10.06.2010 - 18:30 Uhr

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Zauberwürfel und Flummi: Über die Spieldrogen unserer Kindheit

Text: jetzt-Redaktion - Fotos: amazon.de/Hersteller

Der Zauberwürfel wird 30 Jahre alt. Er gehört in eine Reihe von Spielzeugen, die einen für eine gewisse Zeit abhängig machten. Eine Rückblende mit Flummi, Slimy, Hacky Sack und Co

Der Zauberwürfel
Dieses Monstrum. Meine beiden älteren Brüder hatten es in ihrem Zimmer im Regal stehen und ich wusste erst nicht recht, was dieser bunte Klotz war. Na gut, er war bunt. Deswegen sortierte ich ihn, korrekt, zur Gattung der Spielzeuge. Aber ich war noch ein Kind im besten Sinne und der Zauberwürfel war eigentlich schon ein Spielzeug im erwachsenen Sinne. Er sprach den Kopf und nicht die Imagination an. Ich betrachtete das Ding einen Tag lang und empfand wie für eine Coladose ohne Trinkloch. Ich wollte unbedingt etwas mit dem Würfel machen, hatte aber keine Ahnung, was. Ich nahm den Würfel und reichte ihn meinem ältesten Bruder. Er drehte daran. Das hatte ich aber auch schon gemacht und es war langweilig. Dann wies er mich in die Bastelarbeit ein, die der Klotz einem abverlangte. Man sollte die Teilflächen so drehen, dass auf einer Seite nur eine Farbe zurückblieb. Aha. Ich kratzte zum ersten Mal im Leben meinen Kopf im Angesicht einer Denkarbeit. Mein Bruder gab ihn mir und ich legte ihn wieder ins Regal. Einige Woche später, ich hatte es genau verfolgt, hatten meine Brüder den Spaß an dem Ding verloren. Es setzte leicht Staub an. Ich nahm es ein letztes Mal aus dem Regal und versuchte mich an der farblichen Abstimmung. Ging aber nicht. Ich schaffte es nicht. In jenen Momenten spürte ich wieder dieses Gefühl in mir, das kindlich und erwachsen zugleich war. Die Ungeduld. Ich wollte wissen, was der Würfel wirklich war; nahm einen Hammer und einen Schlitzschraubenzieher, den ich im Spalt zwischen den bunten Teilwürfelchen ansetzte. Dann schlug ich zu und es war kein schlechtes Gefühl. Über den Typ, der drauf hängen blieb Die Geduld, die du dem Zauberwürfel entgegenbringst, lässt eine Aussage darüber zu, für welche Berufe du geeignet bist. Deutschland ist ein Land der Ingenieure. Deutschland ist ein Zauberwürfelland. Darum liegt er heute in der Kiste Weil er kaputt ist. Peter Wagner *** Der Flummi
Schon lautmalerisch ist so ein kleiner Gummiball ein Ereignis: Flummi, Flummi, Flummi! Word follows function! Auch sonst eine tolle Erfindung: Ein perpetuum Spaßmobile, das immer gleich gut hüpft, nie müde wird und jederzeit maximale Verwirrung stiften kann, wenn man es etwa in ein vollbesetztes Klassenzimmer donnert. Deswegen ist ein Flummi auch ziemlich zeitlos en vogue, wenn man heute einen finden würde, wer könnte sich verkneifen ihn gleich gegen die Wand zu werfen? Wo die Dinger herkamen war genauso unklar wie ihr Verbleib nach einiger Zeit. Kaufte man ihn im Spielzeuggeschäft? Wohl kaum, eher klaute man ihn im Kiosk aus einer Dose, die gleich war wie die Dosen, in denen saure Süßigkeiten lagen. Hatte man ihn oft genug und so hoch wie möglich springen lassen, musste man ihn mit den Fingernägeln anknibbeln und Gummiftzel herausbrechen, so dass altgediente Flummis aussahen wie Kraterlandschaften. Über den Typ, der drauf hängen blieb Schwierig zu sagen. Durch ihr sprunghaftes Wesen eignen sich Flummis nicht gerade für Dauerbeschäftigung. Allerdings gibt es auch noch solche Typen: Darum liegt er heute in der Kiste Dahin kam der Flummi nie. Sein Ende war immer ein Verschwinden im Nirgendwo, hinter Schränken, in Gullys oder in der Schublade im Lehrerzimmer. Max Scharnigg
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