21.06.2010 - 18:30 Uhr

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Mies aufgelegt - Bob Sinclar muss seine Platten angeln

Text: jonathan-fischer

Die besten DJs erzählen in dieser Rubrik von ihren schlimmsten Nächten. Diesmal galt es, die nächste Platte erstmal zu fangen, bevor sie auf den Teller konnte.

Mein miesestes Erlebnis als DJ? Das muss vor zehn Jahren bei einem Gig in Cap D'agde in Südfrankreich gewesen sein. Ich war in einen Club namens Amnesia gebucht, eine Open-Air-Disco, wo sich Bikini-Mädchen und Strand-Beaus abends zum tanzen treffen – und der DJ in seiner Kanzel direkt am Rande eines großen Springbrunnens thront. Gerade hatte der Kollege vor mir seine Schlussnummer angeworfen, ich bereitete mich gedanklich schon auf den Übergang vor und durchwühlte auf einem Mäuerchen meinen Plattenkoffer – als dieser plötzlich das Gleichgewicht verlor, sich zur Seite neigte und .... Platsch- atsch-atschschsch... ein Wasserfall von Platten sich in das Becken unter mir ergoss. Ich hatte ungefähr hundert Maxi-Singles eingepackt, die nun einen lustigen Papp-und Vinylhaufen im Brunnenwasser bildeten. „Merde! merde!! merde!!! Mir kam das alles unwirklich vor. Ich hätte lachen können und weinen zugleich. Vor allem aber: Es blieb kaum Zeit für Rettungsaktionen. Denn spätestens in drei, vier Minuten war ich dran. „Papierservietten! Alles was ihr habt!“ rief ich einem entgeisterten Barmann entgegen. Ich zog Schuhe und Strümpfe aus und fischte die nächstbeste Platte aus dem Wasser: Zuerst das Stück aus den nassen Pappfetzen schälen - und dann das Vinyl so gut wie möglich am eigenen T-Shirt abtrocknen. Mein übliches Set? Konnte ich vergessen. Stattdessen musste ich mit zitternden Händen auflegen, was ich so erwischte: „I Feel For You“ - einer meiner damals aktuellen TopTen-Hits. „One More Time“ von Daft Punk. Oder Stardusts „Music Sounds Better With You“. Auf der Tanzfläche blieb das Missgeschick weitgehend unbemerkt. Verwunderung bestenfalls, dass der DJ immer wieder barfuss in den Brunnen stieg. Zum Glück watete ich nicht lange allein herum: Mehrere mitfühlende Tänzer zogen mit mir meine Platten heraus, tupften sie mit Servietten ab. Und reichten mir jede wie ein Stück geborgenes Piratengold ans DJ-Pult. Puh! Alles nur Coverschäden! Und drei Kreuze, dass keine Album-Raritäten darunter waren! Am Ende verließ ich den Club mit einem nassen Koffer, hundert nackten Vinylplatten und einem T-Shirt, das nach Brunnenwasser und Angstschweiß roch.


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alsogingesweiter
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Mag ich Mag ich nicht

1

21.06.2010 - 20:14 Uhr
alsogingesweiter

Eigentlich find ich diese Rubrik ja ganz unterhaltsam, aber einen Kritikpunkt hätte ich doch:
Muss es jedes Mal, aber auch JEDES Mal mit der Einleitung

"Mein miesestes/schlimmstes/wasuachummerschlechte Erlebnis als DJ? Das muss vor _bitte Zeipunkt eingeben_ bei einem Gig in _wo auch immer_ gewesen sein."

Habt ihr da literarisch nicht mehr drauf, als jedes Mal die gleiche Einleitung wieder zu verwursten? Kann doch nicht so schwer sein, mal was anderes zu schrieben. Mittlerwiele weiß doch jeder, der das hier liest, worum es geht. Braucht es da denn überhhaupt noch so einen Einleitungssatz?
Geht nicht auch ein "vor x Jahren/im Jahr x in woauchimmer, das war echt mies, weil"
Wär wenigstens mal was anderes.

Diese Frage, und dann immer dieses "muss wohl gewesen sein".
Ganz ehrlich, da könnte ich schon nach zwei Sätzen kotzen und habe eigentlich keinen Bock mehr drauf, alles weitere zu lesen.
Fangt doch bitte mal anders an.
BITTE!!!

plastikfinken
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Mag ich Mag ich nicht

5

22.06.2010 - 12:40 Uhr
plastikfinken

vielleicht sollte man den djs mal stecken, dass die leser von jetzt echt verwöhnte germanistik-gourmets sind, die auch von plattenwechslern stilistischen pfiff erwarten.

alsogingesweiter
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Mag ich Mag ich nicht

1

22.06.2010 - 13:24 Uhr
alsogingesweiter

Meinst du wirklich, dass die DJs diese Texte selbst schreiben?
Und ganz zufällig fängt jeder Text von zig verschiedenen DJs gleich an?
Oder schreibt diese Texte eher ein Jonathan Fischer zusammen?
Und wenn ja, kann man dann von einem mehrfach augezeichneten Jornalisten nicht etwas mehr literarische Qualität und Kreativität erwarten?

eisengrau
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Mag ich Mag ich nicht

2

22.06.2010 - 13:28 Uhr
eisengrau

alsogingesweiter sagte:
Muss es jedes Mal, aber auch JEDES Mal mit der Einleitung

"Mein miesestes/schlimmstes/wasuachummerschlechte Erlebnis als DJ? Das muss vor _bitte Zeipunkt eingeben_ bei einem Gig in _wo auch immer_ gewesen sein."


Also diesmal ist die Einleitung relativ passend, denn der Club hieß ja Amnesia. ;-)

cougarten
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Mag ich Mag ich nicht

1

22.06.2010 - 13:58 Uhr
cougarten

coole Geschichte :)

jonathanfischer
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Mag ich Mag ich nicht

3

22.06.2010 - 14:09 Uhr
jonathanfischer

Als die Kolumne Mies aufgelegt ins Leben gerufen wurde, hatte ich mich als Autor mit der Jetzt-Redaktion auf einen standardisierten Einstieg geeinigt. Keine Frage: Das hat sich inzwischen abgenutzt und ich kann den Überfütterungs-Effekt (ob mit oder ohne Kotzen) nachvollziehen. Werde obige Kommentare als Anlass nehmen, um über eine freiere Form der Kolumne nachzudenken.
In diesem Sinne: Danke für die Sprachkritik!

alsogingesweiter
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.06.2010 - 14:17 Uhr
alsogingesweiter

Ist doch immer wieder interessant die Hintergründe für bestimmt Dinge im Leben kennenzulernen und wie sich die eigenen Ansichten dann ändern. Wenn das vorher so abgestimmt war, dann nehme ich meine Kritik an deinem Schreibstil natürlich zurück.
(Und auch das mit dem kotzen war sicherlich nicht sehr konstruktiv, da war ich etwas zu sehr ivon meine Emotionen leiten lassen. Dafür Entschuldigung!)

Wie gesagt: Inhaltlich finde ich diese Kolumne sehr unterhaltsam und interessant. Wenn jetzt noch der Einstieg etwas angepasst wird, freue ich mich schon auf die nächste Ausgabe!

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Mag ich Mag ich nicht

1

22.06.2010 - 14:20 Uhr
alsogingesweiter

(Gibt's hier immernoch keine Editierfunktion? Ist ja schrecklich, wenn man zu schnell auf speichern drückt, und dann noch nicht mal mehr seine Rechtschreibfehler korrigieren kann)

Aporia
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Mag ich Mag ich nicht

0

22.06.2010 - 18:33 Uhr
Aporia

Großartig wieder!


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jonathan-fischer offline

jonathan-fischer

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.

Jonathan Fischer