Open Bus
Es regnet. Die Türen des Busses öffnen sich.Die Suche nach einem freien Platz ist am schwierigsten nach dem Einsteigen. Links sitzt der coole Halbstarke mit Basecap. Der Hosenschlitz reicht fast bis zum Boden. Ich hätte auch gerne so einen langen Schwanz. Dann kaufe ich mir auch so weite Hosen.
Er macht die Beine so breit, dass sich niemand neben ihn setzen kann. Rechts steht die alte Oma, die in der nächsten Kurve umfallen wird.
Aber ich möchte mich weder neben die Jugend Deutschlands setzen, die angeblich unsere Zukunft ist und aus deren Kopfhörern deutscher HipHop schallt noch der alten Oma helfen müssen, wenn sie sich in der nächsten Kurve auf die Fresse legt und den Schenkelhals bricht.
Die Türen schließen sich und öffnen sich nach kurzem nochmals. Eine dickliche Frau steigt im hinteren Teil schwer atmend in den Bus und lässt ein fröhliches Danke nach vorne schallen, das wohl dem Busfahrer gilt, der auf sie gewartet hatte. Das Danke halt in meinen Ohren nach. In deutschen Bussen ist man nicht laut, schaut seinen Nachbarn am besten nicht an und auch nicht das schöne Mädchen, das sich mit der aktuellen Frühjahrsmode völlig verunstaltet.
Nur die Halbstarken dürfen laut sein und lassen ihre Handy MP3 Player auf voller Lautstärke laufen.
So ist Deutschland: Anonym, jeder ist mit sich selbst beschäftigt, und das Wort hilfsbereit ist schon längst aus dem Duden verschwunden. Es wird das Unwort 2011.
Im anfahrenden Bus hangel ich mich in Richtung Fahrer. Zahlen werde ich nicht, denn meine Dauerkarte liegt zu Hause.
Risiko? Wir werden sehen.
Ich setze mich auf einen Sitz, der gegen die Fahrtrichtung zeigt, so habe ich den Bus im Blick und kann zusehen, wie die Leute ein- und aussteigen.
Neben dem Bus hält eine Frau in einem Sportwagen. Sie greift sich zwischen die Beine. Ihr Rock ist sehr kurz. Der Mann neben ihr im Anzug ist sichtlich angespannt. Zum Kommen ist es noch zu Früh am Tag.
Der Bus hält, zwei auffällige Personen steigen vorne und hinten ein und werden vom Fahrer gegrüßt. Das ist das Zeichen für mich zum Aussteigen.
Den Rest werde ich laufen. Ich habe genug gesehen.








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17.05.2010 - 19:33 Uhr
Mareen