01.07.2010 - 18:30 Uhr

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Schluss gemacht: Basti, Charlotte und das tränensalzige Spaßbad

Text: wlada-kolosowa - Illustration: katharina-bitzl

Basti und Charlotte waren zweieinhalb Jahre zusammen und sind seit drei Jahren getrennt. In der zweiten Folge unserer Kolumne "Schluss gemacht" erzählen die beiden vom schleichenden Ende ihrer Liebe.

Basti, heute 26, erzählt: Zum allerletzten Mal Schluss machten wir im Thermalbad, das war vor drei Jahren. Es war Winter, Charlotte und ich stritten uns fast jeden Tag. Irgendwie dachte ich, warmes Wasser würde helfen. Aber dann zofften wir uns mitten im Strudelbecken, ganz endgültig. Das warme, salzige Wasser fühlte sich plötzlich so an, als würden wir in eigenen Tränen schwimmen. Irgendwann sagte der Lautsprecher, dass die Therme in dreißig Minuten schließen würde. Ich reizte die halbe Stunde aus, duschte kochend heiß, bis das Wasser abgedreht wurde. Ich glaube, ich habe mich noch nie so sauber gefühlt, und so unglücklich.
Charlotte wartete vor dem Drehkreuz auf mich. Sie sah aus wie 14 – mit saubergeschrubbtem Gesicht und ungestylten Schwimmbadhaaren. Sie war überhaupt nicht schön. Auf der Rückfahrt sagten wir kein Wort, starrten nebeneinander in die Nacht. Ich machte Erykah Badu an. Charlotte verstöpselte sich trotzig mit Kopfhörern. Vielleicht war das schon die Allegorie für unsere Beziehung: Gleiches Bild, unterschiedlicher Soundtrack im Kopf. Wir erlebten dasselbe, interpretierten es aber völlig unterschiedlich. Ich fand diese Rückfahrt trotz all dem Schmerz irgendwie auch schön. Mich fasziniert alles, was intensiv ist. Charlotte hat die Stunde bestimmt nur damit verbracht, sich aus dem Auto wegzuwünschen und mich vor der Erdfläche. Vielleicht hat sie auch gar nichts gedacht. Ich wette, heute erinnert sie sich bestimmt nicht einmal an diese Autofahrt. Vor ihrem Haus sagte ich, dass ich ihre Sachen noch diese Woche vorbei bringen würde. Irgendwie war es fast schon Routine. Drei Mal schnallte ich schon den riesigen Karton auf den Rücksitz, fuhr ihn zu Charlotte und dann wieder ungeleert zurück. Zusammen packten wir dann wieder ihre Haargummis aus, steckten die Zahnbürste zurück in den Zahnputzbecher und pinnten Fotos an die Korkwand. Und jedes Mal dachten wir: für immer. Das längste „Für immer“ dauerte immerhin fünf Monate, das kürzeste eine halbe Stunde. Wir haben uns damals mitten im Auspacken gestritten. Charlotte schmiss ihr Zeug zurück in die Box. Sie gehe jetzt sofort nach Hause! Allein! Zu Fuß! Mein Auto und meine Hilfe könne ich mir sonstwohin stecken! Aber dann hat sie die Box gerade mal zur Tür schleppen können, so schwer war die. Wir haben angefangen zu lachen, dann zu knutschten, dann… Mein Bett war ja nicht weit. So ist es doch mit der Liebe! Man kann nicht mit ihr, aber man kann auch nicht ohne. Charlotte sagte irgendwann, sie hielte das ewige Auf- und Ab nicht aus. Manchmal denke ich aber, sie hat einfach kalte Füße bekommen. In einem halben Jahr schrieb sie Abi. Sie wollte nach Hamburg oder Berlin. Ich war bereit, ihr hinterher zu ziehen, hätte einen neuen Job gesucht oder mich als Freelancer durchgeschlagen. Die Zeit um ihr Abitur herum war wie eines dieser Ja/Nein Kästchen in Baumdiagrammen. Hätte sie das damals das Ja-Pfad gewählt, hätten wir uns zusammen in der neuen Stadt eine Wohnung gesucht. Wir hätten das schon hinbekommen. Wenn du nach dem Streit nicht nach Hause zum Heulen gehen kannst, schluckst du Unzufriedenheit eher runter. Außerdem wären wir ruhiger geworden. Geübter darin, auch mal einzustecken. Ich bin mir sicher, hätte Charlotte es damals wirklich gewollt, wir würden heute zusammen über unseren Maximalismus von damals lachen. Als ich die Kiste zum vierten Mal zu ihr fuhr, machte niemand auf. Ich klingelte wie ein besessener, bis die Nachbarin von gegenüber den Kopf in den Türspalt steckte. Die Sippels seien weggefahren, ob sie die Kiste entgegen nehmen soll? Ich schüttete den Kopf, klammerte mich an den Karton, als würden sie ihn wegnehmen wollen. Drei Tage später kam ich wieder. Charlottes Mutter machte auf, bedankte sich, umarmte mich sogar. Reingebeten hat sie mich trotzdem nicht. Wir traten befangen von einen Fuß auf den anderen, jeder an seiner Seite der Türschwelle. Dann fuhr ich nach Hause. Was hätte ich schon groß machen sollen? Ich wollte damals lange nicht wahr haben, dass diesmal wirklich Schluss ist. Warum ausgerechnet jetzt? Klar, es fühlte sich schlimm und endgültig an. Aber das tat es die drei Male davor auch. Ich habe alles versucht: Blumen ins Briefkasten gesteckt, Briefe, Zeichnungen. Ich habe zu der Zeit geschrieben und gemalt wie ein Blöder. Hab sogar Preise dafür bekommen, aber das war mir egal. Damals dachte ich: Was bringt dir das größte Kunstwerk, wenn du das Talent verloren hast, jeden Tag so zu leben als sei er ein kleines? Heute bin ich nicht mehr so sicher. Auf der nächsten Seite erzählt Charlotte vom langsamen Ende einer großen Liebe.
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ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.