16.07.2010 - 18:30 Uhr

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Senor Pezzi kauft global

Text: ulrike-schuster - Foto: privat

Per Online-Petition zu mehr Arbeitsrechten und Umweltgerechtigkeit in der Computerindustrie. Ein Interview

PC Global startete im Jahr 2008 die Kampagne Procure IT faire. Im Fokus der Arbeit steht der Kampf gegen Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in der Computerindustrie. Die öffentlichen Einrichtungen werden aufgefordert, beim Einkauf von Computern soziale und ökologische Mindestanforderungen zu berücksichtigen. Anfang Juli ist die deutsche Version des Kampagnenclips zur Online-Petition unter dem Titel "Señor Pezzi kauft global" online gegangen. Ein Interview mit Sara Bormann, Projektleiterin von PC Global.

Jetzt.de: Sarah, sind eure PCs sozial und ökologisch korrekt gekauft worden?
Nein. Leider gibt es noch keine Computer auf dem Markt, die beide Kriterien erfüllen und dementsprechend zertifiziert sind – anders als bei Textilien oder Lebensmitteln. Aber was möglich ist, versuchen wir zu tun, indem wir freie Software nutzen, energiesparsame Geräte kaufen und alte Computer nachrüsten bevor wir neue kaufen.

Sarah Bormann, Projektleiterin von PC Global

Woran liegt das?
Die IT Branche ist noch sehr jung, unterliegt kaum Auflagen und pflegt ein sauberes Image. Denkt man an das Silicon Valley – die Wiege der Industrie - assoziiert man damit High Tech, Fortschritt, Kommunikation, einen tollen Lebensstil und saubere Arbeitsplätze. Es ist keine Industrie mit rauchenden Schornsteinen. Es gibt keinen Druck irgendetwas zu ändern.

Dann geht es wohl weniger sauber zu. Wie ist es um die Wirklichkeit bestellt?
Die Produktion eines Computers benötigt giftige Chemikalien, sehr viel Wasser und 700 verschiedene Rohstoffe. Das Ergebnis davon ist oft Krieg, Wasserarmut, Umweltverschmutzung und ein hohes Gesundheitsrisiko für Arbeitnehmer und Anwohner.

Worum genau geht es in der Petition?
Wir kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen in den globalen Produktionsnetzwerken. Den großen Unternehmen wie Hewlett Packard, Dell, Fujitsu und anderen geht es nur darum, billiger als der Konkurrent zu produzieren und mehr Marktanteile zu bekommen. Dieser Unterbietungswettlauf wird letztlich auf die Beschäftigten in Niedriglohnländern abgewälzt. Dort werden vor allem junge Frauen und Migranten angestellt, was wiederum zwei Gründe hat: Frauen gelten als flexibel, zuverlässig und gewerkschaftsfern. Und ohne Gewerkschaften gibt es keine Organisation, die ihre Interessen vertritt und Druck ausübt. Migranten sind besonders geknebelt: Sie würden mit ihrer Arbeit automatisch auch ihr Aufenthaltsrecht verlieren. So fällt es dem Management nicht schwer, sie sechs bis sieben Tage bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten zu lassen und schlecht zu bezahlen.

Wozu sollen sich die Unternehmen dann genau verpflichten?
Zum einen sollen sie ökologisch korrekt produzieren. Das bedeutet, den Anteil von Schadstoffen zu reduzieren, Ressourcen effizient einzusetzen sowie Geräte zu bauen, die energieeffizient sind und auch noch nach Jahren repariert und aufgerüstet werden können. Bei der Auslieferung sollte auf das Verpackungsmaterial geachtet werden und am Ende des Lebenszyklus ein umwelt- und ressourcenschonendes Recycling garantiert werden. Zum anderen müssen bei der Herstellung Arbeitsstandards eingehalten werden. Dazu zählen das Recht Interessensvertretungen zu gründen und Kollektivverhandlungen durchzuführen. Die maximale Arbeitszeit muss begrenzt werden und Überstunden müssen freiwillig sein. Ganz wichtig sind auch, gesunde und sichere Arbeitsbedingungen und die Zahlung von existenzsichernden Löhnen.

Werden PCs dann nicht viel teurer?
Ja und nein. Die Löhne der Arbeiter sind insgesamt verschwindend gering und betragen nur wenige Prozent. Wirklich gute, menschenwürdige Arbeitsbedingungen würden aber durchaus die Lohnkosten erhöhen. Ob dies zu höheren Preisen führt, hängt aber letztendlich vor allem von der Profitrate des Unternehmens ab. Andererseits muss man sehen, dass durch ein Verzicht auf überdimensionierte PCs, weniger Stromverbrauch und längere Lebenszeiten auch unmittelbar gespart werden kann.



Und wie kommen nun die Universitäten mit ins Spiel?
Öffentliche Einrichtungen kaufen jährlich etwa ein Fünftel aller in Deutschland verkauften IT-Geräte. Dadurch haben sie eine ungeheure Marktmacht. Öffentliche Einrichtungen wie Universitäten haben rechtlich die Möglichkeit in einer Ausschreibung nicht nur die technischen Anforderungen zu definieren, sondern eben auch soziale und ökologische Kriterien aufzustellen. Dies ist letztendlich eine politische Entscheidung, die wir mit unserer Online-Kampagne von den Universitätsleitungen fordern. Auf eine solche Nachfrage, folgt ein dementsprechendes Angebot. So müssten sich die Unternehmen endlich bewegen.

Wie ist die Resonanz bisher?
Mit der Online-Petition haben wir bereits zirka 2000 Unterschriften gesammelt. Per Twitter, Blogs, Facebook, aber auch mit Unterstützung diverser Uni-Gruppen werben wir weiter.

Und dann?
Sobald wir 10.000 Unterschriften haben, starten wir eine europaweite Aktionswoche. In dieser übergeben wir die Petitionen an die Universitätsleitungen, die dann hoffentlich beschließen in Zukunft nicht mehr nur billige Computer zu bestellen, sondern auch soziale und ökologische Standards von den Herstellern fordern.

Führt der direkte Weg zu den Unternehmen nicht schneller zum Ziel?
Es ist wichtig auf unterschiedlichen Ebenen Druck aufzubauen und die Nachfragemacht ist hier ein wichtiger Hebel. Die Erfahrung zeigt ohne zivilgesellschaftlichen Druck bewegt sich nichts. Die Unternehmen haben zwar einen Verhaltenskodex für die Elektronikbranche abgeschlossen, den Electronic Industry Code of Conduct (EICC), dieser ist aber inhaltlich mangelhaft. Zudem ist er unilateral, das heißt er bindet weder Gewerkschaften noch andere Arbeitsrechtsorganisationen mit ein. Unternehmen, die diesen Verhaltenskodex unterzeichnen, unterliegen keiner effizienten Kontrolle. Letztendlich ist die Einhaltung des EICC freiwillig.


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Mag ich Mag ich nicht

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24.07.2010 - 17:44 Uhr
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Dort werden vor allem junge Frauen und Migranten angestellt, was wiederum zwei Gründe hat: Frauen gelten als flexibel, zuverlässig und gewerkschaftsfern. Und ohne Gewerkschaften gibt es keine Organisation, die ihre Interessen vertritt und Druck ausübt.


Wie ich schon dauernd sage. Das derzeitige gewerkschaftliche, arbeitskampfartige Lohnsystem ist frauenfeindlich und Betriebe nutzen die gewerkschaftsfreien Länder aus um Arbeitnehmer zu unterdrücken. Hier muss endlich was getan werden.

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