Stroke - Urban Art Fair - Gedanken.
Über die Woa fuck Art. ich verstehe nicht viel von kunst. am liebsten gehe ich in ein museum um die stille zu genießen. eine arbeitende stille, wenn ein bild so imposant ist, dass immer wieder geblickt und details entdeckt werden müssen. wenn sich falten, schatten und silhoutten erst im stillstehen offenbaren und der eindruck sich im stillschweigen entfaltet. oder wenn ein bild so unangenehm widerlich ist, dass einem die wörter im hals stecken bleiben - oder man diese erst finden muss. dann genieße ich die stille, beim verarbeiten dessen, was an der wand hängt oder den raum einnimmt, umrahmt in weiss und Distanz. Ich möchte mich annähern, intimes denken können, wenn sie mich berührt. für mich muss kunst stille erzeugen. ein museum muss still sein wie eine bibliothek. wenn das gehirn rattert, soll der mund ruhen. Meine geräuschphobische Eitelkeit ist auf der storke urban art fair fehl am platz. ein drunter und drüber auf drei stockwerken. Es läuft Musik,es wird live gesprayt, kunst kreiert, die Besucher drängen, streifen einander und über die Bilder und beim bestaunen bilden sich trauben. 55 Künstler, über 1000 Werke. Wer genügend inspiriert oder überfordert wurde, gönnt sich ein kleines, rundes Tegernseer beim zusammenstöpseln von Legosteinen an den großen Lego "Playgrounds". Dort sind auch die Exponate der Street-Art Künstler, die aus Lego-Steinen "mit etwas Kreativität echte Kunstwerke" erschaffen haben sollen. Meine Kreativität scheitert und ich baue etwas, das einem Auto ähnelt. Ganz entfernt, aber das soll so sein. Die Legomanie scheint nicht von ungefähr zu kommen. In vielen Bildern verschiedener Künstler sind Dinge aus den 80ern motiviert. Mr.T von Das A-Team, David Hasselhoffs Nightrider - allesamt vermischt mit diversen Kunststilen. 80ies Synthiepop mit Jay-Z und Aretha Franklin, unterlegt mit fettem Technobeat: "mash-up" wie es in der Musik heißen würde. Alles womöglich eine Verarbeitung der Kindheit? Der Jugend? Einige Bilder scheinen deswegen pubertär hingerotzt, aus Trotz gegenüber denen, die allzu gerne "brotlose Kunst" sagten. Das Bild einer Ratte mit offenen Eingeweiden regt jemanden hinter mir an "woa fuck" zu sagen. Das trifft so ziemlich alles. Das ist die ausgesprochene Stille, das gemiedene Verarbeiten des Eindrucks, die bequeme Verpackung des sperrigen Inhalts, die eine Urban-Art Messe trennt von einer Vernissage zu Käse und Weisswein. An jedem Stand wartet der Künstler und kann auf seine Authentizität geprüft werden. Ist er der Schaffer dieser unverständlichen Farbkleckse, ist er der wahre Leidende hinter diesem masochistischen Treiben in Graphit, "ist" er sogar das Monster mit den Hörner und den Hufen in der Dunkelheit? Sie sind alle da, sitzen, lachen, rauchen und leiden, wenn nicht in real, dann in Öl auf Canvas. Nur Leiden ist authentisch, nur Angst, Furcht, Wut. So scheint es zumindest hier zu sein. Es wird geschrien, gespuckt und gewütet. Der Künstler, der Scheier, Spucker, Wüter scheint selbst zu verarbeiten und überlässt dem Betrachter nur wenig. Viele Bilder antworten zu viel als dass sie Fragen aufwerfen. Einer Frau, deren auseinandergerissene Beine ihre Vagina freilegen, wird der Mund zugehalten und über ihr hängt ein Jesus Kreuz. Mir ist, als würde ich einen Zeitungsartikel lesen. Eine andere Frau in T-Shirt, bedeckt ihre Scham mit einem Tiefkühlhühnchen. Dieses Bild unter vielen anderen mit Menschen und Tiefkühlhühnchen und einem echten Tiefkühlhühnchen das an der Wand festgemacht vor sich hin tropft, erreiche ich zu spät. Nach hunderten von Werken, ist meine Aufnahmefähigkeit am Ende und ich schweige ohnehin. Nach so viel sehen, ordnen, prüfen und woa fuck sagen, möchte ich nur noch Bausteine zusammenklotzen - statt Stille das Rascheln der Legostücke hören. Kein Bild hat eine Distanz aufgebaut, die ich überbrücken wollte. Kein Bild wollte mich entdecken lassen. Kein Bild mich verführen, berühren oder aufrütteln. Fast zufällig erlebe ich mit, wie eine Mutter ihrer Tochter "was fürs zimmer" kauft. Es ist ein Graffiti Siebdruck, das für mich aussieht wie ein Rorschar-test in bunt. Als beide abwägen welches von zwei verschieden bunten besser zu ihrem Interieur passt, bin ich anhand dieser Pragmatik geneigt zu sagen, wein ist zum trinken da und kunst zum kaufen. Die urban-art massenvernissage in den räumen der ehemaligen landeszentralbank - die verbindung von kunst an einem ort, an dem einst das geld floss, ist für mich sogleich komisch. Kunst jagt Geld und für das umgekehrte sind wir zuständig. Aber ich noch nicht, ich verstehe nicht viel von kunst.- Träumer (Collage) 06.05.2012
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oder vielleicht, weil man wieder bei sich ist, bei den eigenen gedanken und dem bild. die fremde stadt liegt gar nicht mehr im blickpunkt.
schrecklich! kunst muss für sich stehen, denn "den beschauer und nicht das leben spiegelt die kunst in wahrheit." (wilde)
der künstler ist neben seinem kunstwerk fehl am platz!








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15.06.2010 - 15:06 Uhr
cathie
bitte mehr solcher kunst-texte!