Das Alphabet der Subkultur
In Obergiesing steht in einem ehemaligen Kaufhaus seit kurzem der Kulturhafen „Puerto Giesing“. Die jetzt.muenchen-Übersicht von A bis Z
AnfangAuch am Anfang von „Puerto Giesing“ war ein Wort – ein gutes nämlich, das ein freundlicher Herr vom Kulturreferat für das Projekt einlegte und so den Weg frei machte für den im April gestarteten Kultur-Hafen. Veranstalterin Zehra Spindler wurde von jenem Herren mit dem Eigentümer des alten Giesinger „Hertie“-Kaufhauses bekannt gemacht. Das Ergebnis: München hat nun noch bis Ende August 4 000 Quadratmeter Platz für Kunst, Kultur und Party an einer außergewöhnlichen Stelle – nämlich in Obergiesing.
Brandschutz
Die Ortsbegehung der Brandschutz-Beauftragten ist und war für die Macher von „Puerto Giesing“ eine große Zitterpartie. Denn ohne eine Genehmigung von der Lokalbaukommission und vom Brandschutz wäre das Projekt gleich wieder gestorben. Noch wurden nur Einzel-Genehmigungen für bestimmte Veranstaltungen ausgesprochen. Erst wenn die Gesamtgenehmigung da ist, können die Verantwortlichen sich entspannen und längerfristig planen.

Chaos Computer Club
Der konnte ebenfalls im ehemaligen Hertie-Haus einen Raum beziehen. Sichtbar für die Anwohner ist die Lichtinstallation, die von den CCC-Leute in einigen Fenstern des Hauses angebracht wurde. Einzig die unbezwingbare Leidenschaft der CCC-Leute, sich mit Tags an jeder Ecke des Gebäudes zu verewigen, ist Zehra Spindler ein Dorn im Auge.
Dach
Der schönste Ort von Puerto Giesing ist aus guten Gründen der allgemeinen Öffentlichkeit nicht zugänglich: Sonst würden sich die Leute nämlich auf dem kleinen Dach gegenseitig auf die Füße steigen. Wer allerdings dennoch das Glück hat, von einem der beiden Schlüsselbesitzer mitgenommen zu werden, der findet eine grandiose Aussicht vor: Im Süden die Berge, gegenüber kann man nachzählen, ob noch alle Kirchtürme der Innenstadt stehen und direkt unterhalb ein paar sehr malerische Hinterhöfe entdecken.
Enttäuschung
Zehra Spindler kann sich bisher nur an einen Moment erinnern, an dem sie so etwas wie Enttäuschung verspürt hat – und das war ganz am Anfang, als sie sich beim Aufräumen aus Versehen in einem Raum einsperrte. Nachdem sie sich eine Weile ihren bitteren Tod ausgemalt und darüber geärgert hatte, dass von all den Menschen, die so unbedingt Teil von „Puerto Giesing“ sein wollten, nun keiner da war, um ihr zu helfen, begann sie, mit einer Eisenstange ein Loch in die Wand zu bohren. Nach gut fünf Zentimetern Bohrarbeiten kam zum Glück doch jemand und konnte sie befreien.
Gentrifizierung
Sollte sich in Obergiesing die Gentrifizierung Münchens weiter fortentwickeln, dann war das bestimmt nicht im Sinne der „Puerto Giesing“-Macher. Wenn es nach ihnen geht, dann verabschiedet sich das Projekt im August mit einem so lauten Krach, dass an eine Gentrifizierung Giesings kein Denken mehr ist.
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