus sondern unsere tiefe, innere Wahrheit der Dinge. In diesem Kontext ist die Frage, ob wir weniger lieben können bzw. andere mehr lieben können, überflüssig.

Wenn wir uns alle nur unserem wahren Kern nähern könnten, sollten wir alle unserem Herz folgen können. Regeln usw. wären überflüssig und jeder könnte so sein, wie er ist. Und ich könnte dann ohne Probleme meine polyamorösen Bedürfnisse ausleben.

Zu guter Letzt ein Zitat von Crowley „Jeder hat das Recht, sich einem anderen hinzugeben“


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3 Kommentare

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MPGeyer
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Mag ich Mag ich nicht

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05.09.2010 - 23:12 Uhr
MPGeyer

Danke für den schönen Text. Klingt einleuchtend, und ist doch so schwer.

herlekin
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Mag ich Mag ich nicht

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31.07.2011 - 18:23 Uhr
herlekin

Warum probierst du es nicht mit beiden? Solange es beide wissen und gutheißen. Polyamorie ist kein schwarzes Blatt - nur anstrengend..

_SheLostControl
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Mag ich Mag ich nicht

0

13.02.2012 - 13:12 Uhr
_SheLostControl

Hättest Du es ernsthaft probiert, wärest Du auch an die Grenze dieses Konstrukts gestoßen, würde ich behaupten.


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Simon Klingsor
Weiden i. d. Opf.