31.08.2010 - 18:30 Uhr

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Wie das Web meine Schulzeit verändert - zehn Beobachtungen

Text: sophie-mathiesen

Über Schüler, die mit dem iPhone unter der Bank die Antworten auf Lehrerfragen googeln und die Wahrheit hinter dem Copy&Paste-Prinzip: Unsere Autorin erzählt, wie das Web den Schulalltag wandelt

1. Mister Wichtig Ein paar Mitschüler gibt es, die meinen tatsächlich alles auf ihrem Laptop mittippen zu müssen, anstatt zu Stift und Papier zu greifen. Sieht furchtbar wichtig aus, ist aber nebenbei unheimlich nervig und wenn sie’s mal zugeben auch nicht unbedingt nötig. Viel Spaß außerdem in Geometrie, da zeig mal einer, wie geschickt er mit „Paint“ ist! Am liebsten würde man einen hungrigen Trojaner durch das Datensystem der Herren galoppieren lassen, auf dass alle abiturrelevanten Dateien genüsslich zermahlen werden. 2. Die gegoogelte Antwort Mal eben die Antwort auf die Frage des Lehrers mit dem i-Phone unter dem Tisch zu „googlen“ ist irgendwie ziemlich clever, aber irgendwie auch ziemlich unfair. Den Luxus können sich schließlich nicht alle leisten. Gute mündliche Noten gibt es trotzdem - wenn man sich nicht erwischen lässt. 3. Neue Ausreden Jeder hat Internetzugang. Das wissen auch die Lehrer und stellen immer häufiger Recherche-Hausaufgaben, die man schon mal mit der Entschuldigung vergessen kann, das W-Lan habe gestreikt oder der Hund habe die zehnseitige Arbeit ganz einfach in Form eines USB-Sticks gefressen. Praktisch. 4. Das ganze Buch oder die Zusammenfassung? Die ganze Nacht darauf verwenden, noch kurzfristig für den Deutschunterricht den kompletten „Faust“ durchzuwälzen? Es geht einfacher, auf „Wikipedia“ steht die Zusammenfassung der Kapitel. Dort ist die Handlung auf das Wesentliche beschränkt und, je nach Buch, sogar allgemeingültig interpretiert. So spart man viel Zeit und kann in der nächsten Unterrichtsstunde gut mitreden. Aber Achtung: In der Klausur muss mit Ausschnitten aus dem Originaltext gearbeitet werden! Vielleicht schadet einmal querlesen dann doch nicht ... 5. Die Mailkrankmeldung Jahrelang hat man geübt, der Sekretärin am Telefon die perfekte Imitation eines von schlimmer Krankheit heimgesuchten Menschen zu liefern - und plötzlich wird die digitale Krankmeldung eingeführt. Bei vielen Schulen reicht es bereits, seine Abwesenheit mit einer E-Mail zu entschuldigen. Auch praktisch. 6. Copycat Für ein Schulreferat ist es heute eigentlich nicht mehr nötig, stundenlang Fachliteratur zu durchforsten. Oftmals reicht die im Internet gebotene Auswahl an Information aus - auch, um das Paper zum Vortrag zu erstellen. Beachte: Man sollte sich nicht ausschließlich auf das Copy&Paste-Verfahren verlassen und Veränderungen im Text vornehmen. Außerdem muss man darauf achten, dass mehr Quellen als nur "Wikipedia" genannt werden. Vielfalt ist hier wichtig, sagen die Lehrer. Alles andere könnte das Misstrauen der Lehrkraft bezüglich des Arbeitsaufwandes erwecken.
7. Mailverkehr mit Lehrern Beim E-Mail-Verkehr mit Lehrkräften sollte man prinzipiell vorsichtig sein. Es gilt: Eher weniger Smileys verwenden und sich mit Chatsprache zurückhalten. (Also nicht „XOX“ sonder „Liebe Grüße“ senden.) Im Anhang ist auf ältere Dateiformate wie „.pdf“ oder „.doc“ zurückzugreifen. Kann der Empfänge die Datei nicht öffnen, liegt die Schuld im Zweifelsfall beim Absender. 8. Parallelsurfen So ziemlich jede Schule ist heute mit PCs ausgestattet, die zu Unterrichts- und Recherchezwecken genutzt werden. Oft arbeitet die Klasse eine ganze Schulstunde vor dem Bildschirm, damit jeder Einzelne noch vor Unterrichtsende seine Mitschüler über ein ihm aufgetragenes Thema informieren kann. Zu einem Drittel wird die Stunde hierbei auch in die Informationssuche investiert. Die anderen zwei Drittel gehören Online-Games. „Facebook“ und „Lokalisten“ sind meistens gesperrt. Leider. Wichtig sind zwei Sachen, falls der Lehrer kommt: Parallel immer eine geeignete Vorzeige-Website offen halten und auf jeden Fall den Ton ausstellen. Dann kann beim Parallelsurfen wenig schief gehen. 9. Fuck, morgen ist Klausur! Zuhause kann man seinen Mitschülern über das Internet jederzeit Fragen zu den Hausaufgaben stellen oder aus ihrer Statusmeldung ablesen, wie gut sie auf die kommenden Prüfungen vorbereitet sind. Diese Form der Kompetenzeinschätzung des Banknachbars ist praktisch. Liest man bei „Facebook“ etwa „Fuck, morgen Matheklausur!“, ist das für das eigene Gewissen ungemein beruhigend. Aber es ist noch lange kein Grund, den „Gefällt mir“-Button zu drücken, denn spätestens jetzt sollte man selbst anfangen zu lernen. 10. Der bessere Klatsch Überhaupt heißt Online-Sein Up-To-Date-Sein. Schulpartys, Beziehungsdramen, Urlaubsfotos, schlechte Noten, neue Haustiere - wir posten alles. Ob das auch immer interessant ist, ist allerdings eine andere Geschichte. Die Autorin Sophie Mathiesen ist 17 Jahre alt und macht gerade ein Schülerpraktikum in der jetzt.de-Redaktion.


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DontMindMyDoubles
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Mag ich Mag ich nicht

6

31.08.2010 - 18:42 Uhr
DontMindMyDoubles

ältere Dateiformate wie „.pdf“ oder „.doc“

wat

wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

0

31.08.2010 - 18:50 Uhr
wollmops

DontMindMyDoubles sagte:
ältere Dateiformate wie „.pdf“ oder „.doc“

wat

.docx halt.

Purcell
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Mag ich Mag ich nicht

1

31.08.2010 - 19:07 Uhr
Purcell

Die aufgeführten Punkte kann man zu 98% auch auf die heutige Uni übertragen.

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Mag ich Mag ich nicht

2

31.08.2010 - 19:09 Uhr
Purcell

Das Phänomen eines Studenten, der erst im Hauptstudium erstaunt feststellt, daß unsere Institutsbibliothek tatsächlich ja doch noch ein drittes Stockwerk hat (und sich dafür nicht einmal geniert), möchte ich an dieser Stelle ebenfalls ganz pauschal auf das Internet bzw. eine falsche Internet-Gläubigkeit zurückführen.

wollmops
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0

31.08.2010 - 19:15 Uhr
wollmops

@Purcell
Andererseits möchte ich den Graduierten sehen, der nicht entzückt ist, wenn er Sekundärliteratur bei google-books findet. Kann man per Suchfunktion durchscannen, ohne den Quatsch erst durchblättern oder, Gott behüte, lesen zu müssen.
Und wenn ein Lehrer es nicht schafft, seinen Schülern klarzumachen, daß man vom "Faust" nichts hat, wenn man die Zusammenfassung bei wikipedia liest, dann ist a) der Lehrer schlecht oder b) der Schüler doof oder c) der "Faust" vielleicht heutzutage nicht mehr uneingeschränkt geeignet als Schullektüre ...

drolli
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0

31.08.2010 - 19:15 Uhr
drolli


ältere Dateiformate wie „.pdf“


PDF ist mitnichten "aelter" im sinne von veraltet. Schliesslich benuetzt man ja heute nicht mehr PDF1.0. Ausserdem kommt alles andere meiner Erfahrung nach auf die eine oder andere Tour geschreddert an. Am besten natuerlich PDF/A; wuerde ich fuer die Schule eh vorschlagen.

Purcell
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0

31.08.2010 - 19:24 Uhr
Purcell

@wollmops: Das meinte ich damit, daß Internet falsch benutzt werden kann. Klar sind die Vorteile digitalisierter Werke enorm. Aber man kann manchen Studenten tausendmal erklären, daß gemeinhin via Google nicht alle wichtigen Aspekte für ein Referat oder eine Seminararbeit erfaßt werden können, 20% beschränken sich trotzdem darauf. Weil die copy&paste-Funktion und die Möglichkeit, alles vom eigenen Schreibtisch aus zu erledigen, natürlich ungemein verführerisch ist.

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2

31.08.2010 - 19:24 Uhr
Purcell

(Nebenbei, ich mache gerade den Sarrazin: Habe keine Prozentzahlen, erfinde mir aber welche, die keiner widerlegen kann)

alces
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2

31.08.2010 - 19:27 Uhr
alces

Purcell sagte:
(Nebenbei, ich mache gerade den Sarrazin: Habe keine Prozentzahlen, erfinde mir aber welche, die keiner widerlegen kann)

Oh, sag' noch schnell was mit Jehova!

wollmops
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2

31.08.2010 - 19:27 Uhr
wollmops

Na gut, der Student, der nicht kapiert, daß eine fachrelevante Bibliographie (gibt es auch online!) ihn weiterbringt als google ...







... dem sollte man das vielleicht gar nicht verraten. Weizen, Spreu, und so.

Cate81
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0

31.08.2010 - 22:39 Uhr
Cate81

Ha ha!
Bei uns *damals* waren ja schon die die Tollen, deren Eltern überhaupt einen Computer hatten.

ThomasCrown
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0

01.09.2010 - 09:23 Uhr
ThomasCrown

heute gibts wikipedia, früher gabs die interpretations"hilfen" von reclam. so what? und ob man nun spickzettel oder ein iphone unter der bank hat, unterscheidet sich auch nur im finanziellen aufwand.

so viel hat sich da nicht getan, nur der aufwand fürs schummeln hat sich verringert.

air_kaviar
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01.09.2010 - 10:41 Uhr
air_kaviar

Purcell sagte:
Das Phänomen eines Studenten, der erst im Hauptstudium erstaunt feststellt, daß unsere Institutsbibliothek tatsächlich ja doch noch ein drittes Stockwerk hat (und sich dafür nicht einmal geniert), möchte ich an dieser Stelle ebenfalls ganz pauschal auf das Internet bzw. eine falsche Internet-Gläubigkeit zurückführen.


Ich nutze das Totholzlager meiner Uni ausschliesslich als Lernraum. Aber das liegt wohl auch am Studienfach.

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0

01.09.2010 - 10:43 Uhr
air_kaviar

Aber interessant zu sehen, wie sich die Schule durch neue Medien verändert. Bei uns waren Referate aus dem Netz etwas bahnbrechend neues. Aber auf Altavista etwas tatsächlich passendes zu finden war eine enorme Kunst. (Abi 2000 war das.)

nelo
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01.09.2010 - 10:47 Uhr
nelo

ich finds nett geschrieben.

ThomasCrown
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01.09.2010 - 10:53 Uhr
ThomasCrown

warum kommt im text eigentlich powerpoint nicht vor?

miaaa
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01.09.2010 - 12:35 Uhr
miaaa

ausnahmslos richtig!

afreiy
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01.09.2010 - 22:46 Uhr
afreiy

Die mit den iPhones unter dem Tisch sind die Schlimmsten.
In der Schule hatten wir da sogar als Schüler drüber nachgedacht, Handys etc. im Unterricht zu verbieten...auch wenns spießig ist.
Wenn sollte jeder die Möglichkeit haben, jederzeit das Internet zu nutzen und der Unterricht darauf abgestimmt werden.

la_seduzione
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02.09.2010 - 16:42 Uhr
la_seduzione

Hattet ihr euch solche, die immer Lehrer's Liebling waren, obwohl sie nur Abschnitte aus dem Schulbuch zum Unterricht beigetragen haben.

Teilweise sogar 1:1

wollmops
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02.09.2010 - 16:45 Uhr
wollmops

Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, was ein iPhone unter dem Tisch nützen soll. Also, in einer Klassenarbeit schon, klar. Aber im Unterricht? Welcher Lehrer sitzt den vorn und stellt Wissensfragen?

"Wann war die Schlacht von Sempach? An welchem Tag hatte Goethe Geburtstag? Wie ist das Atomgewicht von Kobalt?"

Komisches Szenario.

la_seduzione
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02.09.2010 - 17:23 Uhr
la_seduzione

Spätestens bei schwierigen Klausuren fliegen solche obercoolen Smartphone-User/Googler gewaltig auf die Fresse...

Man kann sich natürlich auch weiterhin selbst betrügen..


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