Ein Gespräch über die Tücken der Alltagstechnik
Nicht nur globale Ölkonzerne haben Ärger mit der Technik, auch gewöhnlichen Anwendern geht es so. Während eine Fehlfunktion auf einer Bohrinseln aber katastrophale Folgen hat, ist sie im Alltag bloß nervig: Wir schlagen uns mit unverständlichen ÖPNV-Automaten herum, können keine Saftverpackung öffnen, ohne den Inhalt in der Küche zu verteilen und finden nie den richtigen Staubsaugerbeutel. Der Spiegel-Online-Kolumnist Konrad Lischka hat sich diese Phänomene genauer angesehen und erklärt in seinem Buch Fehlfunktion, wieso Technik uns so oft ärgert - ein Interview zu den Tücken der Technik.
Herr Lischka, mein Aufnahmegerät hat eine einzige Taste fürs Spulen und für das Anwählen des nächsten Tracks. Zum Spulen muss ich die Taste gedrückt halten. Wenn ich aber einmal kurz drücke, springe ich plötzlich zum nächsten Track und muss mit dem Spulen von vorne beginnen. Das ist doch Mist. Wieso baut man so etwas? Je mehr Tasten ein Gerät hat, desto teurer wird es, deswegen legt man zwei Funktionen auf eine Taste. Die Logik der Leute, die das entwickelt haben, ist ja schon stimmig: Es geht in beiden Fällen, Spulen und Anwählen, nach vorne, also benutzt man die gleiche Taste. Nur die Benutzerlogik ist ja eine ganz andere – und das merkt man erst wenn man mit dem Ding rumspielt. Spezielle Usability-Tests kosten natürlich wieder Geld. Tasten und Tests sind einfach teuer. Bei meinem Diktiergerät habe ich übrigens ein ähnliches Problem: Wenn man aufnehmen will, muss man zuerst eine Taste drücken, um die Aufnahme zu aktivieren, dann aber dieselbe Taste noch einmal, damit das Gerät wirklich aufnimmt. Drückt man ein drittes Mal, stoppt er die Aufnahme wieder. Man muss also genau zweimal drücken - nicht einmal, nicht dreimal, dann macht er nämlich gar nix.
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Und das mit der Rolltreppe find ich jetzt noch behämmerter als ichs noch nicht wusste, was es damit auch sich hat. Wer stellt denn seine Tüten auf dem Handband ab bitteschön? oO Sind das mehr Leute als die, die sich einfach nur dran festhalten wollen und dann immer umgreifen müssen?
Aber dass manche Automaten einfach keine 2 Euromünzen annehmen wollen, find ich noch am ärgerlichsten. Sollen sie ihre tollen Münzen eben fälschungssicher machen... :P
Was mir letztens passiert ist: Zwei Trottel von Autofahrern auf einmal, die jeweils auf ihrer Spur als erster an der Ampel standen und über der Linie standen und somit nicht mehr auf dem Kontaktstreifen. Hat ne Weile gedauert, bis es klick gemacht hat... oO
03.06.2010 - 21:40 Uhr
soylentyellow
Das ist das Razor & Blade Modell. Gäbe es nur ein paar standardisierte Staubsaugerbeutel könnte der Hersteller kein Vermögen mit dem Verkauf von Staubsaugerbeuteln machen. Da es keine standardisierten Staubsaugerbeutel gibt gibt der durchschnittliche Staubsaugerbenutzer mehr für Staubsaugerbeutel aus wie für den Staubsauger selbst.
Funktioniert genauso wie Drucker & Druckertinte...aber zum Glück gibt es ja beutellose Staubsauger.
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" Produktetiketten, die sich nicht rückstandsfrei ablösen lassen"
Dafür gibt es Waschbenzin (gereinigtes Benzin), damit bekommt man jeden Aufkleber und jedes Etikett und jedes Preisschild ab.
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Ich dachte dass mit der Münze reiben liegt an der menschlichen Wahrnehmung: Der Münzprüfmechanismus hat eine gewisse Fehlerquote. Wenn die Münze dann doch angenommen wird dann liegt das (in der menschlichen Wahrnehmung) natürlich nicht daran dass es endlich Zeit wurde sondern daran dass man die Münze vorher gerieben hatte. (Genauso wie beim Roulette: Wenn bisher zehn Mal rot fiel ist die Wahrscheinlichkeit dass beim nächsten Mal auch wieder rot fällt etwas weniger als 50 % [wegen der Null] - egal wie oft vorher bereits rot gefallen ist.) Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich dass ganz oft rot hintereinander fällt, deshalb glaubt man eben dass das reiben der Münze dafür verantwortlich ist dass der Automat diese endlich angenommen hat und nicht die Wahrscheinlichkeit.
03.06.2010 - 21:42 Uhr
soylentyellow
Wieso kippen denn die Leute dann nicht nach vorne wenn sie mit Rolltreppe fahren?
Cola-Automaten gesehen mit einem auch so gelabelten „Kratzblech“.
Mit einem so auch beschrifteten Kratzblech?
03.06.2010 - 22:09 Uhr
der_ingenieur
Beutellose Staubsauger (jedenfalls die bekannte Marke) kosten so viel mehr, dass man ein Leben lang teure Beutel kaufen kann (ich brauch 2 pro Jahr für ein paar Euro).
Wieso kippen denn die Leute dann nicht nach vorne wenn sie mit Rolltreppe fahren?
Eigentlich kippt niemand auf der Rolltreppe um. Aber theoretisch waere es eben besser, nach vorne als nach hinten zu kippen.
So aehnlich ist es mit den Kotztueten in Flugzeugen. Eigentlich kotzt niemand, aber inzwischen gibt es zumindest auf Inlandsfluegen keine Tueten mehr.
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03.06.2010 - 19:07 Uhr
BrainsenOverkill
Und das mit dem Vorspulen ist wirklich extrem aergerlich, vor allem bei auf CD gebrannten Mixen, bei denen man bis Minute 40 vorspulen will.