Stirnfalten
Floppy seufzte. Wo war Schnitzel bloß? In den letzten sechs Wochen hatte sie nicht nur 27.000 Plakate in ganz Schleswig-Holstein aufgehängt, sie hatte auch ebenso viele Tierheimkatzen unter die Lupe genommen und Schnitzels Bild in nicht weniger Internetforen gestellt. Ihr grauer Kartäuserkater blieb dennoch verschwunden. Ob er wohl noch lebte? Floppy wurde kalt. Nachdem ihm jetzt wochenlang niemand mehr Antidepressiva ins Futter getan hatte, war sie sich, was das betraf, gar nicht mehr sicher. Es gab hier schließlich viel zu viele Autos und Perverse, die lebensmüde Katzen für sich einsetzen konnten – und speziell Schnitzel war bei seinen bisherigen Suizidversuchen sehr einfallsreich gewesen. Und falls er noch lebte, schwebte Schnitzel zumindest in höchster Gefahr. Das hatte sie auf der Polizeiwache auch klipp und klar so gesagt, doch der zuständige Kommissar hatte erst sehr lange gelacht. Dann hatte er eine Belehrung verlesen, nach der es strafbar war, diensthabende Beamte mit kuriosen Nichtigkeiten von der Arbeit abzuhalten bzw. zu verarschen. „Aber, ich meine das ernst. Genau so ist es nämlich“, hatte Floppy protestiert. Die Falte, die sich auf der Kommissarenstirn abzeichnete, und die Kommissarenhand, die entschieden nach einem Bußgeldbescheid griff, hatten sie dann aber doch dazu veranlasst, erst vor der Wache zu fluchen. In der Redaktion hatte Grusche sie erst mitfühlend angeschaut und ihr einen Fenchel-Anis-Kümmel-Tee gemacht. Dann hatten sie Fotos geschossen. Das Model hatte sich spektakulär doof angestellt. Dauernd hatte es gekichert und die Haare geschüttelt. Er war Stunden vom Weinkrampf entfernt. „Jetzt mach halt. Stell dich nicht so saudumm an. Heul endlich“, hatte Floppy geherrscht. Der Indiejunge war einen halben Meter vom Sessel aufgesprungen und Grusche hatte eine tiefe Stirnfalte bekommen. Dann hatte sie Floppy empathisch an den Unterarm gelangt: „Hör mal Liebes, vielleicht gehst du besser nach Hause. Nimm ein schönes Bad, iss ein paar Oliven und dann ein paar Schlucke Martini, ja?“ „Nein. Das geht nicht. Wir müssen weiterkommen. Umsatz machen! Ich brauch doch einen Suchhubschrauber!!“ Grusche und das Model blickten entgeistert – der letzte Satz war wohl ziemlich gekreischt gekommen. „Wobei, Floppy“, fing Grusche wieder an, „vielleicht bleibst du auch ein bisschen länger daheim.“ „Aber …“ „Das ist ja jetzt nicht das erste Mal, dass das so läuft. Du pöbelst dauernd rum und verwackelst die Fotos. Und hey, das ist auch völlig okay, du.“ (Floppy hasste es, wenn man ihren Unterarm tätschelte.) „Mach doch einfach ein, zwei Wochen Urlaub und ich ruf mal Anna an, ja?“ - „Hey, nicht weinen, hm? Wir schaffen das schon.“ Und, zack, stand Floppy vor der Redaktionstür. Die zwei Wochen Seehundbabywatching an der Nordsee buchte sie dann in einem Anflug von Sarkasmus. Dreihundert Schnitzelsuchplakate nahm sie trotzdem mit.- Uhrenvergleich 09.03.2012
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(nein, das ist keine Schadenfreude, ich fühl mich nur so gut unterhalten... danke :-))
jurette_ sagte:
Grusche hat doch was mit dem Verschwinden von Schnitzel zu tun. Das ist klar wie Kloßbrühe.
Allerdings. In der SZ vom Samstag stand, daß Jung-Hipster neuerdings total auf Tierpräparate stehen ...








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19.06.2010 - 12:49 Uhr
octopussy
Unterarmtätscheln geht gar nich.