11.06.2010 - 18:30 Uhr

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Bring deine Finanzen in Ordnung!

Text: maria-freilich

Der Satz "Ich kann einfach nicht mit Geld umgehen" gehört zum guten Ton. Dabei gibt es kaum etwas Blöderes

Michele wühlt in ihrem Geldbeutel, das Kleingeld klimpert, noch einmal blickt sie in das Scheinefach ihres roten Geldbeutels aus Leder, den sie auf einem Londoner Flohmarkt letzte Ostern gekauft hat. Die Schlange bewegt sich Richtung Kasse, Krüge klirren, Bier schwappt über Hände. „Eine Maß? Alles?“, schrillt die Stimme der Biergartenverkäuferin. „Macht 6,80 Euro plus ein Euro Pfand“ Michele wühlt und kramt noch etwas, stöhnt, dann legt sie den zerknüllten Fünfer und acht Münzen auf den Tisch. Im Geldbeutel aus London bleiben nur Kupfermünzen zurück. „Mei, Wahnsinn“, sagt sie zu Thorben auf dem Weg zurück zur Bierbank. „Das Geld für den Monat ist schon wieder weg. Irgendwie kann ich einfach nicht mit Geld umgehen.“ „Ich auch nicht“, sagt Thorben. „Mein Dispo ist schon wieder am Limit.“ Darauf stoßen beide sogleich an. Seit ich die zwei kenne, jammern sie darüber, zu wenig Geld zu haben. Andererseits weiß ich auch: Selbst wenn Michele 3000 Euro auf der hohen Kante hätte, würde sie jammern. Sie würde sagen: „Ich habe ja fast gar keine Ersparnisse wie die anderen.“
Über wenig Geld zu jammern, gehört zum guten Ton. Wer so tut, als sei er arm, glaubt, dadurch auch sexy zu sein. Ein bis zum Anschlag ausgereizter Dispo soll signalisieren: Hey, ich lebe voll im Jetzt. Ich mache einfach, was mir Spaß macht. Auf Geld kommt es doch eh nicht an. Diese Einstellung soll sympathisch wirken, mit dem Loch im Geldbeutel wollen sich Michele und Thorben von Goldkettchen-Prolls und großkotzigen Rosa-Polohemden-Trägern distanzieren. Sie wollen sagen: Uns sind Spaß und gute Freunde wichtiger als teure Autos und Longdrinks in Nobeldissen. Das ist prinzipiell ein ehrenwertes Anliegen und mir sind solche Leute lieber als ebensolche Großkotze und Prolls. Nur: Muss für diese Koketterie immer der Geldbeutel herhalten? Wem gehts hier wirklich schlecht? Vor einigen Wochen erschien in der FAZ ein Artikel mit Überschrift: Generation 30 – Hört auf zu jammern! Die Autorin Bettina Weiguny forderte endlich ein Ende der Miese-Stimmung unter jungen Akademikern, die es angeblich heute so viel schwerer haben als ihre Akademiker-Eltern. 4156 Euro im Schnitt verdiene ein Berufsanfänger heute, 1980 sei dies auch inflationsbereinigt nur die Hälfte gewesen. Unsere Eltern seien einfach nicht jede Woche in ein Restaurant gegangen. Was für 30-Jährige zutrifft, gilt auf einem niedrigerem Level auch für 20-Jährige. Natürlich gibt es Studenten und Schüler, die wenig Geld haben: 2,4 Millionen Kinder in Deutschland gelten laut Bundesfamilienministerium als armutsgefährdet. Das ist ein gesellschaftlicher Missstand, für den Kinder nichts können. Nur gibt es auf der anderen Seite eben auch genug Studenten wie Thorben und Michele, die monatlich 500 Euro von Papa überwiesen bekommen, zwei mal die Woche in einem Cafe bedienen und so nochmals 800 Euro verdienen und außerdem noch alle drei Monate 500 Euro von Omi zugesteckt bekommen. Sie fliegen in den Semesterferien nach Thailand und haben an sich den Anspruch, stets modisch gekleidet zu sein. Sie könnten, würden sie sich nur ein klein wenig einschränken, jeden Monat 200 Euro zurücklegen. Aber genau diejenigen sind es, die ständig mit ihrem ausgereiztem Dispo kokettieren und mit einem charmanten Grinsen sagen: „Ich kann einfach nicht mit Geld umgehen.“ Dahinter steckt letztlich die Weigerung, Verantwortung für sich zu übernehmen. Was die Pseudo-Arm-aber-sexy-Fraktion vergisst: Es ist nicht cool, nicht für sich selbst sorgen zu können. Man ist auch nicht freier, weil hinter dem Kontostand ein großes „S“ ist. Wenn Studenten jahrelang im Minus sind, hat das meistens mit Bocklosigkeit, mangelnder Selbstdisziplin und Koketterie zu tun. Und das ist eigentlich gegenüber denjenigen, die tatsächlich kein Geld haben, viel arroganter als die Goldketten-Großkotzigkeit.


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jurette_
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Mag ich Mag ich nicht

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14.06.2010 - 12:34 Uhr
jurette_

Hauptschulabbrecher_ohne_Studium sagte:
aber auch jurette hat keine ahnung. schwer, zw. brutto und netto zu unterscheiden, nech!?

A12 Lehrer in der Primarstufe oder Sekundarstufe I (an Grund- und Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien) ( = gehobener Dienst)

gehaltstabelle A12: 2656,45
2955,15
3377,45
3748,25
4227,20


muss man schon n paar jahre absitzen um auf die höchste stufe zu kommen. frag mal alcofribas..


Ja, das mit dem Brutto und Netto ist nicht so einfach, nicht? ich sprach nämlich nur vom Netto-Gehalt eines verbeamteten Lehrers und nicht vom Bruttogehalt.

Und netto sind das eben auch bei der geringsten Stufe von a12 2.164 Euro - und bei einem Gynasiallehrer mit A13 schon entsprechend mehr, nämlich 2.375. (Bei der von Dir zugrundegelegten veralteten Besoldungstabelle, jetzt ist es aber nur minimal mehr)

Und als Angestellter, der der vollen Sozialversichungspflicht unterliegt,, aber dafür 4160 Euro verdient, bleiben netto noch 2.389 Euro übrig.

Also ist meine Aussage, dass man als verbeamteter Lehrer netto nicht so viel weniger raus kriegt als ein Angestellter, der 4.156 Euro verdient, nicht vollkommen falsch, nech?

Hauptschulabbrecher_ohne_Studium
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Mag ich Mag ich nicht

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14.06.2010 - 13:29 Uhr
Hauptschulabbrecher_o…

jurette_ sagte:
MichiAndre88 sagte: 4156 Euro? wer verdient das bitte? als Lehrer werd ich wohl nicht so ein Vermögen einsacken...Na, aber nettto kriegst Du nicht viel weniger raus - sofern Du verbeamtet wirst.


das klingt aber so, dass du davon ausgehen würdest, dass die 4156 euro, die user michandre88 oben nennt, für ein nettogehlt häst.

zitat joghurette:"Na, aber nettto kriegst Du nicht viel weniger raus - sofern Du verbeamtet wirst."

nech!?

was du weiter unten schreibtst, hört sich schon ganz anders an, nech!?

jurette_
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Mag ich Mag ich nicht

-1

14.06.2010 - 13:58 Uhr
jurette_

Jaja, Du hast recht, ich habe meine Ruhe.

alces
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Mag ich Mag ich nicht

0

14.06.2010 - 14:49 Uhr
alces

Ach, diese olle Kamelle schon wieder. Ich kichere.

und_jetzt
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Mag ich Mag ich nicht

0

15.06.2010 - 23:22 Uhr
und_jetzt

Ich kann einfach nicht mit Geld umgehen sagte der Chef von Lehmann und reichte Konkurs der Bank ein. Warum sollten wir es können? Bankenpleite, Staatspleite, und Europleite? Expertenwissen erscheint gleich Null! Ist noch ein positiver Wert! Also, nicht –1 im Wert. Ist dies eine Hoffnung?

Arghhh
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Mag ich Mag ich nicht

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03.07.2010 - 10:56 Uhr
Arghhh

Seit wann studiert ein Geisteswissenschaftler, um viel Geld zu verdienen??
:-D

janoschNo2
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Mag ich Mag ich nicht

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06.08.2010 - 15:41 Uhr
janoschNo2

Immer schön Vorurteile schieben zum armen Studenten.
Man hat das auch selber in der Hand, wenn man weiß wo man hin will.
Ich mache meinen MBA neben dem Beruf, nach B.A. Studium Psychologie und immer schön in der Firma geknechtet.
Dadurch rund 800 Euronen im Monat für 26 Stunden die Woche während des Psychologiestudiums
Ist hart aber machbar. Nächstes Jahr mit MBA im 3. Berufsjahr nach B.A. Arbeit krieg ich als Führungskraft ein "Einstiegsgehalt" von 60.000 brutto.
Geld ist nicht alles, macht aber einiges leichter;-)

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maria-freilich

ist jetzt-Mitarbeiterin und hat diesen Beitrag verfasst.