28.07.2010 - 13:43 Uhr

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M o n d u n t e r g a n g

Text: realityShift

Was Gerd Namungton beobachtet hatte, widersprach so ziemlich allen physischen Gesetzen, an die sich das Universum während der letzten fünfhundert Milliarden Jahre gehalten hatte. Bis sie ihn aufspürten, hatte er nicht geglaubt, dass seine Beobachtung dieses Universum betraf. Er hatte sie für einen kurzen Blick in ein fremdes Universum gehalten, der ihm, und zwar nur ihm, von den Substanzen geschenkt worden war. Nun hatte sich der scheinbare Traum als harte Realität erwiesen. Das Phänomen war offensichtlich in bestimmten Kreisen bereits seit längerem bekannt. Die wenigen, die davon wussten, unterlagen strengster Geheimhaltung. Seit Gerd zum erlauchten Kreise der Beobachter gehörte, hatte sich sein Leben in einen Agentenfilm verwandelt. Sie hatten ihn entführt und schotteten ihn in diesem Hochsicherheitstrakt von allen anderen Menschen ab. Nicht, dass er jemanden vermisst hätte. Auch behandelten sie ihn nicht schlecht. Sie gaben ihm zu Essen, wann immer er danach verlangte. Gut, sie sprachen kaum mit ihm, außer, wenn sie ihn in ihrem barschen, zackigen Ton verhörten. Aber so sind sie eben, die Militärs. Und das war ihm eigentlich ganz recht. Schließlich war auch er kein Mann vieler Worte. »Sind sie sicher, dass das alles war?« Gerd hob den Kopf und starrte auf die Orden, mit denen die Brust des Obermackers, der da breitbeinig vor ihm stand, dekoriert war. »Zumindest diesen Orden und Sternchen nach zu urteilen muss er der Obermacker sein«, dachte Gerd. Er hatte keine Ahnung von militärischen Rängen und Dienstgraden. »Ja, das war alles«, erwiderte er. »Nun gut. Wir werden sie zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal befragen, wenn die Konzentration der Substanzen in ihrem Blut etwas niedriger geworden ist.« Der Obermacker kehrte ihm den Rücken zu und verließ mit gewichtigen, stolzen Schritten den Raum. Gerd war es leid, hier herumzusitzen. Er erhob sich und sah sich um. Sein Blick suchte nach etwas Ablenkung. Aber da war nichts. Der Boden und drei Wände des Verhörzimmers waren weiß gekachelt, die vierte Wand bestand aus einer großen, schwarzen Scheibe. »Dahinter stehen die anderen Obermacker und beobachten mich«, dachte Gerd. »Wie im Film. Klar.« Die Decke des Raumes war schwarz. Bedrückend. Die einzigen Gegenstände bestanden aus einem einem schlichten, weißen Tisch und zwei Stühlen. »Alles genau geplant. Alles seinem Zweck entsprechend eingerichtet.«, dachte er. »Die Glasscheibe, hinter der sie dich beobachten. Keine Gegenstände im Raum, damit du nicht abgelenkt wirst oder irgendetwas davon als Waffe gebrauchen kannst. Die schwarze Decke drückt dich förmlich runter, und die weißen Fliesen sind so steril, dass kein Gedanke daran hängenbleiben kann.« Gerd durchschnitt den Raum mit hektischen Schritten. »Wer hier längere Zeit alleine ist, muss verrückt werden.« Langsam stieg Angst in ihm hoch. »Halten die mich hier fest? Oder kann ich…« Vorsichtig näherte er sich der Tür. Sie war ebenfalls weiß. Doch bevor er seine Hand auf die Klinke legen konnte, kam ihm jemand von der anderen Seite zuvor und drückte sie herunter. Gerd schreckte zurück. Schnell fing er sich und versuchte, einen möglichst gelassenen Eindruck zu machen. Eine junge Frau betrat den Raum. »Ich bin Eva«, stellte sie sich vor und streckte ihm die Hand zur Begrüßung hin. »Gerd Namungton«, erwiderte er murmelnd. Die Frau trug einen weißen Ärztekittel. Ihr langes blondes Haar war perfekt gekämmt und floss gleichmäßig und glatt ihren schlanken Rücken entlang. »Sie ist sexy«, dachte Gerd. »Aber nicht hübsch. Sie wirkt so streng und unnatürlich… diszipliniert, karrierebewusst, zielstrebig und total von sich eingenommen. Genau die Art Frau, die ich nicht leiden kann. Sofern ich überhaupt welche leiden kann… Ob sie ohne diese strenge schwarze Kunststoffbrille wohl etwas sanfter aussieht? Diese Brille ist eine Maske. Der Kittel ihre Tarnung…« »Ich bin die Psychologin hier am Institut«, unterbrach die Frau Gerds Gedankenfluss. »Wir werden jetzt ein Gespräch führen. Setzen wir uns«, sagte sie. »Ihre Stimme ist genau so glatt und streng wie ihre Aufmachung.« Diese Stimme duldete keinen Widerspruch. Gerd ging zum Tisch. Er nahm sich vor, seine Phantasie anzuregen, indem er sich die strenge glatte junge Tussi nackt vorstellte. »Sie haben also an dem fraglichen Abend Drogen konsumiert?«, fragte sie ihn. »Woher wisst ihr das?« »Empirische Beobachtung«, antwortete sie trocken. »Sie haben mich beobachtet?« Gerd war aufgebracht. »Wie lange schon?« Seine Hände begannen zu zittern. »Ich stelle die Fragen, lieber Herr Namungton. Beruhigen sie sich. Ihr Konsum verbotener Substanzen steht hier nicht zur Debatte. Unser Interesse ist rein wissenschaftlich und dient einzig und allein der empirischen Forschung.« »So aalglatt und selbstbewusst… dabei hat sie doch nicht die geringste Ahnung.« Gerd fühlte eine ohnmächtige Wut in sich aufsteigen. »Also, Herr Namungton, welche Art von Substanzen haben sie an jenem Abend konsumiert?« »Pilze. Und Bier.«, antwortete er kurz. Die Tussi machte zwei Kreuze auf dem Bogen, den sie so in der Hand hielt, dass Gerd ihn nicht einsehen konnte. »Was schreiben sie da?« »Ich fülle ihren Profilbogen aus, um ihn mit den anderen zu vergleichen. Sie haben also Pilze konsumiert. Psychoaktive Substanzen.« »Ja. Das habe ich ihnen doch gesagt.«, antwortete er verbissen. »Gut. Sie leben alleine?« »Das wissen sie doch offensichtlich schon alles. Warum fragen sie mich noch?« Sie hakte einen weiteren Punkt auf ihrem Formular ab. »Pflegen sie regelmäßigen Kontakt zu Verwandten oder Freunden?«, fuhr sie sachlich fort, ohne auf seine Bemerkungen einzugehen. »Nein. Und wenn sie es genau wissen wollen: Ich lebe in meiner kleinen Wohnung in diesem Asozialenviertel wie ein Einsiedler. Meinen Eltern passt mein Lebensstil nicht. Freunde habe ich keine, weil mich Menschen nicht interessieren. Das einzige, was ich tue, ist im Wald wandern, Pilze sammeln und Bier trinken.« »So genau brauche ich es nicht«, sagte sie. »Aber danke. Gehen sie einer geregelten Arbeit nach?« »Was denken sie denn?« Gerd lächelte zynisch. »Klar, ich bin Vorstandsvorsitzender eines Weltkonzerns.« Die Tussi machte ein weiteres Kreuz. Es war unmöglich, sich diese Frau nackt vorzustellen. Die Tür öffnete sich und die Orden traten mit stolzem, gewichtigen Schritt an den Tisch. Der Obermacker beugte sich zu der Tussi hinunter und schaute auf das Formular. »Und? Was Neues?«, fragte er. »Noch nicht. Aber ich habe bisher nur das Profil für den Vergleich mit den anderen erstellt. Der Rest ist ihre Sache.« »Wenigstens ist sie zu ihm genauso kühl wie zu mir«, dachte Gerd. »Und wie sieht es bei ihnen aus?«, fragte die Tussi den Obermacker. »Alle Hände voll zu tun. Haben wieder ein paar neue reinbekommen.« Ungläubig schüttelte sie ihren Kopf. Fast zu perfekt floss das glatte Haar über ihre Schultern. »Der Macker ist wenigstens unrasiert. Aber sie sieht aus wie aus Plastik.« Die Tussi stand auf und verließ den Raum. »Also, Herr Namungton, ihre Blutwerte dürften sich soweit normalisiert haben.« Der Obermacker setzte sich. »Erzählen sie mir bitte noch einmal genau, was sie an jenem Abend beobachtet haben.« »Das habe ich doch bereits.« Gerd war erschöpft. Dieser ekelhafte Raum machte ihn fertig. »Ich würde es aber gerne noch ein weiteres Mal hören. Wir müssen schließlich feststellen, inwieweit ihre Beobachtungen real waren, und welche Teile davon auf den Konsum der Substanzen zurückzuführen sind.« »Sie sind gut. Wenn ich das wüsste… bis die Agenten in ihren schicken schwarzen Anzügen vor meiner Tür standen, dachte ich auch, es wäre alles ein Trip gewesen.« Gerd hatte keine Lust mehr auf Verhöre. »Wer bin ich eigentlich, dass sie mich hier festhalten und verhören? Woher kommt dieses Interesse? Und wie lange beobachten sie mich schon?« »Beantworten sie bitte meine Fragen.« Der Obermacker rieb sich das gerötete Gesicht. Er sah übermüdet aus. »So eine wichtige Uniform. So viele Orden. Und doch nur ein Mensch.« Gerd witterte seine Chance. »Nein!«, sagte er mit Bestimmtheit. »Ich will wissen, was hier los ist. Wenn sie mich weiter in diesem Raum festhalten, drehe ich durch!« Der Obermacker starrte ihn aus kalten, zusammengekniffenen Augen an. Für einen Moment dachte Gerd, er sei über das Ziel hinausgeschossen. Sein Herz schlug schneller. Gleich würde der Obermacker einen anderen Macker zu Hilfe holen, und dieser andere Macker würde schlimme und schmerzhafte Dinge mit ihm anstellen. »Nun gut. Ich werde ihnen etwas zeigen. Vielleicht sind sie ja dann bereit, mit mir zu reden.« »Puuh!« Erleichtert atmete Gerd aus. »Ihr Profil entspricht dem der anderen Beobachter. Leuten wie ihnen glaubt sowieso kein Mensch.« Der Obermacker stand auf. »Was soll das heißen, Leuten wie mir? Wer ist da noch? Wer sind die anderen?« »Kommen sie«, winkte er und ging mit gewichtigen, nicht mehr ganz so stolzen Schritten zur Tür. Der Raum, den sie betraten, war groß wie eine Halle. Eine Laborhalle. Er war ebenfalls weiß gefliest, doch die zahlreichen Tische mit Instrumenten, die an den Wänden aufgereihten Bahren und die vielen, hektisch umherlaufenden Menschen dämpften seine Sterilität etwas. Sie trugen Laborkittel, wirkten gestresst und riefen sich gegenseitig von allen Seiten unverständliche Fachausdrücke zu. Einige standen in Gruppen und diskutierten angeregt. Es herrschte Chaos. Die Wissenschaftler, oder was auch immer sie waren, wirkten ratlos. Und genau diese spürbare Ratlosigkeit verlieh dem Raum eine menschliche, beinahe warme Atmosphäre. Zumindest empfand Gerd es nach dem langen Aufenthalt im Verhörzimmer so. Doch was taten all diese aufgebrachten Menschen hier? Vom ersten Eindruck überwältigt, versuchte Gerd, seine Gedanken zu ordnen. Die meisten von ihnen standen um die Bahren herum. Ja, es waren Bahren. Mit weißen Tüchern abgedeckte Tragbahren. »Kommen sie, Herr Namungton. Ich will ihnen etwas zeigen«, winkte der Obermacker ihn heran. Die weißen Laborkittel machten bereitwillig Platz. Sie waren beschäftigt wie ein Haufen Ameisen. Keiner von ihnen sah ihn oder den Obermacker an. Gerd trat an die Bahre. Der Obermacker lüpfte das weiße Tuch und legte einen Körper frei. Er war klein wie ein Kind von etwas zehn Jahren, von der Gestalt her jedoch unförmig, die Gliedmaßen dürr, wie verkrüppelt. Seine Haut war von einem gräulichen Weiß, seine Augen riesig, tiefschwarz und ohne jeden Ausdruck, wie die überdimensionalen Augen eines Insekts. Der Anblick des kleinen, toten Körpers überraschte Gerd. So etwas hatte er nicht erwartet. Dennoch schockierte er ihn nicht, noch rief er irgendwelche Gefühle, die man beim Anblick eines toten Körpers erwarten mag, in ihm hervor. Zu fremd, zu unmenschlich war die Erscheinung. »Sind dies alles…?«, stotterte er und deutete auf die anderen Bahren. Der Obermacker nickte. »Was ist das? Wer sind sie?« »Das wissen wir noch nicht. Um es herauszufinden, führen wir all diese Untersuchungen durch. Aber sehen sie, welche Kreise es zieht?« Der Obermacker deckte den Körper wieder zu. »Dies alles hat mit meiner Beobachtung zu tun?«, fragte Gerd ungläubig. »Nun, wir machen diese Untersuchungen bereits seit längerem. Ob und wie sie mit dem Phänomen in Zusammenhang stehen, versuchen wir derzeit herauszufinden. Offenbar haben nur Menschen wie sie es bisher zu Gesicht bekommen.« »Menschen wie ich? Was meinen sie?« »Nun, alle Zeugen, die wir bisher vernommen haben, entsprechen ihrem Profil. Alleinstehend. Eigenbrötler ohne soziale Bindungen. Regelmäßiger Konsum psychoaktiver Drogen. Zum Zeitpunkt der Beobachtungen standen alle bisher vernommenen Zeugen unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen.« Gerd konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. »Haben sie denn schon einmal…? Ich meine, sie wissen vermutlich nicht, wie das ist. Man sieht alle möglichen Dinge auf so einem Trip. Und sie entführen und verhören die ganzen Drogis und denken, wir hätten im Trip irgendwelche Staatsgeheimnisse beobachtet…?« »Sie finden das offenbar lustig, Herr Namungton. Aber die Lage ist ernst. Immer häufiger kommt es zu Auffälligkeiten. Etwas scheint aus den Fugen zu geraten. Und seltsamerweise beobachtet ihr ‘Drogis’ zu verschiedenen Zeitpunkten alle das gleiche Phänomen. Dasselbe, welches wir mit unseren Apparaten messen können. Anscheinend öffnen die psychoaktiven Substanzen so etwas wie einen Wahrnehmunskanal, durch den das Phänomen sichtbar wird.« Der Obermacker sah Gerd eindringlich an. »Sie müssen uns helfen, dem auf den Grund zu gehen, Herr Namungton. Und zwar, indem sie uns alles bis ins kleinste Detail erzählen.« Im dunklen Wald fand Gerd sich wieder. »Sie haben mich ausgesetzt. Einfach so ausgesetzt. Nachts im Wald.« Er rappelte sich auf und klopfte sich die nassen, fauligen Blätter von der Kleidung. »Diese Schweine! Aber der Obermacker hat es ja gesagt. Leuten wie mir glaubt sowieso niemand etwas. Erst recht nicht so eine Story.« Gerd kannte den Wald. Oft ging er hier spazieren. Es war nicht weit bis zu seiner Wohnung. Er griff in die Hosentasche und fand ein winziges, trockenes Krümelchen. »Wenigstens etwas.« Vorsichtig legte er den Krümel auf seine Handfläche, leckte ihn auf und kaute intensiv auf ihm herum, um möglichst viel davon zu haben. Dann machte er sich auf den Heimweg. Nicht lange, da sah er schon die Lichter der Hochhäuser. Nur noch wenige der Wohnungen waren beleuchtet. Wie spät mochte es wohl sein? Gerd besaß keine Uhr. Er trat in die Tristesse der Trabantenstadt, die sein Zuhause war. »Wenigstens funktioniert in diesem Teil noch die Straßenbeleuchtung.«, dachte er. Er liebte und hasste sein Viertel. Vor allem des Nachts rief der Schein der Straßenlaternen auf dem dunkelroten, abgenutzten Pflaster Melancholie in ihm hervor. Eine Melancholie, die von ganz tief unten kam. Ob die anderen Bewohner sie wohl auch spürten? Wahrscheinlich nicht. Es war seine Melancholie. Seine ganz persönliche Interpretation dieses Viertels. Die Fassaden der Hochhäuser, die sich um die betonierten Gestaltungsversuche öffentlicher Plätze gruppierten, bestanden aus dunkelbraun gestrichenen Eternitplatten. Um die Eingänge herum hingen sie zerbrochen von der Wand oder lagen auf dem Boden, die Eingänge selbst waren dunkel, voller Müll und strömten Uringeruch aus. Nackte graue Litfaßsäulen, die niemand mehr brauchte, waren mit Parolen besprüht. Ein paar Sträucher mickerten zwischen Flaschen und Scherben in ihren Einfassungen herum. Raum, von Menschen für Menschen gestaltet. Waren sich die Architekten der Wirkung der von ihnen entworfenen Räume bewusst? Wussten sie, dass genau diese öffentlichen Räume, dieses dunkelrote Pflaster, das Dämmerlicht der Laternen, das dunkle Kackbraun der Fassaden, die grauen, einsamen Litfaßsäulen, der Charme des Kaputten, in Gerds Psyche eine Melancholie erzeugten, die ebenso traurig wie schön, ebenso inspirierend wie tödlich sein konnte? Architektur, gestalteter Raum, kann eines der schlimmsten Verbrechen sein. Und doch immer die Heimat von irgendwem. Manche haben keine Wahl. Sie müssen ihr Viertel lieben, auch wenn sie es hassen. Ihre Heimat. Sie haben keine zweite. Traurig schritt Gerd zwischen den Häusern entlang, hielt auf das U-förmige, kackbraune Sozialbaumonster zu, in dem sich seine Wohnung befand. Noch einmal wendete er sich um und blickte durch die Gasse zwischen zwei Häusern auf den Wald, aus dem er gekommen war. Da war es wieder. Zum zweiten Mal sah er das Phänomen. Der volle Mond stand zwischen den Häusern und tauchte den Wald in milchiges Licht. Gerd sah ihn zweimal. Zwei Monde. Einmal in normaler Größe, einmal vergrößert, wie durch ein Fernrohr. Kontinente und Landschaften waren mit bloßem Auge zu erkennen. Gebannt blieb er stehen und beobachtete das Schauspiel. Mit der Zeit erschienen Planeten, immer mehr Planeten, und sie begannen, um den riesigen, blutroten Mond zu kreisen. Immer schneller und wilder… Als würden sie tanzen. Gerd fühlte, dass diese Beobachtung seine war. Die wilde, apokalyptische Schönheit des Schauspiels gehörte nur ihm. Eine Lied stieg in ihm auf. »It’s the end of the world as we know it, and i feel fine…« Gerd sah, dass auch die Erde in diesem seltsamen Reigen um den blutroten Mond herum kreiste. Immer wilder kreisten die Planeten, gerieten aus ihren Bahnen, verloren die Kontrolle, tanzten freudig, tollkühn, sehnsüchtig, rauschhaft, wie in Ekstase. Eine Hälfte der Erde war schwarz verkohlt. War sie der Sonne zu nahe gekommen?


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