07.07.2010 - 18:30 Uhr

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Schluss gemacht: Franzi, Christian und das Ende per Skype

Text: wlada-kolosowa - Illustration: katharina-bitzl

Christian und Franzi waren zwei Jahre zusammen. Vor einem halben Jahr haben sich die beiden getrennt. In der dritten Folge unserer Kolumne erzählen beide vom schleichenden Ende und dem eigentlichen Grund hinter dem Grund.

Christian, 22, erzählt, wie die Liebe zuende ging: Dass ich fremdgegangen bin, war nicht einmal der Hauptgrund für die Trennung. Die ganze Situation war eine Akkumulation von Mist. Meinem Mist größtenteils, zugegeben. Ich will meine Schuld nicht klein reden, oder Franzi einen Teil davon aufschultern. Aber letztendlich war mein Betrug nur Symptom einer kränkelnder Liebe, der einen Abend mit zuviel Schnaps und Gras zum Ausbrechen brauchte. Und 18000 km Entfernung.
Als ich mit Caro im Bett landete, hatten Franzi und ich uns seit fünf Monaten nicht mehr gesehen. Sie studierte für zwei Semester in Australien und ich kam damit überhaupt nicht zurecht. Schon als sie die Bewerbung schrieb, hatte ich ganz schlechte Laune. Wir kannten uns seit der Schulbank und ich wusste: Was Franzi will, das kriegt sie auch. Und ich wusste auch, dass es ihr nie ausreden kann. Wenn sie etwas beschlossen hat, zieht sie es durch. Für mein „Gejammer“ hatte sie kein Verständnis. Stattdessen musste ich mir ständig anhören, dass ich sie in ihrer Entscheidung unterstützen muss. Schon bevor sie geflogen ist, hatte sie kaum Zeit für mich. Das Gegenteil von Langeweile Franzi ist immer unterwegs, immer von etwas getrieben, tausend Projekte, keine Sekunde Stillstand. Daran habe ich mich gewöhnt, habe sogar angefangen, Gutes daran zu sehen. Franzi puschte mich, steckte mich mit ihrer Energie an. Ich holte sie runter, wenn sie sich mal wieder zu viel aufgeladen hat. In den Wochen vor ihrer Abreise wurde es aber zu viel: Prüfungen, ihr Nebenjob im Tennisverein, Ehrenamt bei Rotkreuz, Taschepacken, Abschiedspartys. Ich wurde das Gefühl nicht los, nur ein weiterer Kalendereintrag für sie zu sein. Und ein lästiger dazu. Viele Beziehungen zerbrechen an Langeweile, an Alltagsroutine. Bei uns war es deren Abwesenheit. Manche Paare haben auf ihrer gemeinsamen Lebens-To-Do-Liste so etwas wie Bungeejumping oder Weltreise stehen. Meine ginge so: Wünsche mir eine ganz langweilige Woche, in der man gemeinsam einkauft, putzt, im Gras liegt und Wolken guckt. Und nicht nur fertig nebeneinander einschläft, nach einem Wettrennen gegen den Tag. Je länger Franzi weg war, desto mehr zweifelte ich daran, dass diese Woche jemals kommen würde. Zu Hause wurstete ich vor mich hin, trank ein bisschen zu viel, hangelte mich von Anruf zu Anruf. Bei Franzi war alles neu, alles toll, alles Plus. Bei mir war alles gleich, außer einem dicken Minus – minus Franzi: Franzi, die stundenlang von Australien schwärmte, aber mit keinem Wort erwähnte, dass sie mich vermisste. Sie war ja war noch nie besonders gefühlsbetont gewesen, das wusste ich. Als ich ihr einmal ein Silberkettchen schenkte, fragte sie nur: "Ist was passiert?" Aber das war okay so. Was mir eher zusetzte, war ihr Verhältnis zur Sex. Die Sache mit dem Sex In den zwei Jahren, in denen wir zusammen waren, habe ich sie kein einziges Mal nackt gesehen. Bis zur Unterwäsche durfte ich noch gucken, dann wurde immer Licht ausgemacht. Natürlich haben wir miteinander geschlafen, aber da war ständig dieses „Das mach ich nicht, das will ich nicht, setz mich nicht unter Druck.“ Ich habe richtige Komplexe bekommen, weil ich anfing zu denken, es liege an mir. Ich hatte mich ja sowieso schon immer gefragt, warum so ein tolles, schönes Mädchen mit so einem pummeligen Trottel wie mir zusammen war. Ich will mich ja nicht rechtfertigen. Aber vielleicht bin ich auch ein bisschen deshalb fremdgegangen, um mich vor mir selbst aufzuwerten. Über das Fremdgehen gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass es eine gute Freundin war und ich mich an wenig erinnern kann. Geschlafen haben wir nicht miteinander. Danach habe ich zwei Tage durchgepennt, habe keine Anrufe entgegengenommen, nichts. Sehr feige war das, ich weiß. Draußen brennt die Welt und du machst Fenster zu, legst dich ins Bett und hoffst, dass alles rum ist, wenn du aufwachst. Zuerst wollte ich alles verheimlichen. Wäre vermutlich auch klüger gewesen. Aber dann konnte ich einfach nicht mehr. Ich konnte es einfach nicht mehr für mich behalten. Es war nicht sofort Schluss. Franzi heulte, war wütend und verletzt. Sie gab mir aber eine zweite Chance. Ich versprach ihr, alles zu machen, um die Beziehung zu retten. Sie sagte: Dann ruf mich vorerst nicht an, ich muss erstmal darüber nachdenken, wie es mit uns weiter geht. Und genau das war das Einzige, was ich nicht einhalten konnte. Ich kann kaum glauben, dass ich alles mit eigenen Händen zerstört habe. Aber diese Ambivalenz hat mich damals ganz fertig gemacht. Ich rief betrunken an, pöbelte, verstrickte mich immer weiter. Franzi war immer meine wichtigste Vertraute gewesen. Und jetzt, bei dem größten Problem meines Lebens war sie nicht da. Sie war das Problem. Auf der nächsten Seite erzählt Franzi vom Ende der Liebe.
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.