03.07.2010 - 22:46 Uhr

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ACADEMISCHE ANECDOTE

Text: notan

An der Universität von Kosta Rica lehrt einer der wichtigsten Germanisten der Gegenwart. Der Umstand, dass er seine bahnbrechenden Artikel in einer Sprache und über eine Literatur schreibt, die er nur aus der Ferne kennenlernen durfte, ist nur eine untergeordnete Seltsamkeit, die mit seiner Person oft verbunden wird. Professor Ferdinand Richthofen, Sohn deutscher Auswanderer, ist eine Banane. Er hält seine Vorlesungen oft sitzend, wird aber auch manchmal von einem der Studenten in der Hand gehalten. So kann ihn jeder im Publikum verstehen. Er hat nämlich trotz seines Aussehens, eine laute, tiefe Germanistenstimme. Als er eines Tages den Hörsaal betrat und Anstalten machte vor der geladenen Studentenschaft seinen berühmten Vortrag über die Goethezeit zu halten, stand ein ganz kleiner und sehr junger Student auf und fragte den Professor auf Spanisch: „Herr Professor, bevor Sie beginnen, könnten Sie mir den Gefallen tun und diesen Namen, hmmm, Hö-lder-linn, an die Tafel schreiben?“ „Herzlich gern.“, brummte der Wissenschaftler auf Spanisch, drehte sich zur Tafel um und schrieb in schönen großen Buchstaben den Namen hin. Hülderlin. Doch kaum hatte er die kreide abgesetzt, spürte er einen ungeheuren Schmerz – er wurde vor geladenem Publikum verspeist.


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