27.07.2010 - 18:30 Uhr

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"Die wollen hier nicht weg"

Text: dirk-vongehlen - und Mercedes Lauenstein; Illustrationen: on3

Wie ist der junge Bayer so? Das junge Programm des Bayerischen Rundfunks "on3" hat in einer Studie die fünf Prototypen eines bayerischen Jugendlichen ermittelt. jetzt.de stellt sie vor und spricht mit den Machern der Studie

on3 ist das das Jugendprogramm des Bayerischen Rundfunks mit einer Dependance im Radio und im Internet. Die Macher des Senders haben am Dienstag eine Studie präsentiert, für die 508 Jugendliche in Bayern zwischen 15 und 25 Jahren befragt wurden. Sie nennt sich Dein 2020 und herausgekommen sind dabei unter anderem die fünf Grundtypen eines bayerischen Jugendlichen. Wir stellen diese fünf Typen hier vor und sprechen außerdem mit Reinhard Röde, einem der Organisatoren der Jugendstudie. 1. Geerdet: Die „Heimspielerin“ (Anteil: 28 Prozent)
Die jungen Bayern vom Typ der „Heimspielerin“ sind patent und haben ihr Leben voll im Griff. Kinder und/oder Partnerschaft sind ihnen ebenso wichtig wie Fleiß und Pflichtbewusstsein. Traditionelle Werte und moderne Ansichten gehen ein buntes Patchwork ein. Die hohe Integration in ihr persönliches Umfeld zahlen sie mit Kontaktfreude und Engagement in lokalen Organisationen zurück. Personen aus den Medien spielen für sie eine untergeordnete Rolle. Mit fast zwei Dritteln weist dieser Typ den höchsten Frauenanteil auf. Ihr Veränderungspotenzial für 2020 ist eher gering einzuschätzen. Die „Heimspielerin“ hat ihren Platz in der Gesellschaft gefunden und wird weiter ihren Weg machen. Vor Veränderungen in ihrem Leben ist ihr nicht bange. Der Song, der zur Heimspielerin passt: La Brass Banda - "Natalie" *** 2. Verwurzelt: Der „Heimatcowboy“ (Anteil: 26 Prozent)
Kein anderer Typ ist mit der Region so verbunden wie die verwurzelten „Heimatcowboys“. Diese Verbundenheit wird aber nicht gleichgesetzt mit einer hohen Wertschätzung gegenüber institutionellen Vertretern (Schule, Kirche, Politik). Im Gegenteil: Dieser Typ will sich keine Vorschriften machen lassen und meidet deshalb den Kontakt zu Institutionen. Auch ist er deutlich passiver als der Geerdete. Primäres Ziel für ihn ist es, sich unabhängig zu machen und sich ins Private zurückzuziehen („Cocooning“). Überdurchschnittlich ist der Anteil formal geringer Gebildeter unter den Verwurzelten. Hier dürften bis 2002 größere Veränderungen als bei den Geerdeten einsetzen. Auffällig - im Vergleich zur geerdeten „Heimspielerin“ - sind die weniger ausgeprägten familiären Bande. Mit einer eigenen Familie wird dieser Typ sich den Herausforderungen gesellschaftlicher Verpflichtungen stellen (müssen). Der Song, der zum Cowboy passt: Paul Kalkbrenner - "Sky and Sand" oder Deichkind "Arbeit nervt" *** 3. Engagiert: Die „Hobby-Heldin“ (Anteil: 16 Prozent)
Tatkräftiger Einsatz für eine Sache, die ihnen wichtig ist, zeichnet den Typ der engagierten „Hobby-Heldin“ aus. Diese jungen Männer und Frauen leben im Hier und Jetzt und planen deutlich weniger als die anderen Typen ihre Zukunft. Auch räumlich zeigen sie eine hohe Flexibilität. Mobilität ist ein Ziel, nicht Besitz oder Prestige und das „Haus am See“. Zwei Drittel dieses Typs zählen zu den jüngeren Befragten (15 bis 20 Jahre), drei Viertel haben Abitur oder streben dies an. Kein anderer Typ weist ein nur annähernd vergleichbares Bildungsniveau auf. Insofern dieser Typ berufstätig ist, stehen inhaltliche Ansprüche an die Arbeit stark im Vordergrund. Ihre Fixiertheit auf die Gegenwart macht es (auch für sie selber) schwierig, ihre zukünftige Entwicklung zu prognostizieren. Sind ihre derzeitige Aktivität und ihr Engagement von Erfolg gekrönt, kann sich dies positiv auf die Zukunft auswirken. Bei Misserfolg sind auch Frustration und die Neu-Orientierung an anderen Werten vorstellbar. Der zur Hobbyheldin passende Song: Manu Chao - "Por El Suelo" *** 4. Selbstbezogen: Die „Hedonistin“ (Anteil: 18 Prozent)
Im Gegensatz zu den Engagierten findet ein wie auch immer geartetes gesellschaftliches Engagement bei der selbstbezogenen „Hedonistin“ nicht statt. Die Selbstbezogenen wollen sich auch nicht auf Werte wie Toleranz, Respekt, Fairness oder Glaube festlegen lassen, sondern stellen ihr Streben nach dem eigenen Wohlergehen in den Vordergrund. Sie sind resistent gegenüber Trends und Vorbildern. In ihrer Ich-Zentriertheit haben auch Freunde und Familie weniger Platz. Die Bindung an ihre Region ist ebenfalls sehr schwach. Verantwortung im familiären oder beruflichen Bereich müssen sie bislang nicht tragen. Zwei Drittel der Selbstbezogenen sind jünger und ungebundener. Auch hier ist eine Prognose für das Leben 2020 schwierig. Die Übernahme von familiären oder beruflichen Rollen kann zu einer Modifizierung der bisherigen Lebenseinstellungen führen - muss es aber nicht. Kate Yanai - "Summer Dreaming (Bacardi Feeling) *** 5. Trendorientiert: Der „Hipster“ (Anteil: 12 Prozent)
Der „Hipster“ ist aktiv, optimistisch, von sich selbst überzeugt und spricht von allen Typen den Medien die größte Rolle bei der Vermittlung von Vorbildern zu. Die „Hipster“ sind ähnlich materialistisch orientiert wie die selbstbezogenen „Hedonisten“. Auch sie streben nach Genuss, Luxus, Wohlstand und Macht. Um Anerkennung zu bekommen, sind sie gerne in Kontakt mit vielen Menschen und bereit, sich aus Gründen der Credibility für Andere einzusetzen - dies unterscheidet sie gravierend von den Selbstbezogenen. Über zwei Drittel dieses Typs sind Männer, die sehr viel Wert auf eine berufliche Karriere legen. Ebenso wie bei der geerdeten „Heimspielerin“ sind auch beim „Hipster“ eher wenig Veränderungen in der Zukunft zu erwarten. Es ist davon auszugehen, dass dieser Typ auch in der weiteren Adoleszenz die Meinungsführerschaft in seinem persönlichen Umfeld anstrebt und sich an Vorbildern aus dem medialen Bereich orientiert. Der zum Hipster passende Song: MGMT - "It's Working (Air Remix)" Sind durch diese Typen die bayerischen Jugendlichen charakterisiert? Findet man diese Typen auch im Rest des Landes? Wie kam es zu der Studie? Die Antworten auf diese Fragen findest du im Interview mit Reinhard Roede von on3.
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