Wie das Web meine Schulzeit verändert - zehn Beobachtungen
Über Schüler, die mit dem iPhone unter der Bank die Antworten auf Lehrerfragen googeln und die Wahrheit hinter dem Copy&Paste-Prinzip: Unsere Autorin erzählt, wie das Web den Schulalltag wandelt
1. Mister Wichtig Ein paar Mitschüler gibt es, die meinen tatsächlich alles auf ihrem Laptop mittippen zu müssen, anstatt zu Stift und Papier zu greifen. Sieht furchtbar wichtig aus, ist aber nebenbei unheimlich nervig und wenn sie’s mal zugeben auch nicht unbedingt nötig. Viel Spaß außerdem in Geometrie, da zeig mal einer, wie geschickt er mit „Paint“ ist! Am liebsten würde man einen hungrigen Trojaner durch das Datensystem der Herren galoppieren lassen, auf dass alle abiturrelevanten Dateien genüsslich zermahlen werden. 2. Die gegoogelte Antwort Mal eben die Antwort auf die Frage des Lehrers mit dem i-Phone unter dem Tisch zu „googlen“ ist irgendwie ziemlich clever, aber irgendwie auch ziemlich unfair. Den Luxus können sich schließlich nicht alle leisten. Gute mündliche Noten gibt es trotzdem - wenn man sich nicht erwischen lässt. 3. Neue Ausreden Jeder hat Internetzugang. Das wissen auch die Lehrer und stellen immer häufiger Recherche-Hausaufgaben, die man schon mal mit der Entschuldigung vergessen kann, das W-Lan habe gestreikt oder der Hund habe die zehnseitige Arbeit ganz einfach in Form eines USB-Sticks gefressen. Praktisch. 4. Das ganze Buch oder die Zusammenfassung? Die ganze Nacht darauf verwenden, noch kurzfristig für den Deutschunterricht den kompletten „Faust“ durchzuwälzen? Es geht einfacher, auf „Wikipedia“ steht die Zusammenfassung der Kapitel. Dort ist die Handlung auf das Wesentliche beschränkt und, je nach Buch, sogar allgemeingültig interpretiert. So spart man viel Zeit und kann in der nächsten Unterrichtsstunde gut mitreden. Aber Achtung: In der Klausur muss mit Ausschnitten aus dem Originaltext gearbeitet werden! Vielleicht schadet einmal querlesen dann doch nicht ... 5. Die Mailkrankmeldung Jahrelang hat man geübt, der Sekretärin am Telefon die perfekte Imitation eines von schlimmer Krankheit heimgesuchten Menschen zu liefern - und plötzlich wird die digitale Krankmeldung eingeführt. Bei vielen Schulen reicht es bereits, seine Abwesenheit mit einer E-Mail zu entschuldigen. Auch praktisch. 6. Copycat Für ein Schulreferat ist es heute eigentlich nicht mehr nötig, stundenlang Fachliteratur zu durchforsten. Oftmals reicht die im Internet gebotene Auswahl an Information aus - auch, um das Paper zum Vortrag zu erstellen. Beachte: Man sollte sich nicht ausschließlich auf das Copy&Paste-Verfahren verlassen und Veränderungen im Text vornehmen. Außerdem muss man darauf achten, dass mehr Quellen als nur "Wikipedia" genannt werden. Vielfalt ist hier wichtig, sagen die Lehrer. Alles andere könnte das Misstrauen der Lehrkraft bezüglich des Arbeitsaufwandes erwecken.
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so viel hat sich da nicht getan, nur der aufwand fürs schummeln hat sich verringert.
Purcell sagte:
Das Phänomen eines Studenten, der erst im Hauptstudium erstaunt feststellt, daß unsere Institutsbibliothek tatsächlich ja doch noch ein drittes Stockwerk hat (und sich dafür nicht einmal geniert), möchte ich an dieser Stelle ebenfalls ganz pauschal auf das Internet bzw. eine falsche Internet-Gläubigkeit zurückführen.
Ich nutze das Totholzlager meiner Uni ausschliesslich als Lernraum. Aber das liegt wohl auch am Studienfach.
01.09.2010 - 10:43 Uhr
air_kaviar
In der Schule hatten wir da sogar als Schüler drüber nachgedacht, Handys etc. im Unterricht zu verbieten...auch wenns spießig ist.
Wenn sollte jeder die Möglichkeit haben, jederzeit das Internet zu nutzen und der Unterricht darauf abgestimmt werden.
Teilweise sogar 1:1
"Wann war die Schlacht von Sempach? An welchem Tag hatte Goethe Geburtstag? Wie ist das Atomgewicht von Kobalt?"
Komisches Szenario.
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31.08.2010 - 22:39 Uhr
Cate81
Bei uns *damals* waren ja schon die die Tollen, deren Eltern überhaupt einen Computer hatten.