30.07.2010 - 18:30 Uhr

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Das Problem mit dem Jungen, der sich immer gleich verliebt.

Text: wlada-kolosowa

Anna und Matthias waren ein Jahr lang zusammen, seit einem Jahr sind die beiden getrennt. Die neue Folge der Schlussmach-Kolumne.

Matthias, 24, erzählt: Solange ich mich erinnern kann, war ich immer verliebt. Das ist bei mir der Normalzustand, eine Liebe geht fließend in die andere über, manchmal überlappen sie sich. Was Gefühle angeht, bin ich einspurig. Ich glaube, das ist bei Mädchen anders. Ihr Freund ist wie eine Erkennungsmelodie – mal leiser, mal lauter, aber immer da. Selbst wenn sie fremdgehen, selbst wenn sie fremdverknallt sind, verstummt diese Melodie nie ganz. Das ist bei mir anders. Als Anne kam, verstummte meine damalige Freundin. Und Anne klang automatisch leiser, sobald mich ein neuer Song einnahm. Ich weiß, ich kann sagen was ich will. Ich werde mich in dieser Geschichte immer anhören wie ein Arsch. Vielleicht hätte ich mich tatsächlich mehr bemühen können. Aber wie kämpfst du gegen Gefühle an? Klar, Verzicht wäre der erste Schritt gewesen, aber was hätte es gebracht? Kurz nachdem wir zusammen gekommen sind, haben Anne und ich darüber geredet, was schlimmer wäre: Sex mit anderen, wenn man sich dabei den Partner vorstellt, oder andersrum – sich körperlich treu bleiben, aber mit einem imaginären Dritten im Bett. Ich dachte lange nach und sagte: ersteres. Anne sagte ohne zu zögern: natürlich das Zweitere. Was hätte ich denn machen sollen? Nach ihrer Definition hätte ich sie so oder so betrogen. Anne sagte: Die Liebe ist kein Wunder, die Liebe ist eine Charaktereinstellung. Es reiche nicht, auf das perfekte Gegenstück zu warten, man müsse sich dazu erziehen, dran zu bleiben. Aber das glaube ich nicht. Ich denke, irgendwann wird eine Frau kommen, da geht das von ganz allein. Bei Yvonne, bei Katharina und ja, auch als ich damals meine Freundin mit Anne betrog – ich glaubte tatsächlich jedes Mal, diese Frau gefunden zu haben. Das ist sie, die Eine, dachte ich dann für den Moment. Wenn ich sie jetzt gehen lasse, werde ich es mir nie verzeihen. Nach ein paar Wochen wurde mir meistens klar, dass der unverzeihliche Fehler war, die alte Freundin sitzen zu lassen. Ich vermisste Anne dann ganz schrecklich, wie sie morgens Lärm machte und türkischen Kaffee. Ich vermisste ihre Wohnung, die viel gemütlicher war als meine. Ich vermisste die klugen Gespräche und wie ihre Bodylotion roch. Mir wurde dann bewusst, was ich an ihr habe, wie gütig und nachsichtig sie war. Ich weiß auch nicht, wie sie es so lange mit mir aushielt. Anne ist eine tolle Frau, sie hätte jeden haben können. Es war nicht so, dass sie bei mir blieb, weil sie Angst hatte, allein zu sein. Diese Angst, die hatte wohl ich. Seit ich 16 bin, lebe ich mein Leben zu zweit. Ich weiß gar nicht, wie es ist, nur auf mich selbst aufzupassen zu müssen. Das schlimmste dabei ist: Jemanden zu verletzen, für den du dich verantwortlich fühlst. Ich tat nie etwas hinter Annes Rücken und sagte immer, was in mir vorging. Es tat mir jedes Mal weh, ihr weh tun zu müssen. Was ich machte, war grausam. So ein Mensch wollte ich nie sein. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich aus dieser Spirale von Schuldgefühlen ausbrechen musste. Wenn es mir so schwer fiel, bei Anne zu bleiben, dann musste ich mir wohl eingestehen, dass sie nicht diese Eine war. Ich liebte sie noch immer. Ich funktionierte nicht ohne sie. Aber irgendwann musste ich ja lernen, wie das geht. Am Anfang war das unheimlich schwierig. Ich ging sogar Umwege, um nicht an ihrer Haustür vorbei gehen zu müssen. Anne wohnte ja nur zwei Straßen weiter. Die schnelle Lösung wäre gewesen, zu klopfen und es neu zu versuchen. Anne würde mir noch eine Chance geben. Ich habe mich damals für eine Lösung entschieden, die weh tut aber dafür hält. Darauf bin ich immer noch stolz. Ich habe den Teil in mir wiedergefunden, den ich damals an Anne verloren hatte. Heute fühle ich mich auch ohne Freundin ganz. Anne und ich sind immer noch sehr gut befreundet. Sie hat wieder einen Freund. Ich habe die Eine noch nicht gefunden.
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.