09.05.2010 - 18:30 Uhr

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Mein Austritt war richtig

Text: sascha-chaimowicz

Wie sich das Leben ändert, wenn man Facebook verlässt

Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich austrat. Ich reiste durch Italien, ohne Anbindung zum Netz, quasi auf Entzug. Nach einer Woche kam ich in einem kleinen Internetcafe an. Endlich wieder Facebook. Ich hatte 25 neue Nachrichten, fünf Fotokommentare und vier Einträge auf meiner Pinnwand, die ich nicht gelesen hatte. Für jemanden, der sein Profil sonst stündlich checkt, ist das ein Knall. Es verlangte nach einer Entscheidung: Geht das jetzt so weiter oder höre ich auf?
Zehn Minuten später verschickte ich Abschiedsmails und startete meinen eigenen Auflösungsprozess, der etwa sechs Schritte brauchte. Der vorletzte war ei- ner der gemeinsten. Unter einer Reihe von Profilbildern von Freunden stand der unglaubliche Satz: „Diese Menschen werden dich vermissen.“ Ich stieg trotzdem aus. Oder besser gesagt: Ich ließ mein Profil ruhen. Wie man es technisch schafft, sein Profil komplett aufzulösen, weiß ich nämlich bis heute nicht. Ich ruhe also. Ein paar Klicks und ich wäre wieder da. Als Süchtiger auf Facebook. Die Seite ist auf eine magische Weise unterhaltsam, sie gibt einem dabei das Gefühl, man könne ohne Probleme damit aufhören, und der Gebrauch treibt einen dazu an, immer mehr zu wollen. Wer zum Beispiel seine Statuszeile verändert, muss auch nachsehen, was die Leute darunter kommentieren. Das wiederum muss dann zurück kommentiert werden. Im Prinzip in Echtzeit. Mein Facebook lief in Klicks pro Minute.
Runterkommen ist schwierig, und ich unterteile die Wochen nach meinem Austritt in drei Phasen: Qual, Abnabelung und eingebildete Freiheit. In Phase eins kämpfte ich dagegen an, an Facebook zu denken. Wenn ich irgendwo das blaue Firmenlogo sah, bekam ich Sehnsucht. Facebook hatte sich in mein Bewusstsein gegraben, es veränderte mei- ne Wahrnehmung von Erlebnissen. Ich filterte einzelne Episoden, die ich im Alltag erlebte, nach Statuszeilentauglichkeit. Das musste ich mir abtrainieren. Ich bat meine Freunde darum, mir nicht zu erzählen, was Neues auf Facebook steht. Die Phase der Abnabelung ist die interessanteste. Nach etwa zwei Wochen ohne Facebook erscheint einem das Innenleben der Seite als absurd. Es wird auf ein- mal sehr einfach, daran nicht mehr teilzuhaben. In meiner Abwesenheit wurde zum Beispiel Farmville groß, was ich völlig unverständlich fand. Die Statuszeilen wirken, wenn man ein paar Wochen raus ist, selbstherrlich. Mich überraschte, dass der Facebook-Sog, der in meiner aktiven Zeit so stark war, seine Kraft so schnell verlor. In der letzten Phase hatte ich den Eindruck, durch meinen Verzicht richtig viel Zeit gewonnen zu haben. Doch die Wahrheit ist, dass die gewonnene Zeit nicht zu Lesezeit wurde, sondern ich anderen Quatsch machte – die gleiche Stromberg-Staffel zum Beispiel zweimal guckte.
Manchmal denke ich darüber nach, welche guten Erinnerungen ich an Facebook habe. Immerhin habe ich auf der Seite damals mehr Zeit verbracht als mit meinen besten Freunden. Ich glaube, dass etwas, mit dem ich freiwillig viel Zeit verbringe, diesem Anspruch gerecht werden sollte: Es sollte schöne Erlebnisse bringen, an die ich mich gerne erinnere. So gesehen war mein Austritt richtig. Dieser Text ist Teil der jetzt.de-Sonderseite zum Thema Facebook, die du am 10. Mai auch am Kiosk kaufen kannst.


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milagro
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Mag ich Mag ich nicht

2

11.05.2010 - 09:54 Uhr
milagro

oh gott... man könnte meinen, facebook wäre wichtig im leben... *brech*

JoergAuch
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Mag ich Mag ich nicht

1

11.05.2010 - 10:06 Uhr
JoergAuch

Bofski sagte:
Aber das Ding an Facebook ist, dass ich es damit wirklich schaffe den Kontakt zu Freunden auf der ganzen Welt aufrechtzuerhalten (ERASMUS, etc.) und dass es mir ermöglicht mich auch wieder mit ihnen zu treffen wenn ich will. Facebook ist ein Filter des sonst unumgänglichen "out of sight out of mind". Ich kann entscheiden wer mich noch interessiert und gute Freunde bleiben wirklich erhalten, denn ich könnte nicht jede Woche in die USA, nach Polen, Italien oder sonstwohin telefonieren. Facebook ist also quasi das Verbindungsglied eines verrückten internationalen Freundeskreis.

Ach, das ging auch vor Facebook. Bei mir klappt das seit über 20 Jahren.

STONI
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Mag ich Mag ich nicht

1

12.05.2010 - 21:09 Uhr
STONI

Kenne Facebook schon seit es in den Startlöchern is, hab mich damals nie angemeldet und werde es auch nie tun! In Amiland geht das schon soweit, dass Menschen die nicht bei Facebook angemeldet sind schlechtere Karten bei evtl. Jobbewerbungen haben...Die Begründung, diese Menschen sind nicht weitgehend genug in die heutige Gesellschafft integriert. Alle schaun zu, keiner macht was...war vor 60 Jahren au so... :P Oke, das war zu hart das Beispiel :P ...egal...Viel Spaß euch noch! Grüße, Stona

mouton
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Mag ich Mag ich nicht

2

13.05.2010 - 11:38 Uhr
mouton

get. a. life.

maaaaan -.-

looqpool
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Mag ich Mag ich nicht

0

16.05.2010 - 19:27 Uhr
looqpool

° @Die_Titanin - Ich hab noch nie gehört, dass es in der Heutigen Welt so etwas (die Reichen ausgenommen) wie die Gründung einer Sekte möglich wäre, da mobilisieren schon "gefährdete" Gruppierungen ihre "Aussteiger" weil die neuen Sekten ihnen die Ganzen Mitteln wegnehmen - in der Sektengründung bekommen immer noch die "Klohnzer" die meiste "Anerkennung" (alles was man will, von Guerlaine) die man mit "Sektengelder" erlangen kann.

° Sektenmitglieder bekommt man deswegen in unseren Breitengraden kaum zu Gesicht. Die "Fratzen" sind Schottische Katoliken die nach Deutschland gelotst wurden, während Russland "aufrüstet" - vllt in Lacroix White - ach ja, gezuckert ist auch toll...

Mory
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Mag ich Mag ich nicht

0

26.05.2010 - 00:16 Uhr
Mory

Ja... das passiert sehr schnell, denn man vergeudet teilweise mehr wertvolle Zeit als einem lieb ist, Deine Entscheidnug war richtig ;)

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sascha-chaimowicz

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