04.06.2010 - 18:30 Uhr

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Auf dem Banana Pancake Pfad 17: Je länger, desto cooler

Text: philipp-mattheis - Illustration: Katharina Bitzl

Ein Netz aus Trampelpfaden und Hotels umspannt den Planeten. Man nennt es den Banana-Pancake-Pfad. Jede Woche lernen wir ein Stück davon kennen. Dieses Mal: Die geheime Hierarchie der Backpacker

Die Hängematte baumelte, die Planken knirschten und die Sonne war schon zur Hälfte im Tonle Sap versunken. Sam stopfte irgendein Reisgericht in sich hinein und spülte das zwischendurch mit einer Flasche „Angkor Beer“ herunter. Ein Typ mit Poloshirt setzte sich zu unseren Füßen und ließ seine Beine ins Wasser hängen. Er zündete sich eine Zigarette an, nahm ein paar Züge, bis die Zigarette halb herunter gebrannt war. Dann drehte er sich zu uns um und stellte die Frage, die stets das Tor zu einer Konversation weit aufreißt. Der Typ in dem Poloshirt fragte: „Where are you guys from?“ Ich antwortete, Sam schwieg. Der einzige vernehmbare Laut war eine Zwitter aus Grunzen und Schmatzen – weit entfernt von einem Wort. Der Typ in dem Poloshirt fragte: „How long are you travelling for?“ Ich antworte, Sam schwieg. Der Typ im Poloshirt sagte, er sei für drei Wochen unterwegs, zwei davon in Thailand und eine in Kambodscha hustete nun, als habe er sich an seinem Reisgericht verschluckt. Er nahm einen Schluck Bier, rülpste laut und aß weiter. Trotz gut gemeinter Versuche des Typs in Poloshirt kam die Konversation nicht in Schwung. Ich war müde und nicht in Redelaune, und Sam schmatze und grunzte vor sich hin, den Typ in dem Poloshirt aktiv ignorierend. Als die Sonne vollends im Tonle Sap versunken war, tauchte eine Gruppe Engländer im „Guesthouse Cloud No 9“ auf und begann ein Trinkspiel zu veranstalten. Der Typ im Poloshirt setzte sich zu den Engländern und fand dort schnell Anschluss, indem er grinste und trank und sagte: "Where are you from? England? Great! That's great! Really, I love England!" Sam und ich schwiegen einige Zeit in unseren Hängematten, dann fragte ich ihn: „Sam, warum hattest du keinen Bock mit dem Typ zu reden?“ Sam trug noch immer seine Sonnenbrille, obwohl es längst finster war. „Ich habe keinen Bock auf Traveller, die weniger als drei Monate unterwegs sind. Sind Urlauberspasten.“
Den Urlauber empfindet der Backpacker als Parasit, als Nutznießer und als Pseudo, der mal schnell für zwei, drei Wochen einen Hauch der großen Freiheit schnuppern will, um dann damit daheim angeben zu können, auch mal in einem „Backpackerland“ gewesen zu sein. Der Backpacker ist der Meinung, der Urlauber störe und zerstöre mit seinem Kurztrip die Infrarstruktur des Banana-Pancake-Pfads. Der Urlauber nämlich macht mit seinem ungleich höherem Budget die Preise kaputt, er fällt auf die billigsten Tricks herein und gibt bettelnden Kindern Geld. (Dabei weiß jeder Backpacker: Wenn man bettelnden Kindern Geld gibt, schicken deren Eltern sie nicht mehr in die Schule, sondern zum Betteln.) Der Urlauber auf dem Pancake-Pfad ist ein blutiger Anfänger und wird ein solcher immer bleiben. Er ist der ewige Achtklassler, der sich in der großen Pause zu den Zehntklasslern zum Rauchen stellt und doch nur pafft. Der Backpacker straft den Urlauber deswegen im besten Fall mit freundlicher Ignoranz, auf jeden Fall aber doch mit Arroganz. Erst aber einer Reiselänge von drei Monaten wird der Reisende von Reisegemeinschaft als vollwertiges Mitglied akzeptiert. Ab sechs Monaten Backpacking darf man sich zum inneren Kreis zählen. Aber einem Jahr gilt man als Veteran. Dabei handelt sich freilich um eine Hierarchie des Hintergrunds, die auch ziemlich schnell an ihre eigene Grenze kommt (siehe ->Die Hängengebliebenen). „Ich habe mal einen Typen getroffen, der war seit drei Jahren unterwegs“, sagte Sam. „Der war sogar in Kasachstan.“ „Krass“, sagte ich. „Und in Guatemala kannte ich einen Deutschen, der war seit fünf Jahren auf Reisen. Der hat Edelsteine in Pakistan gesucht.“ „Hammer!“, sagte ich. „In Bangkok war so ein 50-Jähriger Typ in meinem Hostel, der war seit 15 Jahren unterwegs. 15 Jahre! Kannst du dir das vorstellen?“ „Krass“, sagte ich. Und so ging das noch die ganze Nacht. Sam und ich kamen uns nach einer Weile ziemlich uncool vor. Wir hörten das Lachen des Typen im Poloshirt und den Engländern, die ein englisches Saufspiel namens „Fuck the monkey“ spielten. Es klang, als hätten sie im Gegensatz zu Sam und mir... Spaß. Backpacker-Smalltalk für Anfänger (in dieser Reihenfolge!): „Where are your from?“ „How long are you travelling for?“ „Are you travelling by yourself?“ „Where have you been so far?“ „Can you recommend it?“ „Was it expensive?“ „Where do you go next?“ „By the way – what is your name?“


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nordzucker
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Mag ich Mag ich nicht

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05.06.2010 - 20:32 Uhr
nordzucker

herje- wieder alles zerhackt....

diekleine
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Mag ich Mag ich nicht

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06.06.2010 - 01:20 Uhr
diekleine

Vorher meinte ich leisten im Sinne von Urlaub nehmen koennen ohne den Job zu verlieren, nicht im Sinne von genug Geld haben. Dass man weniger Geld pro Tag ausgiebt wenn man laenger unterwegs ist, ist mir schon auch klar.

taylorthelatteboy
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06.06.2010 - 13:41 Uhr
taylorthelatteboy

„Ich habe keinen Bock auf Traveller, die weniger als drei Monate unterwegs sind. Sind Urlauberspasten.“

STFD and STFU.

marksu_
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Mag ich Mag ich nicht

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06.06.2010 - 17:37 Uhr
marksu_

„Where are your from?“

mir?

selkie
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Mag ich Mag ich nicht

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06.06.2010 - 19:21 Uhr
selkie

„How long are you travelling for?“

Praktikant hin oder her, korrektes Englisch ist das nicht.

Hat der inzwischen seine Marokko Peinlichkeit erklärt?

soylentyellow
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Mag ich Mag ich nicht

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06.06.2010 - 23:33 Uhr
soylentyellow

selkie sagte:
„How long are you travelling for?“

Praktikant hin oder her, korrektes Englisch ist das nicht.



Korrektes Englisch hin oder her - aber sagt man das nicht trotzdem so? (Also umgangssprachlich, so zwischen Traveller und Traveler)

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Mag ich Mag ich nicht

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06.06.2010 - 23:35 Uhr
soylentyellow

Außerdem bedeutet ja "How long have you been traveling?" genau genommen "Wie lange bist Du bereits gereist". How long will you travel?" wäre zwar korrekter, aber "How long are you traveling for?" betont einerseits das Unterwegssein (-ing Form) und das "for", das weiß ichnauch nicht aber bestimmt kann es jemand besser erklären als ich.

Crispetti
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Mag ich Mag ich nicht

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08.06.2010 - 10:44 Uhr
Crispetti

Nothing is too high if you really want to get there, nothing is too far if you have the tools for the journey, nothing is too long if you’re willing to take the time.

Soviel zu den Leute die immer sagen: beneidenswert... ich würde auch gerne so eine Weltreise machen....

chocolatecat
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Mag ich Mag ich nicht

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08.06.2010 - 10:50 Uhr
chocolatecat

ich hab mal ein belgisches rentner-paar getroffen, die waren sehr sehr nett und kochten uns jeden morgen kaffee. die waren seit fast 1 jahr unterwegs, mit so nem gelände-wohnmobil-artigen ding (zitat: wir verprassen das erbe unserer kinder).
wir haben sie dann mal gefragt, ob sie lust haben mit uns zu so wasserfällen zu wandern.
da haben sie gesagt: sie haben schon so viele wasserfälle gesehn, das juckt sie nicht mehr.

auch irgendwie schade, oder? wenn man so abstumpft. da fahr ich doch lieber alle 2 jahre mal 4 wochen weg und freu mich noch über jede geile landschaft, als dass mich das dann kalt lässt, weil ich schon seit einem jahr durch geile landschaften fahr.

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philipp-mattheis

ist jetzt-Mitarbeiter und hat diesen Beitrag verfasst.