Vom Tagebuch zum Weblog des Jahres
Text: MapleLeaf
Vor drei Jahren haben Jessica Weiß und Julia Knolle damit begonnen, über Mode zu bloggen. Jetzt wurde «Les Mads» als Blog des Jahres ausgezeichnet. MapleLeaf spricht mit den beiden Journalistinnen über ihr Erfolgsgeheimnis.
So sieht er aus: Les Mads, Weblog des Jahres 2010. (Foto: MapleLeaf)
Gold für «Les Mads»: Als Jessica Weiß (24) und Julia Knolle (27) auf die Bühne gerufen wurden, um den Preis «Blog des Jahres» entgegenzunehmen, konnten sie es kaum fassen. «Völlig betäubt» sind sie auf die Bühne gegangen, denn immerhin hatte sich ihr Modeblog gegen Größen wie Netzpolitik (Silber), den Hitler-Blog der taz (Bronze), den Bildblog und den Kai-Diekmann-Blog durchgesetzt.
Zu Beginn war das Bloggen eine Nebenbeschäftigung, inzwischen können Jessica Weiß und Julia Knolle davon leben. Die Burda Style Group vermarktet ihre Idee professionell – für die Autorinnen ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen: Sie lesen Modemagazine, besuchen Fashion-Weeks und bloggen täglich über ihre ganz persönlichen Ansichten zu den neuesten Modetrends. Mit Erfolg: «Les Mads» ist heute der meistgelesene und bekannteste deutschsprachige Modeblog (500.000 digitale Besucher im März 2010). Der Name steht für die Abkürzung von Les Mademoiselles. Jessica Weiß erklärt im Gespräch mit MapleLeaf, was den besonderen Erfolg von «Les Mads» ausmacht.
Wie ist es euch gelungen, euren Blog so bekannt zu machen?
Jessica Weiß: Das war alles ein großer Zufall. Am Anfang stand nur eine Idee von Julia und mir, da wir unsere Leidenschaft für Mode und das Schreiben teilten. Julia hat BWL studiert, ich Marketingkommunikation – wir haben uns den Frust über das Studium von der Seele geschrieben. Das Blog war also zunächst nur eine Art privates Tagebuch von uns beiden und hieß «Feinsinn». Dann kam der Burda-Verlag auf uns zu und zeigte Interesse – drei Monate später wurden wir mit einem anderen Layout und unter neuem Namen professionell vermarktet.
Und die Konkurrenz?
Weiß: Die gab es damals noch nicht, da wir 2007 unter den ersten deutschsprachigen Modeblogs waren. Wir hatten durch Zufall eine Marktlücke entdeckt. Heute haben wir keine direkte Konkurrenz, nicht zuletzt weil kaum jemand hauptberuflich ein Modeblog führt und so viel Zeit investieren kann.
Was ist denn euer Erfolgsrezept?
Weiß: Zum einen sind wir wohl authentisch. Wir geben den Leuten unsere ganz persönliche Ansicht von Mode und bieten dem Leser Tipps zu Designern, Kollektionen oder Shops, die wir selbst auch gut finden. Das schafft hohes Identifikationspotenzial und macht uns glaubwürdig, weil wir nah dran sind.
Zum anderen ist es sicherlich auch unsere Aktualität: Wir machen bis zu zehn Updates am Tag und können dadurch viel Neues bieten.
Das heißt, ihr seid rund um die Uhr beschäftigt?
Weiß: Nicht ganz. Aber es ist schon ein Fulltime-Job, der sich natürlich auch mit dem Privatleben vermischt. Wir sind viel unterwegs: auf internationalen Fashion-Weeks, bei Modenschauen oder in den Ateliers von Designern. Aber das ist ja gerade das Schöne an «Les Mads», es steckt eben viel Herzblut drin.
Für wen ist «Les Mads» hauptsächlich geschrieben?
Weiß: Laut Marktforschung lesen derzeit vor allem junge Frauen zwischen etwa 14 und 29 Jahren unsere Beiträge. Aber wir haben auch ältere Leserinnen - und sogar Männer schauen ab und zu mal bei uns rein.
Wie schafft ihr es denn, die nötige Distanz zu wahren und nicht zum Werbetrommler der Modebranche zu werden?
Weiß: Bei uns werden natürlich Werbeanzeigen geschaltet, das passiert aber nur auf den Bannerplätzen. Wir halten uns aber trotzdem an den Journalistenkodex, das heißt, es wird nichts Gekauftes veröffentlicht. Außerdem betrachten wir die Modewelt von unserem persönlichen Standpunkt aus, wir haben also unsere ganz eigene Sicht auf die Trends und wahren dadurch einen gewissen Abstand.
Nach eurem unerwarteten Erfolg bei den Lead Awards: Wie geht es weiter mit «Les Mads»?
Weiß: Ich glaube nicht, dass es im deutschsprachigen Raum für Blogs einen höheren Preis als den Lead Award gibt. Aber wir versuchen natürlich, weiter zu wachsen, besser zu werden und eine Marke aus «LesMads» zu machen. Spannend zu beobachten ist auch, wie unsere Zielgruppe sich mit uns entwickelt, denn wir werden ja alle älter.
Ist auch eine Expansion außerhalb des Netzes denkbar, eine eigene Zeitschrift zum Beispiel?
Weiß: Auch das könnte sich lohnen, wenn man es richtig anpackt. Schon jetzt arbeiten wir multimedial: Wir sind ab und an im Radio präsent und stellen auf unserem Blog natürlich auch selbstgedrehte Videos von verschiedenen Events ein. Außerdem ist für uns eine Präsenz in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook sehr wichtig. Aber wir sind noch nicht am Ende angekommen, in «Les Mads» steckt sicher noch viel mehr Potential drin.
Der Link zum Blog: http://www.lesmads.de/
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