Jeden Monat plaudert jetzt.de mit einem Vertreter aus dem großen weiten HipHop-Kosmos über fünf aktuelle Rap-Veröffentlichungen. Heute mit Schu vom Blumentopf über die Neuerscheinungen von Declaime, Murs & 9th Wonder, Guilty Simpson, Die Firma und die HipHop Academy Hamburg.
Im 18. Jahr ihres Bestehens beweist die Band Blumentopf mit ihrem grandiosen neuen Album „Wir“ einmal mehr, wie man aus wenig viel, aus Freundschaft Musik und aus 15 Songs eine tolle Platte machen kann. Wer die Jungs bisher noch nicht auf dem Schirm hatte, kann sich von ihren Qualitäten derzeit auch nach jedem Spiel der deutschen Nationalmannschaft überzeugen. Dort gibt es nämlich die gereimte Nachberichterstattung in den bewährten RAPortagen.
„Wir“
Aber jetzt geht es los mit dem Rap Review Rendezvous und
Declaime - "Fonk"
jetzt.de: Welche Platte hat dir von den fünf denn am besten gefallen?
Schu: Mir hat das Declaime-Album am besten gefallen, dicht gefolgt von dem der HipHop-Academy. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich ein großer Declaime-Fan bin. Mir haben seine Produktionen mit diesen rumpelnden Beats immer schon zugesagt, mir gefällt seine Stimme, und sein Rap-Stil ist nicht so Standard. Allerdings muss ich zugeben, dass es auf Albumlänge irgendwann doch etwas langatmig ist.
Declaime ist ja nicht nur Rapper, sondern singt auch immer mal wieder, wie er vor allem unter seinem Dudley Perkins-Alter Ego beweist. Macht dieser Umstand die Platte für dich abwechslungsreicher oder sollte er sich lieber mehr aufs Rappen beschränken?
Wenn es nach mir ginge, sollte er sich lieber mehr aufs Singen beschränken. Der hat ja auch keine typische Singstimme, und das macht es interessant. Es gibt tausend Rapper, und technisch gesehen ist er da nicht gerade vorne mit dabei. Mit seiner Singstimme hebt er sich hingegen von vielen anderen Sängern ab. Ein reines Rap-Stück wie „Gangster“ ist definitiv auch cool mit geilen Textideen, aber wenn ich einen technisch guten Rapper hören will, dann lege ich keine Declaime-Platte auf. Sein Gesang unterhält mich mehr.
„Fame“
Auf viele Leute macht Declaime häufig einen etwas verkifften Eindruck. Verströmt „Fonk“ ebenfalls einen solchen Vibe?
Klar, aber ich mag dieses Gesamtpaket. Wenn jemand geil rappt, aber ansonsten eher so ein Hochglanz-Typ ist, dann bin ich weniger Fan davon, als wenn das dann auch noch so einen sympathischen Underground-Touch hat wie bei Declaime. Ich kann auf jeden Fall mehr Fan von Declaime sein als von der G-Unit.
In der Presseinfo zum Album heißt es: „The future is now, and ‘Fonk’ is its soundtrack.” Würdest du das so unterschreiben oder ist das übertrieben?
Nein, das ist Quatsch. In Platteninfos stehen oft Sachen drin, die zwar gut gemeint sind, aber gerne auch mal übers Ziel hinaus schießen. Dieser Boombap-Sound kommt zwar gerade ein bisschen zurück, aber da sind Leute wie Chiddy Bang oder The Cool Kids mit ihren elektronischen Einflüssen doch noch etwas weiter vorne dabei. Das mutet irgendwie fresher an.