"Irgendwann musste ich sagen, dass ich verweigere. Also trat ich aus der Reihe."
Der Militärdienst ist in Israel für alle Jugendlichen verpflichtend. Mädchen müssen zwei, Jungs drei Jahre zur Armee. Die 20-jährige Maya Wind aus Jerusalem hat offiziell verweigert. Statt die israelische Besatzungspolitik zu unterstützen, ging sie ins Gefängnis – und wurde zur Außenseiterin in ihrer eigenen Gesellschaft. Ein Interview
jetzt.de: Eine Woche nach dem der Gaza-Krieg begann, hättest Du eingezogen werden sollen. Stattdessen hast Du gemeinsam mit anderen Israelis in deinem Alter einen Brief an die Presse geschrieben und ganz offiziell gesagt: Ich mache nicht mit. Warum? Maya: Ich war so wütend! Über die Operation und darüber, wie für alle Leute in Ordnung zu sein schien, was da passierte! Neunzig Prozent aller Israelis waren für den Militärschlag. Ich dachte nur: Das ist doch verrückt! Kein Mensch verstand die Zusammenhänge, warum die Palästinenser zuvor Raketen auf uns geschossen hatten … Gewalt ist ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Es ist die israelische Besatzungspolitik, die zur Radikalisierung der Palästinenser führt. Was daraus folgt ist Hass und die Gewalt eskaliert weiter. Das ist ein Kreislauf, der nicht aufhören wird, bis jemand aufsteht und sich kompromisslos weigert, daran teilzunehmen. Hätte es den Gaza-Krieg nicht gegeben, wärst Du dann zur Armee gegangen? Nein, diese Entscheidung habe ich schon viel früher getroffen. Wie kam es dazu? Ich war zwölf, als die zweite Intifada begann. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem die erste Bombe in einem Café in Jerusalem explodierte. Ich hörte, wie meine Eltern darüber redeten und sich Sorgen um die Zukunft machten. In den Jahren darauf explodierten zum Teil mehrmals die Woche irgendwo Bomben. Es war eine schwierige Zeit. Immer wenn ich auf den Bus wartete, stellte ich mir vor, wie er in die Luft fliegt, sobald ich eingestiegen bin. Einmal saß ich im Auto, als nicht weit von uns entfernt ein Bus explodierte. Damals waren wir alle ziemlich rechts. Ich war so wütend auf die Terroristen, die uns Angst einjagen wollten. Dass das mit der Besatzung zusammenhängt, habe ich damals noch nicht verstanden. Ich kannte noch nicht mal das Wort. Warum hast Du deine Meinung geändert? Eines Tages, ich war fünfzehn, sah ich eine Anzeige in der Zeitung. Dort wurden israelische und palästinensische Jugendliche für eine Begegnungsgruppe gesucht. Und ich dachte: Ja! Das könnte interessant sein! Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nie Palästinenser kennen gelernt. Und ich hatte das Gefühl, dass ich über all die schrecklichen Dinge, die ich während der Intifada erlebt hatte, mit jemandem sprechen musste. In der Gruppe lernte ich ein palästinensisches Mädchen kennen. Eines Tages saßen wir draußen und unterhielten uns. Plötzlich erzählte sie von ihrem Vater. Israelische Soldaten waren eines Nachts gekommen und hatten ihn verhaftet. Danach hatte sie ihn nie mehr wieder gesehen. Später ließ die Armee die Familie wissen, dass er im Gefängnis gestorben war. Ich sehe die Szene vor mir, als wäre es gestern gewesen. Das Mädchen begann zu weinen und ich fühlte mich in dem Moment so schuldig wie noch nie zuvor in meinem Leben. Zum ersten Mal begriff ich, dass ich die Soldatin sein könnte, die Ihren Vater verhaftet. Oder mein Vater, oder mein Cousin. Alle Leute, die ich damals kannte, gingen zum Militär.
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19.05.2010 - 00:10 Uhr
2__b
http://www.zeit.de/kultur/film/2010-05/c...
Maya mag keinen Palästinenser provizieren? Aber was interessiert das den, oder eine Katjuscha? Die Diskussion, wer jetzt im heutigen Israel/Palästina angefangen hat, ist sinnfrei. Interessanter ist doch die Frage, wer ist bereit, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Maya ist da keine Hilfe.
Wie überdurchschnittlich gut (ausge)bildete Palästinenser über die Welte denken, kann ich nicht sagen. Aber sie scheinen ein sehr stilles Wasser zu sein? Der Unterschied zwischen Hamas und Fatah, ist aber ein gutes Indiz. Oder?
Ich habe keine Ahnung, was passiert, wenn bei uns die Regelmechanismen versagen. Aber Demokratien sind doch recht erstaunlich stabil. Zumindest halten sie sich lange, und sind nicht auf eine Staatspitze festgelegt. War da nicht erst was in Smolensk? In einem anderen Staat in Afrika, hat so ein Absturz mehren hunderttausend Menschen das Leben gekostet.
Damit zu drohen, das den Amis die bösen Feinde ausgehen könnten, ist jetzt aber ganz schön fies!
Was ich an China sympathisch finde, auf Afrika bezogen, ist, das sie tatsächlich was bewegen. Auch dauerhaft. Immerhin richten sie nach dem amerikansichen Vorbild auf dem Handelsweg dorthin mehrere Marinebasen ein (Sri Lanka, Bangladesh, Pakistan), und bewirken in etwa dasselbe, was die Amerikaner seinerzeit in Island mit angeschoben haben. Das scheint mir den Menschen mehr zu helfen, als unsere traditionelle Entwicklungshilfe. Das Politikum zieht sich aber noch weiter dahin, das man die Zollgrenzen in Europa/Amerika/etc. senken oder abschaffen müsste. Was den Bogen zu den möglichen Ursachen von instabilen Verhältnissen in Demokratien schlägt.
Wie lange wollen wir das Thema noch totdiskutieren? ;)
Also, wenn jemand als Märtyrer sterben möchte, soll er das tun. Er dient damit niemandem. Aber es wäre nett, wenn er nur sich selbst dabei umbringt, und nicht auch noch andere ins Jenseits befördert. War da nicht so ne Geschichte in Los Alamos?
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19.05.2010 - 00:07 Uhr
2__b
"die Welt auf einmal retten, ist wohl kaum von heute auf morgen möglich ;)"
Das vielleicht nicht, aber von gestern auf heute wäre schon viel Zeit gewesen, für die "Industrieländer" ehrliche Entwicklungshilfe (als unterstüztende Hilfe zur Selbsthilfe) umzusetzen.
"So, um jetzt den Bogen zurück zu Maya zu bekommen: moralisch halte ich ihre Verweigerungshaltung prinzipiell für OK. Nur fällt sie in meinen Augen den Leuten in den Rücken, die dafür Sorge tragen (sollten) das sie ein freies Leben führen kann(!)."
Wenn Du ehrlich zu Dir selber bist (und es nicht darum geht Recht zu behalten), dann findest Du genau so viele Argumente dafür, dass Maya mit Ihrem Engagement für gegenseitiges Verständnis genau diesen RetourTerror nicht provoziert .
Wie denken junge und überdurchschnittlich (aus)gebildete Palästinenser (die vielleicht auch im Ausland Erfahrungen gesammelt haben) über das Verhältnis zu Israel?
Wie würde eine Welt aussehen, wenn es nur noch Demokratien nach "westlichem" Muster gäbe und in diesen die RegelMechanismen versagen (so eine MonoPolitik können selbst vernünftige und solidarische, amerikanische Staatsbürger nicht wollen - "the land of the free" - wäre selbst gefährdet, seine Ideale zu verlieren)?
moderner Kolonialismus (passt zum Absatz vorher und nachher):
China müsste nicht die selben Fehler machen, wie der "Westen" - nur der "Westen" warnt (tendenziell) nur sehr verhalten, weil er beim doppelten Aufbau Chinas profitieren will (ökologisch und menschlich peinlich - wirtschaftlich (kurzsichtig) systemkonform).