20.07.2010 - 18:30 Uhr

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Spürst du schon was?

Text: maria-freilich - Foto: Jo. / photocase.com

Dicht sein ohne Drogen – geht das? Die Website "i-Doser" verspricht es zumindest. Wir haben es ausprobiert.

Menschen, die Drogen nehmen, leiden gewöhnlich an Folgeerscheinungen ihres Konsums wie Kater, schlechter Haut, Mundgeruch und Stimmungsschwankungen. Drogen können außerdem süchtig machen und sozial gravierende Folgen für den Abhängigen bedeuten. Solche unangenehmen Nebeneffekte haben dazu geführt, dass der Konsum von Drogen in den meisten Gesellschaften bis auf wenige Ausnahmen nicht toleriert wird. Was aber wäre, wenn man von Alkohol keinen Kater bekäme? Wenn Kiffen keine Matschbirne machen würde? Wenn Kokain nicht abhängig machen würde?

Nur mal angenommen: Musik würde dicht machen, und zwar nicht nur ein bisschen schummrig, sondern richtig breit. Angenommen, wir müssten uns nur einen Kopfhörer aufsetzen, ein spezielles Lied abspielen und nach zehn Minuten würde sich unser Zustand von müde auf wach, von traurig auf euphorisch, von schüchtern zu extrovertiert verändern? Wenn für das viel zitierte Lebensgefühl „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ nur noch genau eine Zutat nötig wäre, nämlich Rock’n’Roll?

Angeblich funktionieren „digitale Drogen“ genauso. Sie machen high, ohne Kater und irgendwelche anderen körperliche Nebenwirkungen. Alles, was man dafür braucht, sind ein Kopfhörer und ein paar Minuten Zeit. Ach ja, und eine Kreditkarte, ohne die geht es auch nicht. Die Firma i-doser bezeichnet sich als „the industry leader in binaural brainwaves audio doses“. An die 100 verschiedene Stimulanzen und Entspannungsmittelchen hat die Firma zu bieten: Von ganz simplen „Alcohol“ und „Rave!“ Halluzinogenen bis hin zu Sexdrogen wie „Multiple-O.“ Die drei beliebtesten Drogen sind „Orgasm“, „Peyote“ und „Marijuana“. Zwischen zwei und sieben US-Dollar kostet eine solche Dosis, die dann nach Freischaltung auf den Computer herunter geladen werden kann.

Hans Cousto ist Musikwissenschaftler und arbeitet für das Drogenaufklärungsprojekt „eveandrave“. Cousto hat selbst einmal Haschisch- und THC-Moleküle vertont. Dabei, sagt er, sei es aber eher um ein Kunstprojekt als ums Highwerden gegangen. „Es lassen sich mit Musik auf jeden Fall andere Zustände erreichen. Dazu müssen auf beiden Ohren leicht unterschiedliche Frequenzen abgespielt werden. Das Gehirn geht dann in einen niedrigschwellenden Zustand über – wie bei einer Meditation.“ Auch das i-Doser-High will bestimmte Gehirnregionen stimmulieren, in dem über beide Ohren leicht versetzte Töne gespielt werden. Dafür notwendig sind ein gut funktionierendes Paar Kopfhörer, Ruhe und eine entspannte Sitzsituation. Nach ein paar Minuten soll sich das High einstellen. Kann so etwas funktionieren?



Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, bleibt uns nichts anderes übrig, als es auszuprobieren. Im Internet tummeln sich viele „fake“-I-Doser-Videos, wie zum Beispiel dieses hier:



Wir aber wollen uns das Original besorgen. Zunächst stellen wir fest, dass unsere Hemmschwelle, digitale Drogen zu kaufen, wesentlich niedriger ist, als reale Drogen bei einem Dealer zu besorgen. Wir legen „Marihuana“, „LSD“ und den guten alten „Orgasmus“ (den kennt immerhin jeder) in den Einkaufswagen. Dafür gestaltet sich die Einnahme umso komplizierter: Um die I-Doses zu konsumieren, muss man einen speziellen Player herunterladen, der aber wiederum nur auf PCs und nicht auf Macs läuft. Zwei der eingekauften Dosen funktionieren nicht und rufen eine kryptische Windows-Fehlermeldung hervor. Das frustriert ein wenig, wir aber schieben das auf unsere eigene Unfähigkeit. Schließlich gelingt es, die Marihuana-Dose zu öffnen. Kopfhörer auf, Beine nach oben, Lehne zurück und Augen zu.

Der i-Doser beginnt mit einem hohen Geräusch, das am ehesten dem Grundton eines Telefons ähnelt. Es wabert ein bisschen hin und her, wird mal lauter mal leiser, mal höher, mal tiefer. Ein Rauschen kommt dazu, und dann später ein kleines Geklacker. Dieses ganze Tuuuut-klack-klack-tuuuut-tut ist, obwohl es mit jeglicher Form von Musik nichts zu tun hat, nicht unangenehm. Eigentlich, kann man nach einigen Minuten sagen, geht davon eine beruhigende Wirkung aus. Nach etwa zehn Minuten hat sich die Atmung beruhigt und der Körper fühlt sich entspannt an. Nach 30 Minuten kommt die Müdigkeit.

Nach 35 Minuten hat sich noch nichts eingestellt, was einem „Breitsein“ ähnelt. Dann ist die Marihuana-Dose leer. In der FAQ-Sektion auf der I-Doser-Website heißt es, es gebe drei Kategorien von Usern: Solche, die für die Wirkung von digitalen Drogen empfänglich seien, andere, die mehrere Versuche benötigen, um die Wirkung zu spüren und solche, bei denen die Töne überhaupt keine Effekte hervorrufe. Kurze Selbstvergewisserung: Ist Wolfgang Lübkes Frisur irgendwie wahnsinnig komisch? Ist die Zimmerpflanze zufällig „endsverspult“ vor? Ist überhaupt gerade alles viel geiler als sonst?

Leider nicht. Eigentlich ist überhaupt nichts anders, außer, dass das Pfeifen immer noch nachklingt, obwohl die Kopfhörer abgesetzt sind. Es hat sich nach grundlegender Prüfung der Sinne rein gar nichts verändert. Es könnte sein, dass ich als Testperson zu den leidigen 20 Prozent der Bevölkerung gehöre, die für das Lebensgefühl „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ weiterhin drei separate Substanzen benötigen. Es könnte auch sein, dass der i-Doser Blödsinn ist.


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wollmops
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Mag ich Mag ich nicht

2

20.07.2010 - 18:39 Uhr
wollmops

Schade!

melancholieunduebermut
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Mag ich Mag ich nicht

1

20.07.2010 - 18:58 Uhr
melancholieunduebermut

geldmacherei, das kann doch gar nicht funktioneren.

microgroove
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Mag ich Mag ich nicht

4

20.07.2010 - 19:27 Uhr
microgroove

1. setzt ein ernstzunehmender bericht zum thema eine menge erfahrung im bereich "breitsein" voraus. eine menge.
2. macht musik doch bekanntermaßen nur high, wenn man sie selbst macht.

cougarten
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7

20.07.2010 - 20:28 Uhr
cougarten

hat bei mir auch nicht getan und an LSD-artige Erfahrungen glaub ich da auch nicht. Die Technik an sich hat aber 'ne wissenschaftliche Grundlage (weiß nicht wie erprobt), lest selbst:

http://de.wikipedia.org/wiki/Binaurale_B...

(funst übrigens nur im Stereo mit Kopfhörern, eure eingebundenen mono-youtube links geben also nur einen Geschmack auf den Klang)

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Mag ich Mag ich nicht

7

20.07.2010 - 20:31 Uhr
cougarten

kurze erklärung wie ies tun soll:
rechts und links hört man wummern, beides läuft irgendwo im hirn zusammen und genau der unterschied zwischen dem rechten und dem linken gewummer macht sich dort als gehirnzellen-geblinke bemerkbar.

Je nach Gefühlslage blinken die hirnzellen von sich aus synchron in bestimmten frequenzen, durch das einspeisen des neuen beats versucht man so das gehirn auf die künstliche frequenz einzuloten.

Aporia
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5

20.07.2010 - 20:54 Uhr
Aporia

Geilo! Danke für die Erläuterung, @cougarten!

B00B
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Mag ich Mag ich nicht

0

20.07.2010 - 22:20 Uhr
B00B

° Und dann standen die 36 Vertragshäuser? In Originalton? + Emailiert?

Klunkerbell
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1

20.07.2010 - 22:29 Uhr
Klunkerbell

"and music can save your mortal soul"

Funktioniert das nur mit Kopfhörern oder auch mit Lautsprechern? Wäre praktisch für die Bullen, Hausbesetzern ne Ladung DMT über die Boxen verpassen zu können, dann könnten die alle rausziehen, ohne Widerstand zu erwarten, weil sich keiner mehr von denen, im eigenen Körper befinden würde.

marphine
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Mag ich Mag ich nicht

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21.07.2010 - 08:27 Uhr
marphine

ok, als halbseitig taube person bin ich raus aus der sache. aber ne interessante idee.

shafty
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Mag ich Mag ich nicht

1

21.07.2010 - 09:01 Uhr
shafty

tja, schade dass es nicht so richtig funktioniert.

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