01.07.2010 - 18:30 Uhr

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Nach dem Diplom kommt der Gerichtsvollzieher

Text: ulrike-schuster - Foto: privat

Ein Interview über den Boykott von Studiengebühren und die Konsequenzen, die dem Kunststudenten Max deswegen drohen.

Über 50 Studierenden der Hamburger „Hochschule für bildende Künste“ (HfbK Hamburg) steht die Pfändung ihres Eigentums bevor. Vollstreckungsbeamte suchten in den letzten 14 Tagen wiederholt Studierende in ihren Wohnungen auf, um ausstehende Studiengebühren einzutreiben. Der Auslöser für die eingeleiteten Vollstreckungsverfahren liegt in dem seit 2007 an der HfbK Hamburg laufenden Boykott der Allgemeinen Studiengebühren. Jetzt.de sprach mit dem 26 Jahre alten Maximilian Wondrak, der seit seinem HfbK-Abschluss in Berlin lebt.
Jetzt.de: Max, du hast von 2005 bis 2010 „Visuelle Kommunikation und Medien“ an der HfbK Hamburg studiert. Hast du das Studium als wertvoll empfunden? Max: Die Zeit an der Uni war als Lebensphase sehr wertvoll. Die Leute, die ich da kennengelernt habe, möchte ich nicht missen. Das Studium aber hätte nicht sein müssen. Hast du deshalb keine Studiengebühren bezahlt? Ich habe aus Prinzip nicht gezahlt. Kein einziges Semester. Meine Eltern haben mich zwar unterstützt - sie hätten sogar die Studiengebühren bezahlt – aber ich wollte das nicht. Ein Studium darf nämlich nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Es sollte nichts kosten und es muss für alle zugänglich sein. Das ist für mich ein Grundrecht. Ich hätte sonst niemals angefangen zu studieren. Warum nicht? Weil das Kunstdiplom für so viel Geld zu wenig wert ist. 5000 Euro für einen Abschluss zu bezahlen, mit dem ich letztlich nicht arbeitsmarkttauglich bin, ist einfach zu teuer. Stattdessen hätte ich eine Ausbildung mit weniger weltfremden Schwierigkeiten gemacht. Du hast drei Jahre lang keine Gebühren bezahlt. Bist du denn nicht exmatrikuliert worden? Nein, alles lief reibungslos. Ich habe jedes Semester meinen Semesterbeitrag von zirka 250 Euro bezahlt und dafür Fahrticket und die Immatrikulationsbestätigung bekommen, habe meine Diplomarbeit gemacht und mein Studium beendet. Und das, obwohl ich bei der praktischen Prüfung ein T-Shirt mit der Aufschrift „Hfbk, Danke für nichts“ als Ausdruck meiner Unzufriedenheit trug. Ich fühle mich von Seiten der Hochschulleitung allein gelassen, denn Sie hätte die Macht, die Studiengebühren zu kippen. Stattdessen droht sie den Studenten mit Exmatrikulation. Noch ist das aber eine rechtliche Grauzone. Der Boykott von Studiengebühren reicht noch nicht aus, um jemanden ohne weiteres zu exmatrikulieren. Deshalb hält sich die Hochschule nach innen hin bedeckt und lässt dann den Druck von staatlicher Ebene erfolgen. Warst du dir da schon immer so sicher? Hattest du denn nicht Angst plötzlich auf der Straße zu stehen? Natürlich hatte ich auch Bammel. Aber der AStA bezahlte zwei Anwälte, die uns rechtlichen Beistand gaben und sagten, wie wir uns verhalten sollen. Auch die wiederholten Mahnungen konnte ich mir nur dank dem AStA leisten. Wann fingen dann die Probleme genau an? Als die Hochschule den „Fall des zahlungsunwilligen Studenten“ zur Vollstreckung an die Kasse Hamburg übermittelte. Die Forderung bezog sich auf Studiengebühren für das Wintersemester 2007. Das ist drei Jahre her und außerdem hatte ich mein Studium schon längst beendet. Zunächst gab es etliche Mahnungen, dann Pfändungsankündigungen und letzlich fast täglich Besuche von Finanzbeamten. Allerdings habe ich die Türe nie geöffnet. Wären deine Sachen sonst gepfändet worden? Das Problem ist, dass ich nichts besitze, was zu pfänden wäre. Ich habe zwar einen Mac, aber das ist mein Arbeitsgerät. Der fällt ja dann wohl unter das Prädikat „unpfändbar“. Aber ich wollte es nicht darauf ankommen lassen, da ich auch noch eine Stereoanlage und DVDs besitze, die zwar nicht viel wert sind, mir aber immateriell sehr wichtig sind. Wie ging es dann weiter? Von einem Tag auf den anderen, war mein Konto – ganz ohne Vorwarnung – gesperrt. Das war auch noch ein Freitagabend. Also hatte ich ein Wochenende lang kein Geld zur Verfügung. Als ich am Montag zur Bank bin, waren 500 Euro weniger drauf – abgebucht von der Kasse Berlin. Wieso nun die Kasse Berlin? Ich bin zwischenzeitlich von Hamburg nach Berlin umgezogen. Ich dachte auch, dass damit die ständigen Forderungen und Mahnungsbescheide ein Ende hätten. Aber von der einen Kasse wurde die Forderung an die andere Kasse gesendet. Die geben halt nie auf! Und jetzt haben sie es sich ohne meine Einwilligung genommen. Wieso hast du keinen Einspruch eingelegt? Ich hatte einfach keinen Nerv mehr dafür. Und um die Zeit wäre es mir auch zu schade gewesen. Glaubst du es kommen noch weitere Forderungen auf dich zu? Ich erwarte es sogar. Womit verdienst du denn jetzt dein Geld? Ich versuche mein Geld als selbstständiger Künstler, Illustrator, Graphikdesigner und Filmemacher zu verdienen. Das reicht aber noch bei weitem nicht aus. Deshalb bin ich zusätzlich auf Hartz-IV angewiesen, um einigermaßen leben zu können. Bereust du das Studium im Rückblick? Das Diplom hat mir schon Türen geöffnet. Ob ich es ein zweites Mal machen würde, weiß ich nicht. Den Boykott habe ich immer als Experiment gesehen mit dem Ziel, so lange wie möglich durchzuhalten. Aber irgendwann kommt es dann doch zu einem Ende.


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dreamteam
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Mag ich Mag ich nicht

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06.07.2010 - 01:00 Uhr
dreamteam

Ich hab den Roten Daumen nicht verteilt, dir lieber eine Antwort geschrieben.

Aber ich hab ihn dir dennoch weggemacht ;-)

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Mag ich Mag ich nicht

0

06.07.2010 - 01:01 Uhr
dreamteam

Ich hab den Roten Daumen nicht verteilt, dir lieber eine Antwort geschrieben.

Aber ich hab ihn dir dennoch weggemacht ;-)

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Mag ich Mag ich nicht

1

06.07.2010 - 01:05 Uhr
dreamteam

Fänds ja eigentlich viel interessanter die absolute rot / grün Daumenanzahl zu erfahren,..

Dann weis ich wenigstens wieviele meinen Kommentar scheiße fanden und wieviele den Kommentar gut fanden.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

3

06.07.2010 - 01:31 Uhr
MorbusBahlsen

Aporia sagte:
Was für eine traurige und langweilige Welt wäre das, die nur von Wirtschaftlichkeitsgedanken geprägt wäre?

Ja, für die Abkehr von der Langweiligkeit sind Privatvermögen da, die es ja systembedingt unweigerlich gibt. Der Steuerzahler sollte schon ein Recht darauf haben, dass die allgemein zur Verfügung gestellten Mittel auch der Allgemeinheit dienlich sind. Das bedeutet nicht, dass Wirtschaftlichkeitsdenken des Staates einem Verbot von Kreativität gleichkommt. Ich sehe nur eben kein Recht auf Kunst, die keinen interessiert ("nicht arbeitsmarkttauglich").

famwofische
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Mag ich Mag ich nicht

0

09.07.2010 - 15:49 Uhr
famwofische

famwofische, 09.Juni

Eigentlich sollte eine Journalistin ihren Interviewpartner schützen und nicht bloßstellen. Dies insbesondere, wenn es sich um einen frisch gebackenen und wenig presseerfahrenen Absolventen handelt.

Viele Studenten aller möglichen Fachrichtungen empfinden ihr Studium dann, wenn sie in die Praxis, also das Arbeitsleben übertreten, zunächst als überflüssig und manchmal sogar als fehlerhaft oder irreführend. Hierfür ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis verantwortlich, die erste Frage hat sich also eigentlich erübrigt, die Antwort ist missverständlich dargestellt.

Das Kunststudium kostet weit mehr als 5.000 €, so müssen der entgangene Verdienstausfall sowie weitere Kosten über die Studiengebühren hinaus berechnet werden. So eine Aussage, die leider falsch ist, lässt man nicht unkommentiert stehen.

Es muss auch Gelegenheit gegeben werden zu erklären, warum die Studenten mit diesem Studium unzufrieden sind. Hier sehe ich übrigens Handlungsbedarf bei der Hochschule, die sich entweder darum kümmern müßte, das das von ihnen angebotene Studium nicht in die Arbeitslosigkeit führt, oder sich darum zu bemühen hat, dass ihre Diplomanden einen Weg in die Beschäftigung finden. Mit welcher Rechtfertigung wird sonst eine derartige Ausbildung angeboten?

Dass hier einige Studenten und Studentinnen versuchten, für Ihre Kommilitonen - und auch für sich - die Studiengebühren in Frage zu stellen, und ihnen außer dem Boykott keine andere Möglichkeit erfolgversprechend erschien, ist i. O. und eigentlich eine studententypische Aktion. Interessant ist hier, daß die Leitung der Hochschule zunächst lasch und später unberechenbar handelte. Eine rasche Entscheidung mit allen Kosequenzen wäre richtig gewesen. Jetzt plötzlich mit Pfändung zu reagieren ist ein zweifelhaftes und nicht nachzuvollziehendes Vorgehen.
Das gesamte Interview ist leider so angelegt, dass die eigentlichen Anliegen des Interviewten nicht erkennbar wurden. Von den Kommentatoren wird man dann schnell ungerecht behandelt und und sogar beschimpft. Das war kein guter Journalismus.

MorbusBahlsen
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Mag ich Mag ich nicht

0

09.07.2010 - 23:40 Uhr
MorbusBahlsen

Finde nicht, dass ein Journalist noch Kommentare zu einem Interviewtext dazuschreiben sollte. Ist ja auch kein Fachmann, was man ja bisweilen auch merkt. Wenn er das tut, dann sollte er mit direkten Folgefragen die Sache durch den Interviewten besser belichten lassen. Es soll ja auch ein Interview bleiben und kein Zitat-gespicktes Dossier. Wer von der Presse die volle Wahrheit erwartet ist sowieso kein guter Leser.

strikingback
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Mag ich Mag ich nicht

-2

14.07.2010 - 13:56 Uhr
strikingback

spread the word...

http://www.protesthandbuch.de.vu/

...and the "disease"

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