14.05.2010 - 18:30 Uhr

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Sind wir jetzt alle Bayern-Fans?

Text: jetzt-redaktion

Nachdem der Fußballclub aus München am vergangenen Wochenende die Meisterschale in Empfang nehmen durfte, schrieb die FAZ, die Bayern seien "so etwas wie der Wellness-Klub der Nation". Und Mark von Bommel (der bisher eher als unympathischer "Aggressive Leader" aufgefallen war), sagte: "Wir gewinnen gerade viele, viele Sympathien." Aber stimmt das wirklich? Sind wir jetzt wirklich alle Fans des FC Bayern, der an den kommenden beiden Wochenenden zwei Endspiele auszutragen hat und vom so genannten Tripple träumt? Fußball-Fan und Moderator Arnd Zeigler beantwortet diese Frage in einem Gastbeitrag auf jetzt.de: Grundsätzlich stelle ich erstaunt an mir fest: Sie bröckelt, die über Jahrzehnte angeeignete, anerzogene, an-was-auch-immer Antipathie gegen den FC Bayern. In diesen Tagen stelle ich fest, dass ich (aber das ist auch wirklich keine Kunst mehr!) Louis van Gaal putzig finde. Dass ich Arjen Robben gerne zusehe, vor allem beim Fußball spielen. Dass ich Uli Hoeneß beinahe vermisse. Und Kalle Rummenigge gar nicht mehr immer peinlich finde. Die Bayern haben viele Punkte gemacht in den letzten Monaten. Soviele gar, dass ihnen ein beinahe unmögliches Unterfangen gelang: Am Ende gönnten ihnen viele neutrale Fans den Titel, und für Magaths Schalker langte es nicht einmal mehr zum „Meister der Herzen“. Dafür verhielt sich die Bayerische Kunst des Fußballspielens einfach zu divergierend zu dem, was Schalke 04 unter gleichem Namen anbot. Also: Die Bayern sind akzeptabel geworden, für viele von uns, die das früher niemals von sich hätten sagen können, ohne dabei unmittelbar einen Magendurchbruch zu erleiden. Was aber nicht bedeutet, dass ich nun bei jedem Bayern-Spektakel im Fernsehen innerlich Lahm liebe, mit Schweinsteiger schwofe oder mit Klose knutsche. Denn damit eines mal klar ist: Dieses „Heute sind wir alle Bayern-Fans!“-Gesabbere ist genauso behämmert wie grundlose, platte, gewohnheitsmäßig gepflegte Abneigung. Ich bin kein Bayern-Fan, und entgegen anderslautenden Behauptungen bin ich auch nicht Papst, Schumi oder Lena Meyer Landrut. Und in ein paar Wochen auch nur dann schwarz-rot-geil, wenn mir ein Anlass dazu gegeben wird.
Eine Frage, fast so alt wie die Menschheit, oder zumindest so alt wie die UEFA-Fünfjahreswertung: Muss man aus Patriotismus (oder sogar nur aus niederem, nacktem wirtschaftlichen Kalkül) in der Champions League den anderen Bundesligavereinen die Daumen drücken, egal ob man sie ansonsten mag oder nicht? Ich erinnere mich noch gut: Als ich klein war, drückte ich allen die Daumen, die Deutschland irgendwo vertraten: Bayern München, Schalke 04, sogar dem HSV – ich ekelte mich vor nichts. Und ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich sogar schon so betagt bin, dass ich mit kleinen, schwitzigen Kinderhänden dem MSV Duisburg und Eintracht Braunschweig im UEFA-Cup die Daumen drücken konnte. Heute ist das anders, und das bringt mir alljährlich dieselben Diskussionen ein: Muss man Bayern München die Daumen drücken, wenn sie gegen Tel Aviv oder Inter Mailand spielen? Manche meinen: Man muss! Weil (... und jetzt kommt einer der größten Alltime-Quatschsätze deutscher Fußballfans!!!): „Das ist doch gut für den deutschen Fußball, wenn die weit kommen!“ Wenn man diesen Satz mal hinterfragt, kommt nicht viel dabei raus. Warum soll es gut für den deutschen Fußball sein, wenn Bayern Tel Aviv schlägt? Lassen dann die Serben bei der WM gegen uns freiwillig einen rein? Geht Chelsea mit wackligen Knien auf den Platz, wenn sie in der nächsten Saison gegen die Bayern ranmüssen? Ist es hilfreich für die Reputation deutscher Fußballer, wenn der Niederländer Robben, der Belgier van Buyten, der Franzose Ribéry, der Argentinier Demichelis, der Kroate Olic und der Türke Hamit Altintop schöne Erfolge mit ihrem Club feiern? Und wenn ja, warum? (Stille.) Vorerst also keine Antwort. Zweites Argument der „Bayern-muss-man-die-Daumen-drücken-weil-das-doch-gut-ist-für-den-deutschen-Fußball!“-Mahner ist der sogenannte UEFA-Koeffizient: Je erfolgreicher die Deutschen in den Pokalwettbewerben abschneiden, umso mehr deutsche Teams dürfen vielleicht später mal mitspielen. Aber auch da die Gegenfrage: Na und? Bedeutet es einen großen Lustgewinn, wenn durch einen stark verbesserten UEFA-Koeffizienten irgendwann mal Eintracht Frankfurt regelmäßig in der Europa League spielen darf? Oder wenn Werder Bremen dauernd in der Champions League spielen darf, egal ob man Meister oder Siebter wird? Ich will das nicht. Ich bin da altmodisch: In einem Wettbewerb sollte man wegen eigener herausragender Leistungen mitmachen dürfen und nicht, weil wir einen schnuckeligen UEFA-Koeffizienten haben. Als ich anfing, mich für Fußball zu interessieren, musste man in der Bundesliga mindestens Fünfter werden oder den DFB-Pokal gewinnen, um international dabei zu sein. Und im Meister-Cup spielten nur Meister. Ich kann nicht behaupten, dass mir damals irgendwas Wichtiges gefehlt hätte. Deshalb: Ich will international nicht Teams die Daumen drücken müssen, die ich national auch nicht so mag. Das wäre verlogen, oder? Ohne Namen zu nennen: Mancher deutsche Rekordmeister ist mir eher wenig sympathisch, gegen Tel Aviv habe ich hingegen nichts. Weshalb sollte ich nicht einfach zu der mir weniger unsympathischen Elf halten? Oder anders: Wäre es gut für die deutsche Küche, wenn ich im Ausland engagiert für Bratwurst mit Sauerkraut eintrete? Wäre es gut für die deutsche Schauspielkunst, wenn ich am Broadway mit leuchtenden Augen über das Ohnsorg-Theater schwadroniere? 1982 gewann Nicole den, wie es damals noch hieß: Grand Prix Eurovision de la Chanson. Und, war das nun gut für die deutsche Musik? Keine weiteren Fragen. Arnd Zeigler ist Moderator, Autor und Stadionsprecher beim SV Werder Bremen (dem Final-Gegner der Bayern im DFB-Pokalendspiel am Samstag). Er moderiert eine Sendung im WDR Fernsehen und ist Erfinder von Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs. Diesen Gastbeitrag hat er exklusiv für jetzt.de verfasst.


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JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

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18.05.2010 - 08:02 Uhr
JoergAuch

Make_war sagte:
Bayern ist scheisse, genau wie Schalke, Dortmund, der HSV ... halt alle Mannschaften bis auf mein persönliches Lieblingsteam.

Hey, endlich mal eine wirklich differenzierte Meinung! :-))

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

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18.05.2010 - 10:30 Uhr
ThomasCrown

@d_d: mit verlaub: wenn du tatsächlich meinst, deutschland hätte die wm wegen des ansehen des deutschen fussballs gewonnen, müssen wir darüber nicht mehr diskutieren. warum war südafrika denn eine starker gegner? weil der südafrikanische fussball so angesehen war oder eher weil blatter das zu seiner persönlichen "ich werde friedensnobelpreisträger"-kampagne als unerlässlich angesehen hatte und die stimmen aus afrika sowieso gut gebrauchen kann zu den präsidentschaftswahlen? und wenn der neuseeländer nicht kurz vor der abstimmung noch umgekippt wäre, hätte es 12:12 gestanden und blatters stimme hätte entschieden. beckenbauer my ass.

(warum hatte england keine chance? weil sie sportpolitisch miserabel vernetzt waren - aus den fehlern haben sie dann bei der bewerbung für olympia 2012 gelernt und ein paar fähige strippenzieher eingekauft.)

für all dies und noch viel mehr empfehle ich jensweinreich.de - die beste berichterstattung über sportpolitik im netz.


und was die beleidigungen angeht (ich finde zwar gerade gar keine, aber meinetwegen): die sind nicht persönlich gemeint, sondern richten sich nur an dich als bayernfan. wenn dir solches verhalten fremd ist, zeigt das eben nur dein fussballverständnis.

TomJones
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Mag ich Mag ich nicht

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18.05.2010 - 12:27 Uhr
TomJones

Selbstverständlich sind wir jetzt alle Bayern, selbst die nach Fisch miefenden Bremer.
Denn was der FCB für unseren Stellenwert im Fußball im benachbarten, europäischen Ausland tun kann, ist von äußerst hoher Bedeutung für unser Land schlechthin. Da sollte man seinen Neid auf den unglaublichen Erfolg hinunterschlucken und den Roten einfach die Daumen drücken.

ThomasCrown
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18.05.2010 - 13:23 Uhr
ThomasCrown

@tom: wenn die bayern cl-sieger werden, mögen uns also auch die griechen wieder?

Digital_Data
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Mag ich Mag ich nicht

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18.05.2010 - 13:31 Uhr
Digital_Data

ThomasCrown sagte:
aber gut, zwischen bayernfans und fußballfans ist ja auch ein ziemlicher unterschied.


Damit verunglimpst Du pauschal alle Bayern-Fans. Aber das ist ja anscheinend okay.

Und wo hatte Deutschland trotz der Vorgabe des Vorstandes die 12 Stimmen her ? Weil sie Blatter eins auswischen wollten ?

Der_Digital_Data (jetzt in 3D)

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

-1

18.05.2010 - 13:59 Uhr
ThomasCrown

@d_d: ach, ich kenne auch einige bayernfans, die echte fussballfans sind. manche sind sogar nett. aber das ist eine zu vernachlässigende größe, da kann man ruhig pauschal alle verunglimpfen, ja.


zur wm-vergabe eine leseempfehlung: kistner, thomas (süddeutsche): Wie eine ominöse Deutschland AG die Fußball-WM akquiriertein: http://www.amazon.de/Korruption-Sport-Dr...

oder auch:
http://www.amazon.de/Die-Spielmacher-Tho...

weiterer literaturtip zu korruption und machenschaften bei der fifa:
http://www.amazon.de/Das-Milliardenspiel...

voiceofregret
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Mag ich Mag ich nicht

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18.05.2010 - 14:04 Uhr
voiceofregret

wie, fifa und korruption? nie im leben! :-D

ThomasCrown
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Mag ich Mag ich nicht

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18.05.2010 - 14:15 Uhr
ThomasCrown

entschuldigung. natürlich alles reine ehrenmänner, die herren jack warner, ricardo teixira, joseph blatter, havelange, fedor radmann (DEM haben "wir" übrigens die wm zu verdanken), etc.

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