Auf dem Banana Pancake Pfad 16: Zusammen einsam
Ein Netz aus Trampelpfaden und Hotels umspannt den Planeten. Man nennt es den Banana-Pancake-Pfad. Jede Woche lernen wir ein Stück davon kennen. Dieses Mal: Fluch und Segen des Lonely Planet
James war frei. Er lief über den Strand, sprang hin und wieder wie ein Kaninchen, Haken schlagend in die Höhe, während er mit den Händen das blaue Buch zerriss. „Ich brauch es nicht, ich bin frei, ihr braucht es alle nicht!“ Er lief und riss und riss und lief, bis das Rauschen der Wellen seine grelle Stimme verschluckte und die dünnen Seiten des Lonely Planets „Central America on a shoestring“ vom Wind auf den Pazifik hinausgetrieben worden waren. Jurek und ich baumelten weiter in unserer Hängematte. „Er übertreibt“, sagte Jurek mit osteuropäischen Akzent. „He is a bit krrazy.“ James Ausraster war eine Diskussion vorangegangen: Seitdem er Neuseeland vor neun Monaten verlassen hatte, war kein Tag vergangen, in dem er nicht in dem blauen Buch geblättert hatte. Es war ihm zur Bibel geworden, es sagte ihm, welches Hotel er aufsuchen solle und wie viel der Bus zum nächsten Hotel in der nächsten Stadt kosten würde. Es informierte ihn über Geographie, Geschichte und Gebräuche des Landes, das er gerade bereiste. In ihm stand, welche Gegenden von Mexico City, Managua und Tegucigalpa er besser mied und wo man den billigsten Tauchkurs machen konnte. In diesem Buch stand schlicht alles, was man bei einer Reise auf dem Banana-Pancake-Pfad wissen muss. Mehr noch: Dieses Buch war der Banana-Pancake-Pfad selbst. Nach neun Monaten Reisen, vier Bier und zwei Tacos war James das am Strand von Mazunte klar geworden. Plötzlich leuchtete ihm ein, weshalb er ständig an jedem Ort Schweizer, Deutsche, Tschechen, Israelis und Engländer traf, weshalb sie immer in denselben Hotels wohnten wie er und just immer genau dieselbe Maya-Pyramide besichtigen wollten. Ihm wurde auch klar, weshalb neben ihm in der Hängematte Jurek und ich lagen. Ein Strandköter jagte bellend einer im Wind flatternden Seite hinterher, James war zu einem kleinen wütenden Bündel am Ende des Strandes geworden.
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deshalb hasst man es, aber man braucht es.
irgendwie.
Ich mag diese Serie!!!
Wer individuell sein will, Abenteuer erleben will, muss was riskieren. Aber wir wollen Abenteuer ohne Gefahr. Das widerspricht aber der Definition von Abenteuer.
Wir kaufen uns das Buch und hoffen trotzdem individuell sein zu können.
Ich habs mir auch gekauft. Aber ich hab auch kein Problem damit, nicht der erste Tour an einem Ort der Welt zu sein.
Habe in Istanbul den Topkapi Serai komplett ignoriert. Klar, habe schon gesehen dass da was ist und da Touris hingekarrt werden, aber für so 'ne Burg war mir das dann doch zu teuer. Irgendwann habe ich dann doch einen Türkei-Reiseführer gefunden und oha, das lohnt sich ja doch, das ist ja wie Kairo ohne ägyptisches Musuem oder Paris ohne den Louvre.
Oder auch die Hotelwahl: Die ersten paar Mal in Istanbul habe ich halt knallhart im Rotlichtviertel gewohnt wo alles entweder türkisch oder russisch war (weil da ganz viele russische Lederwarenhändler einkaufen?). Nicht schlecht, war auch sehr interessant (Ja, ich hätte dieses Zimmer gerne für die *ganze* Nacht) (am Ende bin ich dann ins Hotel Koran weil da gabs *sowas* nicht), aber im Backpackerviertel ein paar Stationen mit der Straßenbahn gab es ehrlich gesagt mehr fürs gleiche Geld und da wäre auch mal jemand gewesen mit dem ich mich hätte unterhalten können.
Oder Bus fahren: Bis ich herausbekommen habe dass man da dieses Ding braucht das sich Akbil nennt und wo man das herbekommt war ich ziemlich aufgeschmissen weil ohne Akbil läuft da nix (wie Bargeld im Bus?! zack raus Tür zu Bus weg) aber mit Akbil ist alles easy. (Akbil ist sowas ähnliches wie die Oyster Card in London oder die Navigo Karte in Paris: ohne geht garnix)
Andererseits ist es schon gut ohne oder mit einem veralteten Reiseführer (habe ich letztens in Ägypten gemacht und einfach den zehn Jahre alten Reiseführer genommen unter der Annahme dass sich die Pyramiden und andere Tempel in der Zwischenzeit keinen Zentimeter bewegt haben) weil man an Orte kommt (das Hotel Koran inmitten des Rotlichtviertels von Istanbul) an die man sonst nicht so leicht käme...
15.05.2010 - 12:00 Uhr
soylentyellow
matstef sagte:
ein paar lonely planets hab ich. die attitüde der reihe und der üblichen nutzer gefällt mir trotzdem nicht. und individuell ist es nun wirklich nicht mehr. kennt jemand was besseres, gerne auch "abenteuerlicheres"?
Rough Guide, hat mM mehr Details und mehr Dinge die auch weniger Touristen sehen (sprich: relativ mehr Infos zu den Dingen die eher selten besucht werden [weil da sind sie nötig, bei den Top Attraktionen reicht in der Regel das Wissen dass Petra in Jordanien toll ist und man es unbedingt sehen sollte weil es sich lohnt, der Rest ist dann aber egal weil es mehr als genug Infos gibt, ganz im Gegensatz zu irgendeinem obskuren Desert Castle wo vielleicht alle drei Tage mal ein Tourist vorbeikommt]und relativ weniger Infos über die Top Attraktionen des Landes.
Der Rough Guide hat auch mehr Optionen, sprich beschreibt auch abenteuerlichere Wege etwas zu machen als nur die zwei, drei Mainstream Optionen des lp. Außerdem hat er mehr Infos über die C Destinationen, und überhaupt Infos über die D und F Sehenswürdigkeiten die im lp nicht vorkommen weil die ja ganz nett sind aber eben niemanden umhauen.
Parvati sagte:
haha, so wahr. hab mich auch schon drüber aufgeregt, wenn dann mitreisende nur in restaurants wollten, die im LP drin waren....
Oh ja, habe in Kairo mal einen netten Typen kennen gelernt und dann sind wir essen gegangen und er hat das Restaurant ausgesucht, weil er kenne da "ganz was tolles". Na ja, teuer wars, wir waren die einzigen Gäste, toll oder gar lecker wars auch nicht, jedenfalls habe ich gesagt das nächste Mal dürfe aber ich aussuchen, ja?
Gesagt getan, alles super. Ich fragte ihn wer ihm denn das Ding vom letzten Mal empfohlen habe, sein Reiseführer sagte er, meinte ich, ach so, ich geb Dir mal ein paar Tipps: Augen auf, da wo viel los ist ist meist auch gut, da wo viel los ist geht das Essen schnell weg und hat keine Zeit schlecht zu werden, da wo viel los ist lohnt es sich nicht Dich übers Ohr zu hauen weil das dauert viel zu lange, usw.
Sollte vielleicht mal jemand in den LonelyPlanet schreiben...
Die absolut ehrlichen und völlig schamlosen Bekenntnisse eines professionellen Reiseführer-Autors von Thomas Kohnstamm
Seitdem weiß ich, wieviel ich dem LP glauben darf!








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14.05.2010 - 18:55 Uhr
matstef
lonely planet ist keineswegs mehr so individuell wie er suggerieren mag...aber immer noch was wie eine bibel für leute, die sich das etikett "backpacker" an den hals hängen, um sich von den angeblich ach so ordinären "touris" zu unterscheiden...