28.05.2010 - 11:53 Uhr

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Plan B

Text: Vida

Das erste Mal, dass etwas nicht so rund lief wie gewohnt, war vor einer Mappenpräsentation in Frankfurt am Main. Ich saß im Foyer einer namhaften Werbeagentur und wartete auf einen freien Konfi. Es war die dritte Präsentation in dieser Woche und es sollten noch weitere folgen, denn ich war nach zwei Kündigungen durch Etatverlust auf Jobsuche. Da ich präsentationserfahren, kontaktfreudig und flexibel war, machte ich mir keinen großen Kopf. Ich würde schon wieder eine passende Agentur mit einem netten Team für mich finden. Während ich ganz entspannt auf der Bank im Empfangsbereich saß und im Stillen das kommende Gespräch durchging wurde mir plötzlich von ein auf die andere Sekunde übel. Ich hatte das Gefühl mich auf der Stelle übergeben zu müssen. Mein Magen fing an zu rebellieren. Ich brauchte eine Toilette – sofort. Ich bekam Schweißausbrüche und hastete zu den Besucher-Örtlichkeiten. Hektisch schloss ich mich ein. Mir wurde schwindelig, ich wusste kaum noch wo oben und unten war. Magen und Darm drehten völlig durch und ich zitterte wie verrückt. Völlig überrumpelt sank ich auf den kalten Boden der Agenturtoilette und verstand die Welt nicht mehr. Viel schlimmer noch – ich verstand mich nicht mehr. In meinem Körper war es auf einmal wahnsinnig laut. Ich wollte mir am liebsten die Ohren zuhalten. Ein wahrer Sturm war losgebrochen. Mit einem Mal hatte ich wahnsinnige Angst. Schiere Panik. Ich bekam schwer Luft, wollte nur weglaufen. Bloß raus hier. Meine Mappe, Mappe sein lassen. Doch auf den Körper hören ging nicht, ich musste gefasst bleiben. Kontrolle behalten,100 % geben. Überzeugen – fachlich wie menschlich. Einen neuen Job an Land ziehen. Jetzt. Ich klaubte mich vom Boden auf und wankte leichenblass zurück in die Eingangshalle. Ich war erschöpft wie nach einem Marathon und hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Wie durch Watte hörte ich, wie mein Name aufgerufen wurde. Mit aktiviertem Autopilot präsentierte ich zwei geschlagene Stunden meine Arbeiten. Nach außen souverän wie immer. Im Inneren in meinen Grundfesten erschüttert. Diesen Job habe ich nicht bekommen. Dafür einen anderen. Irgendetwas geändert hat das nicht. Ganz im Gegenteil. Zwei Jahre nach meiner ersten Panikattacke denke ich das erste Mal ernsthaft darüber nach, aus der Branche auszusteigen. Doch wohin mit mir? Was ist Plan B? Ich habe bis heute keine Antwort darauf – noch nicht.
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8 Kommentare

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KyraMondwoelfin
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Mag ich Mag ich nicht

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28.05.2010 - 12:17 Uhr
KyraMondwoelfin

Das kann ich total gut nachvollziehen - und ich bin nicht mal im Berufsleben drin... Quereinsteigen in die Schule? Ist bei mir genau umgekehrt... ich will nicht mehr Lehrerin werden und was fängt man mit der Kombi Kunst und Deutsch auf dem freien Markt?
Was komplett neues nochmal nach dem Abschluss?
*

christina-waechter
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28.05.2010 - 18:16 Uhr
christina-waechter

empfohlen!

Vida
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Mag ich Mag ich nicht

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28.05.2010 - 18:19 Uhr
Vida

Dankeschön. Das freut mich.

herzfein
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Mag ich Mag ich nicht

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28.05.2010 - 21:08 Uhr
herzfein

erstaunlich, dass du noch die kraft hattest, die präsentation zu machen.

Vida
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Mag ich Mag ich nicht

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28.05.2010 - 21:39 Uhr
Vida

Autopilot. Reiner Autopilot.

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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02.06.2010 - 23:28 Uhr
Digital_Data

Du musst versuchen vorher beschäftigt zu sein. Ich hatte das auch plötzlich eine zeitlang, aber nicht so schlimm. Du musst vorher einfach beschäftigt sein und zwar richtig, also nicht etwas, was Du gedanklich unterbrechen kannst, Du musst da gefordert sein. Dann bleibt die Möglichkeit in den eskalierenden Gedankenzyklus zu kommen aus.

Digital_Data

Vida
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Mag ich Mag ich nicht

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04.07.2010 - 15:30 Uhr
Vida

Bei einer Panikstörung hilft Ablenkung auf Dauer nicht. Wenn einen der Job krank macht, muss man an seiner Lebensweise etwas ändern – und zwar auf Dauer.

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Mag ich Mag ich nicht

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04.07.2010 - 15:31 Uhr
Vida

Bei einer Panikstörung hilft Ablenkung auf Dauer nicht. Wenn einen der Job krank macht, muss man an seiner Lebensweise etwas ändern – und zwar auf Dauer.


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