Ein Dankeschön ans Internet
Warum die ständige Verfügbarkeit des Netzes nicht lästig, sondern sogar ziemlich gut ist.
Frank freute sich. Er saß in Boxershorts auf seinem zerwühlten Bett und lachte. "Seit Tagen niemanden gesehen“, sagte er, "keine Leute, die mir ihren Quatsch erzählen wollen, keine Anrufe. Ich weiß nicht mal, wie es meinen Freunden geht. Super.“ Ich reichte Frank ein T-Shirt. "Ich bin jetzt seit über 14 Tagen hier“, fuhr er fort. "Ich, ganz alleine. Niemand sonst. Du glaubst gar nicht ...“ Dann wachte ich auf. Frank war ein Traum – und kein besonders guter, wie ich finde. Doch damit stehe ich derzeit offenbar eher alleine da: Die Vorstellung von jemandem, der isoliert in einem Kämmerlein sitzt, keinen Kontakt zu seinen Freunden oder zu Nachrichten von außen hat, wird immer häufiger als ungreifbarer aber wunderbarer Idealzustand stilisiert. In meinem Freundeskreis, auf Partys, in den Medien. Und zwar immer dann, wenn es um das Internet geht. Das ist dann entweder zeitfressend, nervig oder verwirrend. All das würde ich vielleicht sogar noch verstehen, was ich jedoch nicht verstehe, ist, warum sich so viele Leute davon wegwünschen: Warum sie es für ungut halten, wenn man nach dem Kino das Handy einschaltet und Mails checkt oder was daran falsch sein soll, vor dem ersten Kaffee in der Früh die Statusmeldungen von Freunden zu lesen. Beides ist für mich zu einer Selbstverständlichkeit geworden und ich finde daran nichts bedrohlich, gefährlich oder gar verwirrend. Und keine Sorge, das ist nicht einfach so daher gesagt. Spätestens seit Frank Schirrmacher sein Internet-Untergangs-Buch "Payback“ veröffentlicht hat, denke ich intensiv darüber nach, warum ich für seine Szenarien soviel Interesse aufbringe wie für das Schicksal eines Millionärs, der erzählt, dass er gar nicht weiß, wohin mit seinem Geld. Ganz klar: Das ist nicht mein Problem!
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09.05.2010 - 18:28 Uhr
hirntod
Und genau an der Stelle setzt der Automatismus bestimmter Algorithmen an, die unseren Informationszufluss im Internet verwalten, vergleichbar mit einem geistigem Türsteher(als bestes Beispiel Google). Die ohne Frage notwendige Selektierung von Inhalten durch 3te führt dazu, dass man sich ab einem bestimmten Punkt fragen muss, ob wir die Inhalte die wir konsumieren auswählen, oder die Inhalte, bzw. die Vermittler der Inhalte uns als Konsumenten schaffen.
Es geht immer weniger darum die Interessen des Individuums im Internet zu befriedigen sondern das Interesse auf schon vorhandene Inhalte zu lenken.
Vergleichbares ist auch schon in der Vergangenheit in der Realwirtschaft passiert. Erst seitdem wir in einer Überflussgesellschaft leben ist es nötig geworden, selbst für Produkte des alltäglichen Gebrauchs im großen Umfang zu werben.
Nun will aber meiner Meinung nach niemand(oder kaum jemand), nicht mal die "Netzkritiker", das Internet abschaffen oder das Angebot verknappen, noch ist es möglich ohne diese "Schirrmachermaschinen" das Internet effizient zu nutzen, also ist alles was uns übrigbleibt dieses Angebot kritisch zu nutzen und die automatischen Prozesse die dort stattfinden nicht genauso automatisch auf unseren Verstand überhand nehmen zu lassen.