Rap-Rendezvous. Wir hören neue Platten mit Aphroe
Text: daniel-schieferdecker
Jeden Monat plaudern wir mit einem Vertreter aus dem HipHop-Kosmos über fünf aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Aphroe über die Neuerscheinungen von Nas & Damian Marley, Eminem, Drake, Eko Fresh und Die Beleidiger.
Aphroes aktuelle Album-Top-Five:
Mayer Hawthorne - "A Strange Arrangement"
Am Splash-Wochenende musste ich wegen stimmlicher Probleme zwei Tage mit einem Inhalationsapparat im Hotelzimmer hocken und habe daher kaum etwas vom Festival mitbekommen. Mayer Hawthorne habe ich allerdings sehen können, und das war großartig.
Nas & Damian Marley - Distant Relatives
Siehe oben. Favourite-Track: “Patience”.
The Roots - How I Get Over
Die Platte ist sehr catchy. Ich liebe aber auch ?uestlove und den Flow von Black Thought. Ihren musikalischen Freigeist haben The Roots zwar auch schon mal besser ausgelebt, aber die Platte berührt mich. Ein gutes Album.
Hypnotic Brass Ensemble - "Hypnotic Brass Ensemble"
Eine instrumental agierende Bläser-Combo, die bekannte Tracks von Art Of Noise, MF Doom oder Outkast covern. Richtig geil.
John Robinson & Lewis Parker - "International Summers"
Ein geiles rawes Rap-Album. Ein bisschen schwer, aber mit einer sehr guten Energie. Ähnlich gut wie das neue Rakaa-Album „Crown Of Thorns“.
Aphroes Alltime-Album-Top-Five:
Gang Starr - "Daily Operation"
Meine Definition eines perfekten HipHop-Albums. DJing, Beats, Knowledge, Rap, super Stimme und ein einfacher, aber doch verstrickter Flow – da passt alles. Die Platte war die Erleuchtung für mich.
A Tribe Called Quest - "Midnight Marauders"
Obwohl eigentlich das „Low End Theory“-Album für mich prägender war, lief seit der Zeit, als „Midnight Marauders“ rauskam, kein komplettes Album in Gänze länger in meinem Walkman (Anm. der Red.: Mobiles Abspielgerät für Audiokassetten). Perfekte Verschmelzung von Sampling & Rap.
Eric B. & Rakim - "Let The Rhythm Hit ‘Em"
Ebenfalls war es bei Rakim zwar der Song “Paid in Full” vom ersten Album, der mich in den holländischen Radio-Mixshows der späten Achtziger früh erwischte, aber erst dieses Album hier punktete komplett und zwar durch das Wechselbad von Maschinengewehr-Raps auf instrumentalen Marschbefehlen und Rakims mächtiger Stimme auf absolut hypnotischen Tracks.
Main Source - "Breakin’ Atoms"
Das war nicht nur die lyrische Geburtsstunde von Nas (“Live at the BBQ”), die Platte war mit Stücken wie “Looking at the Frontdoor” auch voll von tanzbaren Bangern für den Club, als ich diesen endlich betreten durfte. Das Album hat mir aber auch die Metapher im Rap näher gebracht. “A Friendly Game Of Baseball” steht stellvertretend für die verschlüsselte Botschaft. Und ohne zu wissen warum, hat mir der allgegenwärtige Blaxploitation-Flavour von Large Pro damals schon sehr zugesagt.
Diamond D & The Psychotic Neurotics - "Stunts, Blunts And HipHop"
Ein Meilenstein ich Sachen Coolness. Ich kenne kein zweites Album, auf dem so cool, mit einer solchen Inbrunst und Wordpower geflowt wurde – aber immer relaxed. Ich glaube, der Sound von DITC hat sich auf diesem Album grundlegend manifestiert. Die Tatsache, dass Diamond D das Album hauptsächlich produziert und selbst berappt hat, hat mich zur Verzweiflung getrieben. Ebenso der Fakt, dass es damals nur als CD erschien und erst Jahre später als Vinylbootleg verfügbar war.